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06.12.2018

18:32

Geldanlage

Wie Anleger ihr Depot sicher durch die Rezession steuern

Von: Anke Rezmer

Der Dax ist auf den tiefsten Stand seit zwei Jahren abgestürzt, Experten fürchten einen Abschwung der Weltkonjunktur – was Anleger jetzt tun sollten.

Am Anleihemarkt richten sich die Blicke derzeit vor allem auf die USA. Dort sorgen sich Anleger bereits vor einer Abkühlung der Konjunktur. picture alliance / Westend61

Börse

Am Anleihemarkt richten sich die Blicke derzeit vor allem auf die USA. Dort sorgen sich Anleger bereits vor einer Abkühlung der Konjunktur.

FrankfurtDiese Woche hat gezeigt, was die Kapitalmärkte aktuell wirklich bewegt: politische Risiken. Nachdem die Anleger zu Wochenbeginn auf eine Entspannung im Handelskonflikt zwischen China und den USA hofften und die Aktienindizes weltweit in die Höhe trieben, machte sich schon tags darauf Ernüchterung breit.

Und spätestens seit Donnerstag ist die Angst mit voller Wucht zurückgekehrt: Nach der für China provozierenden Festnahme der Finanzchefin des Netzwerkausrüsters Huawei in Kanada verabschiedeten sich Investoren in Scharen aus Aktien. Ganz besonders erwischte es den Deutschen Aktienindex, der erstmals seit zwei Jahren unter die Marke von 11 000 Punkten rutschte. Zeitweise notierte der deutsche Topindex fast vier Prozent schwächer bei 10.763 Zählern.

Stimmungskiller Handelsstreit. „Diese Ausschläge zeigen, wie dringend wir eine Lösung des Zollstreites brauchen“, kommentierte Stefan Kreuzkamp, Chef-Anlagestratege der Deutsche-Bank-Tochter DWS, die Marktschwankungen.

Die Investoren sorgen sich, dass dieser Konflikt oder eines der anderen politischen Risiken wie Italiens Schuldenstreit mit der EU oder ein ungeordneter Brexit die sich ohnehin abschwächende Weltkonjunktur abwürgen könnten. Solche Szenarien lassen die Strategen in den Banken vorsichtig ins Jahr 2019 blicken. Sie raten den Anlegern, ihr Depot mit soliden Aktien, mit Anleihen sehr guter oder mittlerer Bonität und mit Gold zu stabilisieren.

Pessimistische Berufsoptimisten: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Eskalation des Handelsstreits im kommenden Jahr die Weltkonjunktur abwürgt, sieht Kreuzkamp von der DWS inzwischen als höher als 50 Prozent an. „Die Verhaftung der Huawei-Managerin hat da auch nicht gerade geholfen“, meinte er. Auch Felix Herrmann, Anlagestratege für Deutschland bei Blackrock, sieht den Handelskrieg als das größte Risiko für die amerikanische Wirtschaft.

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Zölle auf Importe wie Autos dürften die aktuelle Stütze der US-Konjunktur schwächen – den Konsum. Und auch der Konflikt zwischen den USA und der EU um Autozölle sei noch längst nicht vom Tisch. „Die Finanzmärkte werden sich noch komplexer darstellen als in diesem Jahr: Aufgrund der sich abschwächenden Weltkonjunktur gibt es weniger Schutz gegen die diversen geopolitischen Risiken“, erklärt Herrmann.

Bange Blicke in die USA

Im Vergleich dazu nehmen sich die weiteren politischen Belastungsfaktoren etwas geringer aus. Italien wird keine Rezession auslösen, der Brexit auch nicht, sagte Kreuzkamp. Dennoch können auch diese Konfliktherde für Überraschungen und damit für Kursschwankungen sorgen. Die Volatilität an den Märkten dürfte im kommenden Jahr deutlich zunehmen, fürchtet Fondsmanager Klaus Kaldemorgen von der DWS.

Für den breiten US-Index S&P 500 etwa rechnet er mit Schwankungen von über 15 Prozent, die zuletzt vor zwei Jahren zu erkennen waren.

