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24.11.2022

18:42

Geldpolitik

EZB-Direktorin Schnabel sieht kaum Spielraum für kleinere Zinsschritte

Isabel Schnabels Einschätzung zufolge ist der Spielraum für eine Verlangsamung der Zinsanpassung begrenzt. Damit stellt sich die EZB-Direktorin gegen die Rufe mehrerer Euro-Wächter.

Die Europäische Zentralbank hat im Kampf gegen die hohe Inflation bereits drei Mal in Folge die Zinsen angehoben. imago images / Reiner Zensen

Isabel Schnabel

Die Europäische Zentralbank hat im Kampf gegen die hohe Inflation bereits drei Mal in Folge die Zinsen angehoben.

London EZB-Direktorin Isabel Schnabel hat Rufen mehrerer Euro-Wächter eine Absage erteilt, die sich zuletzt für eine Verlangsamung des Zinserhöhungskurses ausgesprochen hatten. „Die bisher vorliegenden Daten deuten darauf hin, dass der Spielraum für eine Verlangsamung der Zinsanpassung begrenzt bleibt, auch wenn wir uns den Schätzungen für den 'neutralen' Zinssatz nähern“, sagte Schnabel am Donnerstag auf einer Veranstaltung in London. Unter dem Neutralen Zinsniveau verstehen Ökonomen, ein Niveau bei dem eine Volkswirtschaft weder gebremst noch angeheizt wird.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat im Kampf gegen die hohe Inflation bereits drei Mal in Folge die Zinsen angehoben. Im September und Oktober wurden die Schlüsselsätze sogar jeweils um ungewöhnlich kräftige Schritte von jeweils 0,75 Prozentpunkten nach oben gesetzt. Der Einlagensatz, den Banken für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank bekommen und der am Finanzmarkt momentan als der maßgebliche Zinssatz gilt, liegt damit aktuell bei 1,5 Prozent. Zuletzt war am Finanzmarkt davon ausgegangen worden, dass das neutrale Zinsniveau beim Einlagensatz in einer Spanne zwischen 1,5 und 2,0 Prozent anzusiedeln ist.

Schnabel zufolge sind solche Schätzungen des neutralen Zinses mit außergewöhnlich starker Unsicherheit behaftet. Daher könnten sie nicht als Maßstab dienen, wenn es um das angemessene Tempo von Zinserhöhungen gehe. „Stattdessen muss die Geldpolitik datenabhängig bleiben,“ sagte sie. Die EZB werde die Zinsen voraussichtlich weiter anheben müssen. „Wahrscheinlich in den restriktiven Bereich, um sicherzustellen, dass die Inflation so schnell wie möglich zu unserem mittelfristigen Inflationsziel zurückkehrt und keine Zweitrundeneffekte auftreten“, fügte sie hinzu. Ab diesem Bereich wird eine Volkswirtschaft durch die Geldpolitik gebremst. Es ließe sich nicht einfach sagen, es gebe keine Lohn-Preisspirale. „Wir müssen eine Lohn-Preisspirale verhindern und können nicht warten, bis sie da ist, um dann zu reagieren“, sagte sie.

Aktuell ist die EZB von ihrem Inflationsziel von zwei Prozent sehr weit entfernt. Im Oktober lag die Teuerungsrate im Euro-Raum bei 10,6 Prozent - das höchste Niveau seit Einführung des Euro. Zuletzt hatten mehrere Währungshüter dafür argumentiert, dass es womöglich nicht mehr erforderlich sei, die Schlüsselsätze in weiteren Jumbo-Zinsschritten anzuheben. Am Mittwoch hatte beispielsweise Portugals Notenbankchef Mario Centeno argumentiert, solche Mammut-Zinsschritte könnten nicht zur Norm werden.

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