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16.03.2022

08:36

Das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve in Washington. dpa

Fed

Das Gebäude der US-Notenbank Federal Reserve in Washington.

Geldpolitik

Heute tagt die US-Notenbank: Warum Fed-Chef Powell die Zinsen anheben wird

Von: Astrid Dörner

Es gibt noch Diskussionen darüber, wie schnell die Federal Reserve ihre Straffung durchziehen sollte. Aber die Wende wird heute eingeleitet.

New York Jerome Powell hat seine nächsten Schritte ungewöhnlich deutlich kommuniziert. Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) will am Mittwoch die Zinsen anheben, und zwar um 0,25 Prozentpunkte, wie der Fed-Chef Anfang März in einer Anhörung vor dem US-Kongress signalisierte. Damals stand der Krieg in der Ukraine gerade am Anfang, doch die meisten Ökonomen gehen davon aus, dass Powell seinen Kurs halten will. Die Notenbank will nicht unnötig für Überraschungen sorgen.

Es wird die erste Zinserhöhung seit 2018. Dafür werden alle zwölf Chefs der regionalen Notenbanken und die vier Gouverneure persönlich in Washington erwartet – zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie vor gut zwei Jahren. Es ist die schwierigste Aufgabe in Powells Karriere als Notenbankchef.

Schon zu stabilen Zeiten ist es eine Herausforderung für Geldpolitiker, die Zinsen nach einer Nullzinsphase graduell anzuheben, ohne das Wirtschaftswachstum zu sehr zu gefährden. Die rasant steigende Inflation und die Unsicherheiten rund um den Ukrainekrieg machen diese Mission nur noch komplizierter.

Hinzu kommt: Powell steht schon länger in der Kritik. Er „ist viel zu spät dran“, bemängelt Kapitalmarktexperte Mohamed El-Erian, der unter anderem die Allianz berät, „daher hat er keine guten Optionen mehr“. Auch Politiker sind verstimmt, weil sich ihre Wähler über hohe Preise beschweren – vor allem die an der Tankstelle. 

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    Powell könnte die Zinsen deutlich anheben und riskieren, die US-Wirtschaft in eine tiefe Rezession zu schicken – ähnlich wie es der damalige Fed-Chef Paul Volcker in den 80er-Jahren vorgemacht hat. Diese Option gilt jedoch als unwahrscheinlich. Amerikaner der unteren und mittleren Einkommensschicht wären im Abschwung doppelt betroffen – von steigender Arbeitslosigkeit und steigenden Preisen.

    Gefährliche Lohn-Preis-Spirale

    Ein vorsichtigeres Vorgehen gegen die Inflation ist wahrscheinlicher – bringt aber eigene Risiken mit sich. Der unabhängige US-Ökonom Ed Yardeni warnt vor einer „gefährlichen Lohn-Preis-Spirale“. Denn die Inflationserwartungen seien längst nicht mehr so fest verankert, wie die Fed das gern hätte. „Verbraucher erwarten nun, dass die Inflation in drei Monaten bei sechs Prozent und in zwölf Monaten bei 3,8 Prozent liegt“, sagt er mit Verweis auf Daten der Fed New York. Vor der Pandemie lagen beide Werte noch bei rund 2,5 Prozent.

    Grafik

    Ökonomen und Investoren stellen sich auf eine Phase mit weiter steigenden Preisen und geringem Wachstum ein. Die Ökonomen von Goldman Sachs haben ihre Wachstumserwartungen für die USA von zwei auf 1,75 Prozent in diesem Jahr gesenkt. Das Rezessionsrisiko liege bei 20 bis 35 Prozent – es droht also Stagflation.

    El-Erian geht davon aus, dass die Inflation im Sommer auf gut zehn Prozent steigen könnte, bevor sie langsam wieder zurückgeht. Im Februar lag sie bei 7,9 Prozent – so hoch wie seit 40 Jahren nicht mehr. Auch Finanzministerin Janet Yellen musste einräumen, dass die Preise vermutlich noch ein ganzes Jahr lang „unangenehm hoch“ sein werden.

    Schon vor Russlands Invasion in der Ukraine hatte Powell die Märkte auf eine Abkehr der ultralockeren Geldpolitik eingestellt. Rapide gestiegene Kosten für Energie und Rohstoffe machen die Produktion und den Transport von einer Reihe von Gütern jetzt noch teurer. Hinzu kommen neue Covid-Ausbrüche in China, die zu weiteren Problemen bei den Lieferketten sorgen.

    Sieben Zinsschritte in diesem Jahr?

    Die US-Notenbank strebt eine Inflationsrate von rund zwei Prozent an. Wichtig werden für Anleger auch die ökonomischen Projektionen der Notenbanker, Dot Plot genannt, die am Mittwoch ebenfalls veröffentlicht werden. Sie geben Auskunft über die Prognosen der Geldpolitiker mit Blick auf Zinsniveaus, Arbeitslosigkeit und Wirtschaftswachstum bis Ende 2024.

    Der US-Notenbankchef muss einen schwierigen Mittelweg finden. dpa

    Jerome Powell

    Der US-Notenbankchef muss einen schwierigen Mittelweg finden.

    Goldmans Chefökonom Jan Hatzius erwartet sieben Zinsschritte zu 0,25 Prozentpunkten in diesem Jahr und vier weitere 2023. Auch eine Anhebung um einen halben Prozentpunkt sei denkbar, glauben Marktbeobachter, falls der Druck auf die Wirtschaft nicht zu groß wird. 

    Eine Reihe von Notenbankern hat sich zuletzt für einen deutlich schärferen Kurs ausgesprochen. James Bullard, Chef der regionalen Fed in St. Louis, plädierte zuletzt für eine „schnelle Abkehr von der lockeren Geldpolitik“.

    Fed-Gouverneurin Michelle Bowman sprach von „deutlichen Schritten“, die die Notenbank gehen müsse, um die Inflation zurück zu der Zielmarke von zwei Prozent zu bringen. Fed-Gouverneur Christopher Waller will, dass die Zinsen im Sommer bei mindestens einem Prozent liegen – zurzeit sind sie bei null.

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