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23.09.2022

19:16

Geldpolitik

Bundesbankchef Nagel: Weitere Zinsanhebungen müssen kommen

Joachim Nagel hält weitere Zinsschritte angesichts der hohen Inflation für nötig. Die Bekämpfung der Teuerungsraten stehe im Zentrum der EZB-Politik.

Der Bundesbankpräsident ist für ein entschiedenes Vorgehen gegen die Inflation. Reuters

Joachim Nagel

Der Bundesbankpräsident ist für ein entschiedenes Vorgehen gegen die Inflation.

Berlin Bundesbankpräsident Joachim Nagel hält höhere Zinsen in der Euro-Zone ungeachtet der drohenden Rezession für notwendig. „Die Hauptsache ist momentan die Inflationsbekämpfung“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag laut Redemanuskript bei einer Veranstaltung in Luzern. Der EZB-Rat habe mit den beiden deutlichen Zinsanhebungen im Juli und September entschlossen gehandelt. „Weitere Straffungsschritte sind in Aussicht gestellt und werden aus meiner Sicht kommen müssen“, sagte Nagel.

Er wolle nicht verschweigen, dass die Inflationsbekämpfung Belastungen mit sich bringe. „Sie dürfte vorübergehend das Wachstum dämpfen“, sagte der Bundesbanker. „Nichts zu tun und den Dingen ihren Lauf zu lassen, ist aber keine Alternative.“ Inflation zehre Wohlstand auf und treffe die Schwächsten am härtesten. Sie stehe damit im Widerspruch zum Anspruch „Wohlstand für Alle“.

Die Inflationsrate liegt im Währungsgebiet aktuell auf dem Rekordwert von 9,1 Prozent. Die EZB strebt mittelfristig zwei Prozent an, dürfte dieses Ziel aber auch im kommenden Jahr nach eigenen Prognosen verfehlen. Sie hat deshalb im Juli ihre jahrelange Nullzinspolitik beendet und im September den Leitzins erneut heraufgesetzt - auf aktuell 1,25 Prozent. Dadurch werden Kredite für Investitionen und Konsum teurer, was die Nachfrage und damit den Preisauftrieb dämpfen kann. Allerdings könnten steigende Zinskosten die wegen der Energiekrise ohnehin angeschlagene Wirtschaft weiter belasten, die in Deutschland und im gesamten Euro-Raum vor einer Rezession steht.

Nagel verteidigte zugleich das neue Kriseninstrument der EZB zur Unterstützung stark verschuldeter Euro-Staaten. Das „Transmission Protection Instrument“ (TPI) genannte Werkzeug soll nötigenfalls stark verschuldete Staaten wie Italien bei Turbulenzen am Anleihemarkt unterstützen und dabei helfen, dass die Geldpolitik gleichmäßig im Euroraum wirken kann. „Ich bin mir bewusst, dass manche der im Eurosystem vorgenommenen Updates mit ordnungspolitischen Risiken verbunden sind“, sagte Nagel. „Deshalb ist mir mit Blick auf das TPI wichtig: Sollte ein zeitweiser Einsatz erwogen werden, dann müssen wir überzeugend belegen können, dass wir einen Fehler der Märkte korrigieren, der die Geldpolitik gravierend einschränkt.“

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