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18.08.2022

18:11

Geldpolitik

EZB-Direktorin Schnabel: Die Inflation in Deutschland wird wohl weiter steigen

Trotz der wachsenden Gefahr einer Rezession wollen die Zentralbanken in den USA und der Euro-Zone die Zinsen weiter erhöhen.

Die Notenbankerin sieht die Inflationsgefahr noch nicht gebannt. Reuters

Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank

Die Notenbankerin sieht die Inflationsgefahr noch nicht gebannt.

Frankfurt Die Aussichten für die Wirtschaft in der Euro-Zone trüben sich weiter ein. Auch Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), rechnet für die kommenden Monate mit deutlichen Belastungen: „Es gibt starke Anzeichen dafür, dass sich das Wachstum verlangsamen wird, und ich würde nicht ausschließen, dass wir in eine technische Rezession geraten,“ sagte die Notenbankerin in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Diese Gefahr bestehe vor allem dann, wenn die Energielieferungen aus Russland noch stärker gedrosselt würden. Von einer technischen Rezession sprechen Volkswirte, wenn in zwei aufeinanderfolgenden Quartalen die Wirtschaftsleistung sinkt. Im zweiten Jahresviertel war die Wirtschaft im Euro-Raum zum Vorquartal noch um 0,6 Prozent gewachsen.

Trotz der größeren Risiken für eine Wirtschaftskrise schließt Schnabel eine weitere kräftige Zinserhöhung durch die EZB nicht aus. Die Inflationsaussichten hätten sich seit der Juli-Sitzung nicht verbessert, betonte die Notenbankerin. „Im Juli entschieden wir uns für eine Anhebung um 50 Basispunkte angesichts des Inflationsausblicks. Im Moment denke ich nicht, dass sich dieser Ausblick grundlegend geändert hat.“

„Die Sorgen, die wir im Juli hatten, wurden nicht zerstreut“

Die EZB sei dazu übergegangen, von Sitzung zu Sitzung auf Basis aktueller Daten zu entscheiden. „Wenn ich mir die jüngsten Daten anschaue, würde ich sagen, dass die Sorgen, die wir im Juli hatten, nicht zerstreut wurden.“ Die nächste EZB-Zinssitzung ist für den 8. September geplant.

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    Die Inflation im Währungsraum war im Juli angetrieben durch den rasanten Anstieg der Energiepreise und deutlich teureren Lebensmitteln auf einen Rekordwert von 8,9 Prozent geklettert. Damit ist die Teuerung inzwischen mehr als viermal so hoch wie das Ziel der Währungshüter, die zwei Prozent Inflation für die Wirtschaft ansteuern.

    „Ich würde nicht ausschließen, dass die Inflation kurzfristig weiter steigen wird“, sagte Schnabel. Der Preisschub erfasse inzwischen auch Dienstleistungen und Industriegüter. „Selbst mit der laufenden geldpolitischen Normalisierung wird es einige Zeit dauern, bis die Inflation wieder zurückgehen wird auf zwei Prozent.“

    „Ich würde nicht ausschließen, dass die Inflation kurzfristig weiter steigen wird.“ Isabel Schnabel, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB)

    In Deutschland sei es relativ wahrscheinlich, dass die Teuerung weiter steigen werde, sagte Schnabel. Manche Ökonomen hielten zuletzt wegen stark steigender Gaspreise und der neuen Gasumlage zweistellige Teuerungsraten im Herbst für möglich.

    Hartnäckige Inflation in den USA

    Auch die US-Notenbank Fed stellt sich auf einen langen Kampf gegen die Inflation ein und lässt den Umfang der nächsten Zinserhöhung noch offen. Wie aus den am Mittwochabend europäischer Zeit veröffentlichten Protokollen der jüngsten Sitzung vom Juli hervorgeht, ließen die Währungshüter noch keine Präferenz erkennen, ob sie im September erneut einen ungewöhnlich großen Zinsschritt in Höhe von 0,75 Prozentpunkten gehen wollen oder es bei einer Anhebung um einen halben Punkt belassen werden.

    Bei ihrer jüngsten Sitzung vom 26. und 27. Juli hatte die Notenbank den Leitzins kräftig um 0,75 Prozentpunkte angehoben – so wie bereits im Juni. Er liegt nun in einer Spanne von 2,25 bis 2,50 Prozent. Die Währungshüter gehen davon aus, dass weitere Erhöhungen angemessen sein dürften. Fed-Chef Jerome Powell hatte nach dem Zinsbeschluss gesagt, ein dritter großer Zinsschritt sei im September prinzipiell möglich.

    In den jetzt veröffentlichten Protokollen heißt es, dass es länger als angenommen dauern könnte, bis sich das Inflationsproblem auflöse. Die US-Verbraucherpreise stiegen im Juli um 8,5 Prozent zum Vorjahresmonat und damit nicht mehr ganz so schnell wie noch im Juni mit einem Zuwachs von 9,1 Prozent. Die vor der nächsten geldpolitischen Sitzung der Notenbank im September anstehenden US-Inflationsdaten für August dürften entscheidende Bedeutung für das Ausmaß der nächsten Zinserhöhung haben.

    Von

    HB

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