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15.04.2019

18:10

Investmentanlage

Der starke Wettbewerb am ETF-Markt macht Produkte billiger

Von: Ingo Narat

Die beliebten Indexfonds ETFs werden weltweit immer billiger. In den USA gibt es bereits die ersten Produkte ohne Gebühr – ein Vorbote für Europa?

Die beliebten Anlageprodukte werden günstiger. IMAGO

ETF (Symbolbild)

Die beliebten Anlageprodukte werden günstiger.

FrankfurtGute Nachrichten für Anleger: Die beliebten börsengehandelten Indexfonds, ETFs, werden im immer härteren Wettbewerb immer billiger. Und das passt gut zu den Vorlieben der Investoren, die diese „Exchange Traded Funds“ vor allem deshalb kaufen, weil sie preiswert sind. Das zeigt eine Umfrage des US-Fondsanbieters Vanguard unter europäischen Profi-Investoren, die dem Handelsblatt vorliegt.

„Die Gebühren für ETFs werden in Europa weiter fallen“, erwartet Jan Altmann, Analyst bei der Online-ETF-Plattform Justetf. Den Grund sieht er in einem „gesunden Konkurrenzkampf, weil es für beliebte Indizes immer Produkte von mehreren Anbietern gibt“.

Zudem stecken Anleger immer mehr Geld in die ETFs: Und steigende Volumina senkten die vielfach fixen internen Kosten der Anbieter, erklärt er. Und das wiederum freut Investoren, die die Gebühren bei ETFs als wichtigstes Auswahlkriterium betrachten, wie Sebastian Külps, Deutschlandchef von Vanguard, dem weltweit zweitgrößten Vermögensverwalter und wichtigen ETF-Anbieter, sagt.

Für jeden dritten Käufer sind Kosten und Gebühren demnach der entscheidende Faktor bei der konkreten Auswahl von ETFs aus dieser Produktgruppe (siehe Grafik). Aktuell kosten entsprechende Fonds auf Aktienindizes nach Berechnungen des Fondsratinghauses Morningstar in Europa im Schnitt jährlich 0,35 Prozent Managementgebühr, jene auf Anleihemesslatten etwa 0,2 Prozent.

Diese Angebote konkurrieren mit aktiv gemanagten Fonds, bei denen Manager ausdrücklich mehr Ertrag erzielen wollen als ihr Vergleichsindex. Sie scheitern jedoch häufig am eigenen Anspruch. Und aktive Fonds sind laut Morningstar im Durchschnitt mehr als dreimal teurer als ETFs.

Deutschlandchef von Vanguard.

Sebastian Külps

Deutschlandchef von Vanguard.

Anleger schauen immer stärker auf die Kosten, wie Külps sagt. Denn nach den neuen EU-Regeln mit Namen Mifid II müssen die Kosten von Anlagen nun in Euro und Cent ausgewiesen werden. „Außerdem tragen die anhaltenden Niedrigzinsen dazu bei, weil diese zu geringeren Erträgen führen – Kosten fallen dann stärker ins Gewicht“, meint der Vanguard-Mann.

Die ETF-Gebühren sinken bereits seit Jahren. Produkte auf populäre Messlatten wie den S&P 500 oder Euro Stoxx 50 gibt es inzwischen für weniger als 0,1 Prozent Jahresgebühr. Und aktuelle Anbieteroffensiven belegen, dass der Trend nach unten anhält.

Die Gebühren fallen immer tiefer

So bietet Amundi als eines der größten Fondshäuser Europas seit März neun börsengehandelte Indexfonds für Aktien und Anleihen zu 0,05 Prozent Gebühr an. Amundis Schritt dürfte auf die Branche ausstrahlen, meint Timo Pfeiffer, Researchchef beim Indexanbieter Solactive.

Richtung und Tempo gibt allerdings der ETF-Heimatmarkt USA vor. Dort bietet der Fondsriese Fidelity zwei Indexfonds ohne jährliche Gebühr an. Das sind allerdings keine börsengehandelten Fonds. Diese Produkte werden nur über die Fidelity-Plattform ge- und verkauft.

Grafik

In der vergangenen Woche gab zudem der erste Anbieter mit zwei ETFs auf Indizes von Solactive sein Debüt an der Börse New York: Beide Produkte verlangen keine Gebühren. Initiator ist Sofi, eine Onlineplattform für Studentenkredite, die sich in eine Finanzplattform umwandeln will. Bei der US-Börsenaufsicht SEC liegen weitere Anträge auf Zulassung von ETFs mit Nullgebühr.

Mit ihrem Gebührenverzicht wollen vor allem kleine Häuser wie im US-Beispiel Aufmerksamkeit erzeugen. „Das ist ein Marketing-Gag, um im Markt Fuß zu fassen“, sagt Altmann von Justetf. Grundsätzlich erklärt aber das Modell niedriger Gebühren den Absatzerfolg der ETFs, die ja lediglich Indizes nachbilden und daher nie den Markt schlagen können. Das gilt auch für das relativ junge Geschäft in Europa, das Anfang des Jahrtausends startete. Inzwischen haben aber rund 50 Geldmanager mit Blackrock, Deutscher Bank und Lyxor an der Spitze bereits 751 Milliarden Euro eingesammelt.

Investoren kann die Rabattschlacht nur recht sein. Gebühren zählen „vor allem für Langfristanleger“, meint Isabelle Bourcier, ETF-Chefin beim französischen Anlagehaus BNP Paribas Asset Management. Für kurzfristige Investoren seien dagegen andere Faktoren wichtiger, wie Liquidität der Fonds, die zugrunde liegenden Basismärkte und die Abweichung des ETF-Preises vom Indexniveau.

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