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16.10.2018

18:16

Die erste 5G-Mobilfunkantenne steht in Berlin.

Werbefoto der Telekom

Die erste 5G-Mobilfunkantenne steht in Berlin.

Telekom Capital

Die Wagniskapitaltochter der Telekom öffnet sich für Dritte

Von: Peter Köhler, Stephan Scheuer

Der Wagnisfinanzierer der Telekom erweitert den Kreis der Geldgeber und erhöht so seine Schlagkraft. Das geschätzte Fondsvolumen ist mit 270 Millionen sehr hoch.

Frankfurt, DüsseldorfZeitenwende beim Risikokapitalgeber der Deutschen Telekom: Bei ihrem zweiten großen Fonds hat die Deutsche Telekom Capital Partners (DTCP) externe Investoren ins Boot geholt. Ein Novum, denn bisher steuerte allein der Bonner Mutterkonzern die Finanzmittel bei.

„Damit werden wir noch schlagkräftiger und können größere Summen mobilisieren“, sagt Mitgründer und CEO Vicente Vento im Gespräch mit dem Handelsblatt. Details wollte der Beteiligungsmanager nicht nennen. In Finanzkreisen geht man aber davon aus, dass der Fonds etwa 270 Millionen Dollar schwer sein wird.

Für einen Venture-Capital-Topf ist das relativ viel, üblicherweise finden in diesem Marktsegment viele Finanzierungsrunden nur im einstelligen und niedrigen zweistelligen Millionenbereich statt (siehe Tabelle). Zu den externen Investoren gehören dem Vernehmen nach Fonds von ersten Adressen aus der Finanzwelt wie etwa Harbourvest, die Schweizer Privatbank Lombard Odier sowie Neuberger Berman.

Mit den Fonds greift die Telekom nach potenziellen Zukunftsfeldern. Kernkompetenz des Konzerns seien Aufbau und Betrieb von Telekommunikationsnetzen, sagt Telekom-Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges dem Handelsblatt. „Darum sind für uns alle Entwicklungen wichtig, die rund um dieses Netz entstehen.“

Der Chef des Dax-Konzerns will Zukunftstechniken austesten, die das klassische Geschäft des Netzbetreibers erweitern. „Es gibt viele Felder, die auch für Telekommunikationsunternehmen relevant sein können. Darum schauen wir uns diese Felder an und bewerten dann jeweils im konkreten Fall, ob wir für uns Potenzial sehen“, sagt Höttges.

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Vergangene Woche hatte er angekündigt, bis zum Jahr 2025 mehr als 99 Prozent der Deutschen mit dem künftigen Mobilfunkstandard 5G versorgen zu wollen. Das Internet in Echtzeit könnte zahlreiche neue Geschäftsmodelle möglich machen. Die Fonds dienen den Bonnern als Instrument, um frühzeitig aussichtsreiche Techniken zu erkennen und für sich nutzbar zu machen.

Der Markt für Wagniskapital erfährt seit einigen Jahren einen stetigen Aufschwung. Die weltweiten Investitionen mit Venture-Capital haben in den ersten drei Quartalen dieses Jahres mehr als 183 Milliarden Dollar betragen. Damit wurde bereits die Summe des gesamten Vorjahres von 171 Milliarden übertroffen. Dabei hält der Trend zu großen Deals mit einem Fokus auf Investments, die schon eine gewisse Reife haben, an.

Mit dem wachsenden Engagement der institutionellen Investoren sind auch die Bewertungen gestiegen. Pensionskassen, Stiftungen, Versicherungen und reiche Familien stecken ihr Geld in den Venture-Capital-Markt, weil die klassischen Zinspapiere zu wenig abwerfen.

„Die Preise für Beteiligungen und Zukäufe im Bereich ‚Venture and Growth‘ haben sich in den vergangenen Jahren fast verdoppelt. Heute zahlt man im Mittel acht- bis zehnmal den Umsatz der jungen Firmen“, sagt DTCP-Chef Vento.

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Auch in Deutschland werden die Wagniskapitalfonds jetzt von der Politik und der Wirtschaft unterstützt. So ging vor wenigen Tagen KfW Capital, die neue Beteiligungstochter der staatlichen KfW Bankengruppe, an den Start. Sie will in den kommenden Jahren durchschnittlich 200 Millionen Euro für Venture-Capital-Fonds mobilisieren.

Lorenz Jellinghaus, Venture-Capital-Experte bei der Wirtschaftskanzlei Lutz Abel, hält größere private Venture-Capital-Fonds und auch die KfW-Initiative für nützlich. „Es entstehen aktuell in Deutschland viele ambitionierte Start-ups in unterschiedlichen Branchen wie künstliche Intelligenz oder Blockchain.

Daher geht es darum, erfolgreiche Start-ups in Deutschland aufzubauen und zu halten. Dazu gehört die Möglichkeit, große Finanzierungsrunden in Deutschland zu stemmen“, sagt der Rechtsanwalt.

Angeheizt wird der Markt auch durch die stetige Zunahme sogenannter „Einhörner“ – Unternehmen, deren Bewertung mindestens eine Milliarde Dollar beträgt. Laut KPMG stieg die Zahl im dritten Quartal um weitere 18 an.

Die meisten stammen aus den USA oder China, mit dem Big-Data-Unternehmen Celonis aus München kommt aber auch ein Schwergewicht aus Deutschland. Die größten Geldspritzen bekamen im bisherigen Jahresverlauf das Online-Gebrauchtwagenportal Auto1, das virtuelle Möbelhaus Home 24 – was allerdings ein Börsengang war – sowie die mobile Bank N26.

Die Investments aus dem neuen Fonds der DTCP sollen zwischen zehn und 30 Millionen Dollar ausmachen, im ersten Fonds waren es fünf bis zehn Millionen Dollar. Gesucht sind etwa Firmen in Europa, den USA und Israel in den Bereichen Cloud- und Netzwerktechnik, 5G-Netze, Cybersicherheit, künstliche Intelligenz und Marketing-Technologie.

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