Im italienischen Haushaltsstreit gab es zwar zuletzt Zugeständnisse der populistischen Regierung in Rom gegenüber der EU. Doch der Plan dürfte kaum zu halten sein, wenn es der Euro-Zone wirtschaftlich schlechter gehe, zeigt sich Herrmann pessimistisch. Außerdem rechnet der Stratege wegen der politisch instabilen Lage in dem hochverschuldeten Land mit Neuwahlen im kommenden Jahr. Sein Fazit: Auch in Italien bleibt das politische Risiko hoch – und verunsichert die Anleger.

Und auch bei der turbulenten Debatte über den Ausstieg der Briten aus der EU bleibt es spannend: Am kommenden Dienstag muss das britische Parlament der Vereinbarung zwischen Regierungschefin Theresa May und der EU zustimmen. Ob das geschieht, ist fraglich. Dennoch rechnen die meisten Strategen damit, dass es am Ende einen geordneten Brexit geben wird.

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Am Anleihemarkt richten sich die Blicke derzeit vor allem auf die USA. Dort sorgen sich Anleger bereits vor einer Abkühlung der Konjunktur. Einige Staatsbonds mit kurzen Laufzeiten in den USA werfen mehr Rendite ab als solche mit längeren Laufzeiten. So bringt die zweijährige US-Staatsanleihe aktuell 2,725 Prozent Rendite, der fünfjährige Staatsbond dagegen 2,72 Prozent.

Dies wird von Experten als erstes Rezessionssignal gewertet: In der Regel werfen lang laufende Zinspapiere eine höhere Rendite ab als Kurzläufer. In „normalen“ Zeiten mit positiven Konjunkturerwartungen gibt es langfristig steigende Zinsen, auch weil die Inflation anzieht. In einer Rezession ist es dagegen umgekehrt: Investoren rechnen mit sinkenden Preisniveaus, einer Deflation.

Außerdem flüchten sie in sichere Anlagen wie US-Staatsanleihen, was die Kurse treibt und umgekehrt die Renditen drückt. Als handfestes Rezessionssignal gilt allerdings erst eine sogenannte Inversion zwischen der Rendite der zwei- und zehnjährigen Staatsanleihen. Die Rendite der zehnjährigen liegt aktuell bei 2,863 Prozent.

Abkühlung statt Rezession

Die Strategen sehen eine Rezession im nächsten Jahr nach wie vor als bedeutendes Randrisiko („tail risk“). Die Kapazitätsauslastung und die Kursschwankungen hätten deutlich zugenommen, sagte Kreuzkamp. Doch die Anleiherendite und auch der niedrige US-Leitzins spreche dagegen. Viele Experten rechnen damit, dass die US-Notenbank ihren Leitzins bis Ende 2019 noch vier Mal anhebt auf drei bis 3,25 Prozent.

Den nächsten Zinsschritt erwarten sie in der kommenden Woche. Allerdings sei auch die US-Geldpolitik aktuell relativ wenig einschätzbar, weil sie stärker konjunkturabhängig gesteuert wird. Das schaffe ebenfalls Unsicherheit an den Kapitalmärkten, meint Herrmann von Blackrock.

Das Hauptszenario der Strategen ist nach wie vor ein normaler Konjunkturabschwung. Die Wachstumsraten und Firmengewinne hätten Mitte 2018 ihre Höhepunkte erreicht. Die Weltwirtschaft angeführt von den USA dürfte sich 2019 weiter abschwächen, aber mit rund 3,6 Prozent noch über ihrem Potenzial wachsen. Ab 2020, wenn die von der US-Regierung eingesetzten Stützungsmaßnahmen ausliefen, könnte die US-Wirtschaft allerdings die Welt über ihre Handelsverflechtungen in eine Rezession ziehen.

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Das Jahr 2018 könnte jedenfalls mit einer „Seltenheit“ enden, sagt Herrmann: mit einem Minus bei Aktien und Anleihen, mit Blick auf den Weltaktienindex MSCI World und sein breites Pendant für Anleihen, den Barclays Global Aggregate Bond Index. Das habe es seit Beginn der Koexistenz der Indizes in den 90er-Jahren erst einmal gegeben.

Für 2019 erkennen die Experten noch ein gewisses Potenzial für Aktien, wenngleich Investoren mit höheren Schwankungen zurechtkommen müssten. Als Grundlage für die Entwicklung der Aktienkurse ziehen sie die erwarteten Firmengewinne heran, zumal die Kurse laut Herrmann nun bereits weitgehend korrigiert haben.

