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18.08.2022

15:51

Geldpolitik

Trotz hoher Inflation: Türkische Zentralbank senkt überraschend Leitzins – Lira rutscht ab

Von: Ozan Demircan

Die erste Absenkung der Zinsen seit Dezember schockiert die Devisenmärkte. Der türkische Leitindex hingegen steigt kurz sogar auf ein Allzeithoch.

Ökonomen halten Zinserhöhungen für das geeignete Gegenmittel gegen die hohe Inflation. Reuters

Logo der türkischen Zentralbank

Ökonomen halten Zinserhöhungen für das geeignete Gegenmittel gegen die hohe Inflation.

Istanbul Trotz der enorm hohen Inflation in der Türkei hat die Zentralbank den Leitzins völlig überraschend gesenkt und den Märkten einen Schock versetzt. Die Währungshüter entschieden am Donnerstag, den geldpolitischen Schlüsselsatz um einen vollen Punkt auf 13 Prozent zu senken.

Zur Begründung hieß es, das Wachstum müsse gestützt werden. Die Inflation ist zuletzt aber immer weiter gestiegen. Sie erreichte im Juli mit 79,6 Prozent das höchste Niveau seit 24 Jahren. In einer solchen Lage die Zinsen zu lockern, widerspricht der gängigen ökonomischen Lehrmeinung.

Was Ökonomen und Verbraucher schockiert, freut die Investoren: An der türkischen Börse wurde die Zinssenkung gefeiert. Der Leitindex ISE100 stieg nach Bekanntgabe auf ein Allzeithoch von über 3000 Punkten. Anschließend gab der Index leicht nach und notierte knapp unter 3000 Zählern.

Anleger setzen darauf, dass die Firmen von günstigeren Finanzierungsbedingungen profitieren werden. Wenn die Leitzinsen sinken, fallen auch die Kosten für Kredite. In der Folge investieren Unternehmen häufiger auf Pump, das Gleiche gilt für Konsumenten. Dadurch steigt die wirtschaftliche Aktivität, Firmen generieren neue Umsätze. Ihr Wert und damit auch der Börsenwert vergrößert sich.

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    Lira verliert gegenüber US-Dollar deutlich an Wert

    Einige Anleger scheinen eine Vorahnung gehabt zu haben: In der vergangenen Woche investierten Ausländer 270 Millionen US-Dollar in türkische Werte – so viel wie seit November 2021 nicht mehr.

    Gestützt wird das Vorgehen der Zentralbank vom einflussreichen türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der sich selbst als Zinsfeind bezeichnet. Von der Leitzinssenkung erhofft sich der Präsident, dass die Wirtschaft wächst. Dass mit dem Kreditwachstum auch die Risiken zunehmen, scheint Ankara jedoch zu ignorieren.

    Experten hatten mit einer Zinssenkung nicht gerechnet – auch weil die Währungshüter in den vergangenen sieben Monaten nichts unternahmen. Die Landeswährung Lira rutschte nach dem Zinsschock ab: Der Dollar verteuerte sich um rund ein Prozent auf 18,13 Lira.

    Damit notiert die türkische Währung weniger als zwei Prozent über ihrem im Dezember erreichten Rekordtief. Hinter dem Inflationsschub in der Türkei steht auch die anhaltende Abwertung der Landeswährung, was die Importe verteuert. Dazu kommen steigende Öl- und Rohstoffpreise infolge des russischen Kriegs gegen die Ukraine.

    Mit Agenturmaterial.

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