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23.05.2022

13:37

Geldpolitik

Lagarde stellt Ende der Negativzinsen für September in Aussicht

Von: Jan Mallien

Bis zum Ende des dritten Quartals könnten die negativen Zinssätze laut der Notenbankchefin ein Ende haben. Der Euro steigt nach der Aussage auf ein Vier-Wochen-Hoch.

An den Finanzmärkten wird allgemein für den Juli mit einer Zinserhöhung der EZB gerechnet. dpa

Europäische Zentralbank

An den Finanzmärkten wird allgemein für den Juli mit einer Zinserhöhung der EZB gerechnet.

Frankfurt Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach Worten ihrer Präsidentin Christine Lagarde die Ära der Negativzinsen bis zum Spätsommer abschaffen. „Ausgehend von den derzeitigen Aussichten werden wir wahrscheinlich in der Lage sein, die negativen Zinssätze bis zum Ende des dritten Quartals zu beenden“, schrieb Lagarde am Montag in einem Blogbeitrag auf der EZB-Website.

Der Einlagensatz der EZB liegt derzeit bei minus 0,5 Prozent und bereits seit 2014 unter null. Damit wollte die Notenbank gegen die lange Zeit sehr niedrige Inflation ankämpfen.

Inzwischen jedoch ist die Inflation im Euro-Raum im April bis auf 7,4 Prozent gestiegen - und liegt damit deutlich über dem EZB-Zielwert von zwei Prozent. Auch mittelfristig stellte Lagarde „eine schrittweise weitere Normalisierung der Zinssätze in Richtung des neutralen Zinssatzes“ in Aussicht.

Damit ist das Niveau gemeint, wo die Zinsen die Wirtschaft weder stützen noch bremsen. Für den Fall, dass die Wirtschaft im Euro-Raum überhitzt, ist laut Lagarde auch eine Erhöhung über das neutrale Niveau hinaus denkbar.

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    Lagardes Äußerungen deuten auf eine schnellere Straffung der Geldpolitik im Euro-Raum über den Sommer hinaus hin. Der Euro-Kurs reagierte deutlich. Die Gemeinschaftswährung kletterte in der Spitze um ein Prozent auf ein Vier-Wochen-Hoch von 1,0664 Dollar. Steigende Zinsen machen Anlagen in Anleihen im Währungsraum attraktiver.

    Grafik

    Die EZB steht wegen der hohen Inflation unter Druck. Sie war bereits zu Jahresbeginn deutlich höher als erwartet ausgefallen. Aktuell wird sie außerdem durch die Folgen des Ukrainekrieges weiter angeheizt.

    Commerzbank-Ökonom Michael Schubert geht wegen der Äußerungen Lagardes und anderer Signale von EZB-Ratsmitgliedern davon aus, dass die Notenbank den Einlagenzins „bis kommendes Frühjahr auf das aus ihrer Sicht neutrale Niveau anheben dürfte“.

    Der neutrale Zins kann nur geschätzt werden. Wo dieses Niveau im Euro-Raum liegt, ist unter Ökonomen sehr umstritten. Schubert sieht ihn bei ein bis 1,5 Prozent. Ein ähnliches Niveau hatten zuletzt auch die EZB-Ratsmitglieder Robert Holzmann und Mārtiņš Kazāks genannt.

    Es gibt jedoch auch andere Meinungen. Laut den Protokollen der EZB-Ratssitzung im April waren einige EZB-Vertreter dort der Ansicht, dass das neutrale Zinsniveau sehr niedrig sei und relativ schnell erreicht würde.

    Märkte rechnen mit baldiger Erhöhung

    Commerzbank-Ökonom Schubert erwartet jetzt konkret, „dass die EZB den Einlagenzins auf jeder ihrer sieben Sitzungen zwischen Juli und April um jeweils 25 Basispunkte anheben wird“. An den Finanzmärkten wird allgemein für den Juli mit einer Erhöhung des EZB-Einlagenzins gerechnet. Bundesbank-Präsident Joachim Nagel hatte jüngst gesagt, nach einer ersten Zinsanhebung im Euro-Raum könnten aus seiner Sicht schnell weitere Erhöhungen folgen.

    Auch in den Protokollen der letzten geldpolitischen Ratssitzung im April findet sich der Hinweis, dass einige EZB-Vertreter der Ansicht gewesen seien, dass eine möglichst schnelle Anpassung der Geldpolitik auf eine neutrale Position erforderlich sei.

    Die Befürworter einer strafferen Geldpolitik warnten demnach vor weiter steigenden Inflationserwartungen und Zweitrundeneffekten. Gemeint sind Preissteigerungen als Reaktion auf vorherige Kostensteigerungen. Eine solche Eigendynamik wollen die Notenbanken normalerweise verhindern.

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