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26.11.2021

16:26

Geldpolitik

Lagarde: Inflation wird sich im nächsten Jahr wieder beruhigen

Die steigenden Teuerungsraten machen vielen Verbrauchern Sorge. EZB-Präsidentin Lagarde dämpft indessen einmal mehr die Erwartungen eines baldigen Kurswechsels.

„Wir erwarten, dass dieser Anstieg der Inflation nicht von Dauer sein wird. Im nächsten Jahr wird sich das wieder beruhigen.“ imago images/Hannelore Förster

Christine Lagarde

„Wir erwarten, dass dieser Anstieg der Inflation nicht von Dauer sein wird. Im nächsten Jahr wird sich das wieder beruhigen.“

Frankfurt Europas oberste Währungshüterin Christine Lagarde wirbt angesichts steigender Inflationsraten um Vertrauen in den Kurs der Europäischen Zentralbank (EZB). Die aktuell vergleichsweise hohen Teuerungsraten machten vielen Menschen Sorgen, sagte die EZB-Präsidentin im Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

„Wir erwarten aber, dass dieser Anstieg der Inflation nicht von Dauer sein wird. Im nächsten Jahr wird sich das wieder beruhigen. Schon von Januar an erwarten wir, dass die Inflationsraten beginnen zu sinken“, sagte Lagarde in dem Interview, aus dem die Zeitung am Freitag auszugsweise vorab zitierte.

Die Teuerungsraten klettern seit Monaten. Der harmonisierte Verbraucherpreisindex HVPI, den die EZB für ihre Geldpolitik heranzieht, lag in Deutschland im Oktober um 4,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Die Bundesbank hält es für möglich, dass der HVPI im November auf knapp sechs Prozent angezogen hat. Auch im Euroraum lag die Inflationsrate mit 4,1 Prozent im Oktober deutlich über dem von der EZB mittelfristig angestrebten Ziel von zwei Prozent.

Die EZB erklärt den sprunghaften Anstieg vor allem mit Sonderfaktoren, die sich im nächsten Jahr abschwächen sollten: etwa die Erholung der Ölpreise nach dem Corona-Schock und Lieferengpässe infolge gestiegener Nachfrage. Zudem schlage derzeit die Rücknahme der vorübergehenden Mehrwertsteuersenkung in Deutschland durch.

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    Eine höhere Inflation schwächt die Kaufkraft, Verbraucher können sich für einen Euro dann weniger kaufen als zuvor. Kritiker werfen der EZB vor, mit ihrer Geldpolitik die Inflation noch anzuheizen, weil die Notenbank über Anleihenkäufe Milliardensummen in die Märkte pumpt. Zudem hält die EZB die Zinsen seit Jahren auf einem Rekordtief.

    „Wenn wir erkennen, dass die Inflation auf mittlere Sicht, dauerhaft und nachhaltig unser Ziel von zwei Prozent erreicht, also nicht nur für eine kurze Zeit, dann können auch die Zinsen wieder steigen“, sagte Lagarde. Derzeit hält die EZB-Präsidentin eine Diskussion um höhere Zinsen für unangebracht. „Wenn wir jetzt die Geldpolitik straffen würden, hätten wir voraussichtlich in 18 Monaten einen Effekt“, sagte Lagarde der Zeitung.

    „So lang ist die Zeitverzögerung, bis unsere geldpolitischen Maßnahmen wirken. Bis dahin aber würde nach unseren Prognosen die Inflation schon längst wieder gesunken sein. Wir würden Arbeitslosigkeit und hohe Anpassungskosten verursachen, und hätten dennoch nicht die aktuell hohe Inflation bekämpft.“

    Unter den derzeitigen Gegebenheiten gehe Lagarde außerdem davon aus, dass die EZB ab dem Frühjahr keine weiteren Nettoanleihekäufe im Rahmen des Anleihenprogramms PEPP mehr vornehmen werde. „Das heißt nicht, dass PEPP gänzlich endet, weil wir ja auslaufende Anleihen wieder ersetzen müssen. Und lassen Sie uns nicht vergessen, dass wir andere Kaufprogramme im Werkzeugkasten haben.“

    Das auf 1,85 Billionen Euro ausgelegte Notfall-Anleihenkaufprogramm PEPP soll noch bis mindestens Ende März 2022 laufen. Viele Experten gehen davon aus, dass die EZB danach ihre Käufe nicht einstellt, sondern ihr aktuell weit kleineres Kaufprogramm APP in der einen oder anderen Form weiterführen wird.

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