Für den breiteren US-Markt sind seiner Ansicht nach rund zehn Prozent plus drin, für den breiteren Markt in Europa eher höhere einstellige Zuwächse. Das größte Erholungspotenzial nach tiefem Fall in diesem Jahr gesteht er den Schwellenländern zu, wo die Firmengewinne im Schnitt zweistellig zulegen könnten – angeführt von Technologieunternehmen und vor allem chinesischen Firmen.

Bei der DWS ist man vorsichtiger und gesteht Firmen in den USA eher ein Gewinnwachstum von sechs Prozent zu, in Europa von fünf Prozent, in Schwellenländern von acht Prozent.

Auf solide Werte setzen

Mit einem „ruppigen Aktienmarkt“ rechnet Chef-Anlagestratege Christian Gattiker-Ericsson bei Julius Bär. Dennoch gebe es noch Kurschancen, daher sei es Zeit, umzusteigen in solide Werte. Genau darin sind sich die Aktienexperten einig: Sie empfehlen große Unternehmen mit starken Geschäftsmodellen und Preissetzungsmacht.

Anleger sollten aus konjunktursensiblen, zyklischen Branchen wie Chemie, Bau, Industrie eher rausgehen, rät Herrmann von Blackrock. Für aussichtsreicher hält er etwa Pharmatitel. Gattiker-Ericsson nennt die Sparten Gesundheit und Nahrungsmittel. Für besonders stabil, aber nicht teuer hält er übrigens Schweizer Firmen aus der zweiten Reihe, etwa aus dem SMI Mid Index. Der Index enthält die 30 größten Titel des Schweizer Aktienmarktes, die nicht schon im Standardwerteindex SMI vertreten sind.

Auch Finanzfirmen könnten ein Comeback erleben durch die Erholung der längeren Kapitalmarktzinsen. Das gelte auch für europäische Banken, meint Herrmann. Aussichtsreich bleiben Technologieaktien wegen des „strukturellen Trends“ zur Digitalisierung – „in allen Branchen“. Bereits gut ein Fünftel der Gewinnerwartungen im MSCI World stamme von Tech-Firmen. Auch die DWS setzt auf Tech-Titel, etwa Softwareanbieter, Schwellenländerwerte und US-Titel.

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Für US-Aktien sprächen auch die 2019 noch um 20 Prozent steigenden Aktienrückkäufe von vermutlich über einer Billion Dollar. Europa sollten Anleger eher untergewichten wegen der politischen Risiken. Der europäische Aktienmarkt leidet nach Ansicht von Herrmann nach wie vor darunter, dass internationale Investoren die Region weitgehend meiden: „Solange vor allem das Problem in Italien nicht gelöst ist, werden sie keine gewichtigen Positionen in Europa aufbauen“, sagt er.

Bei Anleihen halten die Strategen kürzer laufende US-Staatsbonds für attraktiv. Während die DWS das Verhältnis von Euro zu Dollar 2019 eher als stabil erwartet, warnt Herrmann vor einem Währungsrisiko für Euro-Anleger: Sie müssten mehr Bonitätsrisiken eingehen, etwa über Firmenanleihen auch aus dem Hochzinsbereich mit Laufzeiten von zwei bis vier Jahren.

Dort seien Renditen von vier bis fünf Prozent drin. Julius Bär findet zudem inflationsgeschützte Papiere attraktiv wie auch Schwellenländeranleihen von Firmen in Hartwährung.

Zur Depotstruktur empfiehlt Blackrock, Aktien nach einer abgeschlossenen Korrektur überzugewichten: In einem ausgewogenen Depot mit einer Quote von normalerweise 40 Prozent Aktien, dem Rest Anleihen, bedeutete das in der aktuellen Lage eine etwas höhere Aktienquote von rund 45 Prozent. Kaldemorgen ist in seinem Mischfonds dagegen vorsichtiger: Er hat seine Aktienquote seit dem Sommer um ein Viertel gekappt auf nun 30 Prozent, hält dazu gut ein Drittel Anleihen, gut ein Viertel Liquidität und sechs Prozent Gold als Krisenwährung.

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