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07.01.2019

17:14

Bridgewater

Weltgrößter Hedgefonds macht 15 Prozent Rendite – auch mit Wetten gegen den Dax

Von: Astrid Dörner, Jürgen Röder

Gegen den Markttrend legte Bridgewater im vergangenen Jahr deutlich zu. Gründer Ray Dalio blickt besorgt in die Zukunft – und fürchtet eine schlimmere Krise als 2008.

Der Gründer des weltgrößten Hedgefonds hatte im Sommer angekündigt, sich aus dem Tagesgeschäft stärker zurückzuziehen. Bloomberg/Getty Images

Ray Dalio

Der Gründer des weltgrößten Hedgefonds hatte im Sommer angekündigt, sich aus dem Tagesgeschäft stärker zurückzuziehen.

New York, DüsseldorfEs war keine leichte Entscheidung. Ray Dalio, Chef des weltgrößten Hedgefonds Bridgewater, kündigte im Sommer an, sich aus dem Tagesgeschäft stärker zurückzuziehen. Der 69-Jährige hat zwar immer noch den Titel Co-Investmentchef, doch er gab wichtigen Mitarbeitern mehr Mitspracherecht in der Firma, die er 1975 gegründet hatte.

Der Performance hat das nicht geschadet, im Gegenteil. Bridgewater erzielte im vergangenen Jahr eine Rendite von fast 15 Prozent nach Gebühren, wie Insider berichten. Das ist die beste Wertentwicklung seit fünf Jahren.

Bridgewater stellt sich damit klar gegen den Trend in der drei Billionen Dollar schweren Hedgefonds-Branche. Der anhaltende Bullenmarkt hat es für viele, auch erfahrene Anlageprofis schwierig gemacht, Indizes zu schlagen und somit hohe Gebühren von ihren Kunden zu rechtfertigen.

Seit 2016 schließen jedes Jahr mehr Hedgefonds als neue eröffnen. Eine Reihe von Star-Investoren hatte 2018 ein miserables Jahr. David Einhorns Greenlight Capital schloss mit einem Minus von 34 Prozent, es war das schlechteste Jahr in der Geschichte des Fonds. Dan Loebs Third Point Capital lag elf Prozent im Minus. Im Schnitt haben Hedgefonds 6,7 Prozent verloren, wie der Global Hedge Fund Index HFRX zeigt.

Der breit gefasste US-Aktienindex S&P 500 verlor im vergangenen Jahr 4,4 Prozent. Nach einem ungewöhnlich ruhigen 2017 war das vergangene Jahr von hohen Schwankungen geprägt, was einige Investoren auf dem falschen Fuß erwischte. Gerade zum Jahresende hin gab es extrem hohe Ausschläge.

Dalios Firma, die insgesamt 160 Milliarden Dollar verwaltet, ist nach eigenen Angaben weltweit in rund 150 Märkten aktiv und hatte im vergangenen Jahr stark gegen deutsche und italienische Aktien gewettet. Ende März setzte Bridgewater 8,2 Milliarden Euro auf fallende Kurse bei 14 Dax-Titeln, darunter SAP, Siemens, Allianz und Deutsche Bank. Danach fuhr er die Wetten zurück, wie aus dem Bundesanzeiger hervorgeht. Im Frühjahr wettete Bridgewater gegen italienische Banken.

Vorbereitung auf die nächste Krise

Dalio teilt sich den Posten des Investmentchefs mit Bob Prince und Greg Jensen. Das Trio blickt schon länger pessimistisch in die Zukunft. Die US-Notenbank Federal Reserve könnte eine „heiße“ US-Wirtschaft in eine „mittelmäßige“ verwandeln, warnte Price im Oktober in einem Interview mit der „Financial Times“. Dalio, der seinen Fonds im Jahr 1975 in Westport, Connecticut, eine Stunde außerhalb von New York gründete, erwartet die nächste Rezession in etwa zwei Jahren.

Er sorgt sich wegen der hohen Staatsschulden. Schon Ende November sagte er voraus, die US-Notenbank (Fed) werde in diesem Jahr zurückhaltender agieren als zunächst geplant. Damit scheint er richtig gelegen zu haben.

Erst vergangene Woche versuchte Fed-Chef Jay Powell, die Märkte zu beruhigen, und signalisierte, flexibel und geduldig zu sein. Bei der jüngsten Sitzung im Dezember hatten die amerikanischen Notenbanker noch zwei Zinsanhebungen signalisiert und damit die Märkte weiter verunsichert.

Die nächste Krise werde jedoch anders ablaufen als 2008, glaubt Dalio, der im Herbst ein neues Buch mit dem Titel „Grundsätze, um durch große Schuldenkrisen zu steuern“ veröffentlicht hat. Dalio sieht eher Parallelen zu den Zeiten der großen Rezession Ende der 1930er-Jahre. Auch damals seien die Zinsen niedrig und die Bewertungen hoch gewesen, und die Zentralbanken hätten begonnen, die Geldpolitik zu drosseln.

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Die Folgen könnten schlimmer sein als vor zehn Jahren, zum einen, „weil es große Unterschiede bei der Einkommensverteilung gebe“, argumentiert der Star-Investor. Populismus und Rivalitäten in der Wirtschaft und beim Militär, etwa zwischen den USA und China, „werden wahrscheinlich zu größeren Konflikten führen“. Auch glaubt Dalio, dass die Instrumente der Notenbanken in der nächsten Krise weniger effektiv sein werden, weil die Zinsen immer noch auf einem niedrigen Niveau sind.

Dalio kündete im Sommer an, seine Firma in eine Partnerschaft umzuwandeln, in der die wichtigsten Manager einen Anteil bekommen. Damit ähnelt die Struktur etwa der der Unternehmensberatung McKinsey. Auch die Investmentbank Goldman Sachs war vor dem Börsengang so organisiert.

Dalio hat bereits vor Jahren ein viel beachtetes, aber umstrittenes Managementsystem eingeführt. Er bezeichnet es als eine Meritokratie, also leistungsbezogene Organisation, die auf „radikaler Offenheit“ basiert. Alle Mitarbeiter sind demnach angehalten, andere – auch ihn – direkt zu kritisieren. Der Ansatz ist gewöhnungsbedürftig. Doch Dalio ist überzeugt, dass so die besten Investmentideen zustande kommen.

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