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27.10.2022

14:23

Geldpolitik

EZB wagt weiteren Riesen-Zinsschritt

Von: Jan Mallien, Leonidas Exuzidis

Im Kampf gegen die rekordhohe Inflation erhöht die Notenbank die Zinsen erneut kräftig. Analysten gehen von baldigen weiteren Zinsschritten aus.

Die Notenbank muss die Inflation in der Euro-Zone eindämmen. dpa

EZB-Zentrale in Frankfurt

Die Notenbank muss die Inflation in der Euro-Zone eindämmen.

Frankfurt, Düsseldorf Die Europäische Zentralbank (EZB) erhöht die Zinsen im Euro-Raum weiter. Sie hebt den Leitzins um 0,75 Prozentpunkte auf zwei Prozent an. Der zurzeit noch wichtigere Zins, den Banken für ihre Einlagen bei der EZB bekommen, steigt von 0,75 auf 1,5 Prozent. Das gab die Notenbank am Donnerstagnachmittag bekannt.

Bereits im September hatte die EZB im selben Umfang die Zinsen angehoben. Dies ist jeweils die größte Anhebung in der Geschichte der Notenbank, wenn man von einer technischen Anpassung in den Wochen kurz nach Beginn der Währungsunion absieht. Der Zinsschritt fällt damit so aus wie erwartet. Die Märkte hatten die Entscheidung in den vergangenen Wochen bereits zunehmend eingepreist.

EZB reagiert auf Anstieg der Inflation

Mit ihren Beschlüssen reagiert die EZB auf den weiteren Anstieg der Inflation im Euro-Raum, die im September auf einen Rekordwert von 9,9 Prozent gestiegen ist. Eigentlich strebt die Notenbank einen Wert von zwei Prozent an. „Die Inflation ist nach wie vor deutlich zu hoch und wird für längere Zeit über dem Zielwert bleiben“, betonte die EZB.

Außerdem beschloss die EZB Änderungen bei ihrem langfristigen Kreditprogramm mit dem Kürzel TLTRO III. Über das Programm konnten sich die Banken im Euro-Raum langfristig Geld bei der EZB leihen – zu sehr attraktiven Konditionen.

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    Der Notenbank ging es bei der Auflage darum, die Wirtschaft zu stimulieren. Die Inflation im Euro-Raum lag damals unter dem EZB-Ziel von zwei Prozent. Inzwischen liegt sie weit darüber, und die EZB hat die Zinsen bereits mehrfach angehoben.

    Durch das höhere allgemeine Zinsniveau sind die TLTRO-Programme für die Banken noch attraktiver geworden. Nach Schätzungen von Ökonomen hätten sie ohne Änderungen zusätzliche Gewinne von bis zu 40 Milliarden Euro verbuchen können – zulasten der Notenbank. Das sorgte für massive Kritik.

    Grafik

    Die EZB begründet die nun geplanten Änderungen aber geldpolitisch. Aus ihrer Sicht gibt es angesichts der hohen Inflation keinen Grund mehr, die Wirtschaft weiter zu stimulieren. Im Gegenteil: Sie will die Liquidität reduzieren, indem die Banken ihre günstigen Kredite vorzeitig zurückzahlen.

    Hören Sie hier unseren Podcast zum Thema: EZB erhöht Leitzins erneut kräftig

    Nun soll die Verzinsung dem durchschnittlichen Einlagenzins ab dem 23. November entsprechen, also deutlich höher liegen. Die Hoffnung dabei ist, dass die Banken dann ihre TLTRO-Tranchen vorzeitig zurückzahlen. Hierfür soll es zusätzliche Zeitpunkte zur Rückzahlung geben.

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    Im Vorfeld der Ratssitzung hatten sich mehrere EZB-Vertreter für eine weitere deutliche Straffung der Geldpolitik ausgesprochen. So forderten die Notenbankchefs aus den Niederlanden und Lettland zwei weitere starke Zinserhöhungen. Auch Bundesbank-Präsident Joachim Nagel sprach sich unlängst für einen robusten Zinsschritt aus, ohne eine konkrete Zahl zur Stärke des Schritts zu nennen.

    Die Befürworter starker Zinserhöhungen verweisen vor allem auf die hohe Inflation im Euro-Raum. Auffällig war im September der Anstieg der Kerninflation, aus der besonders schwankungsanfällige Preise für Lebensmittel und Energie herausgestrichen werden. Sie stieg von 4,3 auf 4,8 Prozent. Offenbar schlagen die höheren Öl- und Gaspreise zunehmend auch auf die Preise anderer energieintensiver Güter durch.

    Inflation: Neue Daten am Freitag und Montag

    Am Freitag veröffentlicht das Statistische Bundesamt neue Zahlen zur Inflation in Deutschland im Oktober. Ökonomen erwarten hier einen erneuten Anstieg der Inflationsrate von 10,0 auf 10,1 Prozent. Am Montag folgen dann die Zahlen für den gesamten Euro-Raum.

    Die US-Bank Goldman Sachs erwartet, dass die Inflation dort erst im Januar mit 11,7 Prozent ihren Höhepunkt erreichen wird. Vieles hängt dabei von der Politik ab. In Deutschland hat die Bundesregierung Preisbremsen für Strom und Gas angekündigt. Goldman Sachs geht in seiner Prognose davon aus, dass die Gaspreisbremse im März 2023 eingeführt wird. Im Gespräch ist aber auch ein früherer Starttermin.

    Inflation in den kommenden Monaten: Hebt die EZB die Zinsen weiter an?

    Wie es mit der Inflation in den kommenden Monaten weitergeht, ist vor allem wichtig für die Frage, wie weit die EZB die Zinsen noch anhebt. Goldman Sachs erwartet, dass der Höhepunkt beim Einlagenzins im März 2023 bei 2,75 Prozent erreicht wird. Sie rechnet mit weiteren Erhöhungen im Dezember und im Februar um jeweils einen halben Prozentpunkt sowie im März um einen viertel Prozentpunkt. Die US-Bank Morgan Stanley erwartet für März ein Niveau von 2,5 Prozent für den Einlagenzins im Euro-Raum.

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