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01.10.2018

11:12 Uhr

Ratgeber ETF – Teil 3

Wie ETFs mit niedrigen Gebühren bei Anlegern punkten

VonIngo Narat

Anders als klassische Aktienfonds kommen ETFs ohne Fondsmanager aus. Geringere Kosten bedeuten für Anleger vor allem: mehr Rendite.

Gebühren machen bei der Geldanlage einen großen Unterschied.

ETF

Gebühren machen bei der Geldanlage einen großen Unterschied.

FrankfurtIn der Diskussion über ETFs steht ein Thema im Mittelpunkt: die Gebühren. Die Produkte sind deutlich billiger als klassische, aktiv verwaltete Fonds. Und das gleich doppelt. Als börsengehandelte Produkte verlangen ETFs keinen Ausgabeaufschlag. Der Käufer ordert über die Börse – wie bei einem Wertpapier.

Im klassischen Anlagegeschäft in Banken dagegen verlangen die Berater für aktive Fonds eine einmalige Kaufgebühr, einen festen Prozentsatz in Abhängigkeit vom Volumen. Dieser Ausgabeaufschlag liegt bei Aktienfonds häufig bei fünf Prozent, bei Anleihefonds oft bei drei Prozent. Direktbanken und Online-Anbieter sind hier günstiger. Insoweit können die Käufer heute billiger an ihre Produkte kommen als in früheren Zeiten.

Wichtig ist neben diesem einmaligen Kostenposten die regelmäßig zu zahlende Gebühr. Der Produktanbieter verlangt ein jährliches Entgelt für die Leistung des Fondsmanagements. Er bezieht auch eine Vertriebskomponente mit ein, die an die Bank oder den entsprechenden Verkäufer fließt.

Diese Vertriebskomponente kann schon einmal die Hälfte der gesamten laufenden Gebühr erreichen. Aktiv verwaltete Aktienfonds kosten meist ein bis zwei Prozent Jahresgebühr, im Schnitt 1,6 Prozent, einige liegen darüber. Anleiheprodukte kommen in der Regel auf niedrigere Sätze. Die Gebühr wird vom Fondsvermögen abgezogen, so dass der Fondsbesitzer davon nichts merkt. Allerdings ist der Endertrag für den Anleger entsprechend niedriger.

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Die ETFs bewegen sich im Gebührenvergleich auf einem völlig anderen Niveau. Bei ihnen liegt der Durchschnittswert für die Jahresbelastung bei knapp 0,4 Prozent. Der günstigere Preis verwundert nicht. Die Fonds haben keine Kosten für Analysen, zahlen auch keine Gehälter an Fondsmanager. Es gibt lediglich ein Computerprogramm, dass vor allem die Fondszusammensetzung anpasst, wenn sich der betreffende Index verändert.

Der statistische Schnitt sagt allerdings nicht die volle Wahrheit. Die großen ETFs für die wichtigen Indizes wie S&P 500, Dax oder Euro Stoxx 50 sind noch weit billiger mit teilweise weniger als 0,1 Prozent Jahresgebühr. Solche Produkte haben oft Volumina von vielen Milliarden Euro und können deshalb vom Anbieter sehr günstig verwaltet werden.

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Der Anlageerfolg entscheidet sich jedoch nicht nach dem Motto: je billiger desto besser. Maßgeblich ist die Indexentwicklung. Geringere Kosten sind zwar ein Vorteil, aber im Vergleich zur Gesamtmarktentwicklung nachrangig.

Bei den populären Produkten haben die Anleger zunehmend bessere Karten. In den vergangenen Jahren tobte bereits ein Preiskampf – zum Vorteil der Käufer. Und dieser Wettbewerb scheint noch nicht beendet zu sein.

„Die tieferen Gebühren sind ohnehin ein großes Plus der ETFs gegenüber aktiven Fonds, und die weiter sinkenden Preise unterstreichen das noch“, sagt Ali Masarwah, Analyst bei der Fondsratingagentur Morningstar. Zum gleichen Urteil kommt Lutz Johanning, Finanzprofessor an der Otto Beisheim School of Management in Vallendar: „Anleger mögen es, einfach, liquide – und eben auch kostengünstig zu investieren.“

Ein Fonds zum Nulltarif

Den Trend illustriert eine neue Initiative von Fidelity in den USA. Das große Fondshaus lancierte im Sommer zwei Indexfonds mit Null-Gebühr. Einer bezieht sich auf US-Aktien, der zweite auf Titel der Industrienationen außerhalb der USA. Gleichzeitig senkte der Anbieter seine Gebühren für Indexfonds auf Aktien und Anleihen um mehr als ein Drittel.

An der Börse werden die neuen Produkte aber nicht gehandelt, nur über die eigene Broker-Plattform von Fidelity. Es fehlen dem Anbieter zwar die Einnahmen aus Fondsgebühren. Er kann allerdings am Handel und über weitere Aktivitäten seiner Kunden verdienen.

Das Gebührenthema ist im Zuge der Tiefzinspolitik immer mehr in den Mittelpunkt gerückt. Niedrige Zinsen oder sogar Nullzinsen bedeuten, dass Anleihen als wichtigste Anlageklasse bei den Wertpapieren praktisch keinen Ertrag mehr abwerfen. Gleichzeitig werden die Anleger auch bei den Aktien nach fast einem Jahrzehnt Kursanstieg vorsichtiger, erwarten künftiger auch hier geringere Erträge.

In der Summe bedeutet das: Preiswerte Produkte werden interessanter. In früheren Zeiten bei einem erwarteten Jahresertrag von zehn Prozent war eine Gebühr von zwei Prozent leichter zu verschmerzen. Wenn der Ausblick jedoch eher Richtung fünf Prozent geht, dann erscheinen kostengünstige Produkte attraktiver, weil die Gebühren dann stärker ins Gewicht fallen.

So sieht das auch Dominique Riedl, Mitgründer der Online-Plattform Justetf.com: „Jeder Euro, den ich heute einspare, verbessert definitiv meine Rendite.“

Lesen Sie alles Wichtige zum Thema Indexfonds in unserem 14-seitigen Dossier „Investieren in ETFs“.

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