Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

03.12.2021

12:20

Geldpolitik

Lagarde verspricht den Märkten Klarheit über geldpolitischen Kurs

Das Ende des EZB-Notprogramms PEPP stehe so gut wie fest. Danach könnte es mit einem weiteren Anleihenkauf-Programm weitergehen.

Die EZB möchte ihren geldpolitischen Kurs bei einer Sitzung Mitte des Monats bekanntgeben. Reuters

EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Die EZB möchte ihren geldpolitischen Kurs bei einer Sitzung Mitte des Monats bekanntgeben.

Frankfurt Angesichts hoher Inflation und der neuen Corona-Variante Omikron sollte sich die EZB laut ihrer Chefin Christine Lagarde geldpolitisch nicht sehr lange festlegen. Es gehe bei der Sitzung des EZB-Rats Mitte des Monats allerdings auch darum, den Märkten und Bürgern Europas „etwas Klarheit“ zu verschaffen, sagte sie am Freitag auf der Konferenz „Reuters Next“.

Ansonsten würde man in der vom Aufkommen der neuen Corona-Variante geprägten Pandemie-Phase nur für mehr Unsicherheit sorgen. Sie sei zugleich zuversichtlich, dass das auf 1,85 Billionen Euro ausgelegte Notfall-Anleihenkaufprogramm PEPP im März enden könne.

Doch auch wenn es dann keine Zukäufe mehr geben werde, würden auslaufende Papiere im Rahmen des Programms weiter ersetzt, sagte die Französin in dem Reuters-Interview. Zudem habe die Europäische Zentralbank weitere Werkzeuge in ihrem Instrumentenkasten.

Wie Reuters von Insidern erfuhr, scheuen viele Notenbanker offenbar eine frühzeitige Festlegung, wie es nach dem Ende von PEPP mit Anleihekäufen, etwa über das kleinere Programm APP, weitergehen soll. Die EZB wird nach Ansicht ihres Vizechefs Luis de Guindos allerdings auch nach einem Ende von PEPP Bondkäufe als Konjunkturstütze nutzen.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Lagarde bekräftigte zugleich, dass eine Zinserhöhung im kommenden Jahr sehr unwahrscheinlich sei. Doch wenn die Bedingungen für eine Straffung gegeben seien, stehe die Notenbank bereit, ohne Zögern zu handeln. Die EZB hat die rekordtiefen Zinsen in ihrem Ausblick praktisch auf lange Zeit festgeschrieben.

    Sie will sie solange auf dem aktuellen oder einem noch tieferen Niveau halten, bis zu sehen ist, dass die Inflation zwei Prozent erreicht und sich dort auch festsetzt. Den Leitzins hält die EZB seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

    Lagarde spricht von Inflationsbuckel

    Im vorigen Monat war die Teuerungsrate im Euroraum auf den Rekordwert von 4,9 Prozent nach oben geschnellt. Angeheizt wird die Inflation durch die Energiepreise, die in der Jahresrate im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 quasi explodiert sind. Auch spielen Störungen der Lieferketten eine Rolle, die sich aus der Pandemie ergeben haben.

    Die US-Notenbank Fed hat eingeräumt, dass sie diesen Effekt unterschätzt hat. Zugleich deutete Fed-Chef Jerome Powell an, dass sich die Zentralbank von der Formulierung verabschieden dürfte, dass die Inflation „vorübergehend“ sei.

    Lagarde signalisierte in dem Interview, dass die EZB dies nicht vorhat. „Wir sind fest der Ansicht, und ich bin zuversichtlich, dass die Inflation 2022 zurückgehen wird.“ Es sei zu erwarten, dass sich die Teuerung dann in Richtung des Inflationsziels der Notenbank von zwei Prozent bewegen werde. Sie verwendete für die Entwicklung der Teuerung das Bild eines Buckels, der sich letztlich wieder zurückbilden werde.

    Das bedeutet mit Blick auf die Statistik, dass sich die Inflationskurve nach einem zeitweiligen Plateau wieder abflacht. Diese bereits unter dem früheren EZB-Chef Jean-Claude Trichet gängige Wortwahl zeigt, dass die Zentralbank nach einem Inflationsschub mit einer Normalisierung rechnet.

    Im September hatten die EZB-Volkswirte in ihren Projektionen für 2022 eine Teuerungsrate von 1,7 Prozent veranschlagt, die 2023 auf 1,5 Prozent sinken soll. Im Dezember werden die Prognosen aktualisiert.

    Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot sagte der Zeitung „het Financieele Dagblad“, falls die Inflation 2022 über dem Basisszenario der EZB liegen sollte, sei eine Zinserhöhung im Jahr 2023 nicht auszuschließen. „Doch wir sehen die erhöhte Inflation weiter als ein hauptsächlich vorübergehendes Phänomen an“, fügte er hinzu.

    Von

    rtr

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×