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12.05.2019

14:42

Geldanlage

Wie Mischfonds um Kunden kämpfen

Von: Ingo Narat

Mischfonds sind bei Anlegern derzeit besonders beliebt. Aber viele erwirtschaften keine attraktiven Erträge. Es herrscht ein Verdrängungswettbewerb.

Anleger investierten im vergangenen Jahr laut einer Statistik des deutschen Fondsverbandes netto knapp 22 Milliarden Euro in Mischfonds. dpa

Geldanlage

Anleger investierten im vergangenen Jahr laut einer Statistik des deutschen Fondsverbandes netto knapp 22 Milliarden Euro in Mischfonds.

Frankfurt Es ist ein Wortungetüm mit sechs Silben: Verdrängungswettbewerb. Doch es beschreibt die Situation am Markt für Mischfonds, die in mehrere Anlageklassen wie Aktien und Anleihen investieren, genau. Die Produktidee ist simpel und passt in eine Zeit, in der immer mehr Anleger nach einer einfachen Lösung für ihre Geldverwaltung suchen.

Fondshäuser haben auf die steigende Nachfrage reagiert und eine Vielzahl von Produkten auf den Markt gebracht. Die Folge ist eine schier überbordende Auswahl an Offerten, die das Thema umfassende Geldverwaltung mit einem einzigen Produkt abhaken wollen. In jüngster Zeit bekommen diese Angebote gerne auch Aufschriften wie Multi-Asset oder Absolute Return.

Laut Scope Analysis können die Deutschen derzeit aus weit über 2000 solcher Fonds wählen. In ihnen stecken mehr als 700 Milliarden Euro Kapital. Der Status quo sagt wenig über die Dynamik – ein Blick zurück dafür umso mehr. „In fünf Jahren ist die Zahl der Mischfonds um ein Drittel gestiegen, und der Trend zu immer mehr Produkten ist ungebrochen“, sagt Scope-Analyst André Härtel.

Der Blick auf das Kundeninteresse fällt ähnlich aus. Seit langer Zeit zieht diese Produktgruppe das meiste frische Geld der deutschen Anleger an. Laut der Statistik des deutschen Fondsverbandes investierten Anleger hier im vergangenen Jahr netto knapp 22 Milliarden Euro. Alle anderen Fondsgruppen verblassten dahinter oder mussten sogar Abflüsse hinnehmen.

Mangelhafte Erträge

Doch der Boom hat eine Schattenseite: Eine große Zahl der Produkte erwirtschaftet keine attraktiven Erträge. Das schlägt sich in den Ratings nieder, die Ertragskraft und Wertschwankungen der Depots bewerten. Bei Scope bekommt nur eins unter drei Produkten eine Topnote.

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3,8 Prozent Verlust: Der Zukunftsfonds von Kai Diekmann und Lenny Fischer enttäuscht nach einem Jahr am Markt. Trotzdem halten sie am Ertragsziel von drei bis vier Prozent fest.

Im vergangenen Jahr machten die ausgewogen anlegenden Mischfonds im Schnitt beispielsweise einen Verlust von über sechs Prozent (siehe Grafik). Ein Vergleichsindex aus Aktien und Anleihen überstand die turbulente Periode dagegen mit einem leichten Plus. Die oft unterdurchschnittlichen Fondsergebnisse werden von Ratingagenturen wie Morningstar bestätigt.

Auch „Der Zukunftsfonds“ von Kai Diekmann und Lenny Fischer überzeugt in diesem Vergleich nach Ansicht von Kritikern nicht. Er verlor vergangenes Jahr knapp vier Prozent. Da er kaum in Aktien investiert war, litt er jedoch nicht so stark unter der Talfahrt an den Börsen wie andere Fonds.

Die Initiatoren Fischer und Diekmann wollen die Wertschwankungen des Fonds grundsätzlich klein halten, da sie den Zukunftsfonds als Spar-Ersatzprodukt anbieten. Im ersten Quartal des neuen Jahres schaffte das Produkt ein kleines Plus.

Die häufig schlechte Performance der Mischfonds heizt den Verdrängungswettbewerb an. Gute Beispiele dafür sind große Flaggschiffe wie der „Patrimoine“ des französischen Anbieters Carmignac und der „Ethna-Aktiv“ aus dem Luxemburger Hause Ethenea Independent Investors. Beide glänzten in der Finanzkrise mit guten Erträgen und zogen in der Folge viele Milliarden Euro an Anlegergeld an.

In den vergangenen Jahren verloren sie wegen schlechter Performance jedoch in großem Stil Kapital. „Viel von diesen verlorenen Milliarden ging in Konkurrenzprodukte“, sagt Experte Härtel.

Ein generelles Problem bei Fonds und auch bei Mischfonds sind die oft geringen Volumina. Viele Produkte erreichen kein dreistelliges Millionenkapital. „Sind sie unter 50 Millionen Euro, stehen sie typischerweise bei den Anbietern auf der Beobachtungsliste für eine mögliche Schließung oder Fusion mit einem anderen Produkt“, warnt Härtel.

Außerdem würden bei kleinen Fonds die beim Anbieter anfallenden Kosten übermäßig zu Buche schlagen und die Nettoerträge für den Fonds belasten, sagt der Scope-Analyst. Anleger hätten jedoch ein Interesse an günstigen und dauerhaft bestehenden Produkten. Für Anleger hat Härtel deshalb eine einfache Empfehlung: „Keine kleinen Fonds kaufen.“

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