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16.12.2021

13:56

Geldpolitik

Überraschung in London: Britische Notenbank prescht mit Zinserhöhung vor

Von: Carsten Volkery

Die Bank of England erhöht den Leitzins. Sie ist die erste der großen Zentralbanken, die die geldpolitischen Zügel anzieht – und überrascht damit die Mehrheit der Analysten.

Die Notenbank hat überraschend den Leitzins angehoben. Reuters

Bank of England in der City of London

Die Notenbank hat überraschend den Leitzins angehoben.

London Die Bank of England hat die Zinswende eingeleitet. Trotz des Omikron-Alarms in Großbritannien erhöhte die britische Notenbank den Leitzins am Donnerstag von 0,1 auf 0,25 Prozent. Die Entscheidung im geldpolitischen Ausschuss fiel mit acht zu eins Stimmen deutlich aus.

Einstimmig beschlossen die Notenbanker, das Anleihekaufprogramm wie geplant zum Ende des Jahres auslaufen zu lassen.

Die Zinswende war seit Langem erwartet worden, dennoch kam der Zeitpunkt nun überraschend. Angesichts der Omikron-Unsicherheit hatten die meisten Beobachter damit gerechnet, dass die Notenbanker den Zinsschritt noch einmal verschieben würden.

Den Ausschlag gab offenbar die rasant steigende Inflation. Im November war die Teuerungsrate auf 5,1 Prozent gestiegen – deutlich über das langfristige Inflationsziel von zwei Prozent. Auch die jüngsten Arbeitsmarktdaten waren sehr robust, die Löhne stiegen in den drei Monaten bis Oktober um 4,9 Prozent.

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    Der Druck zum Handeln war also da. Obendrein hatte der Internationale Währungsfonds die Bank of England diese Woche gedrängt, die Zinserhöhung nicht aufzuschieben. Im kommenden Jahr werden weitere Zinsschritte erwartet. Am Jahresende könnte der Leitzins dann zwischen 0,75 Prozent und einem Prozent liegen.

    Inflation soll zunächst weiter steigen

    Die Notenbanker erwarten, dass die Inflation auf rund sechs Prozent im April steigt, bevor sie in der zweiten Jahreshälfte wieder zurückgehen soll. Zuvor hatten sie einen Höhepunkt von fünf Prozent vorhergesagt.

    Die Omikron-Variante bedeute Abwärtsrisiken für das Wachstum am Jahresanfang, erklärte die Bank in ihrer Begründung. Das Ausmaß sei aber noch unklar. Die Erfahrung zeige, dass der wirtschaftliche Effekt mit jeder Coronawelle nachlasse.

    Tatsächlich ist noch unklar, wie gefährlich die Mutante ist. Die Regierung hat deshalb noch keinen Lockdown verhängt, sondern setzt auf milde Maßnahmen wie Homeoffice und 3G für Großveranstaltungen.

    Dennoch wächst in Firmen die Sorge, dass Verbraucher sich selbst in einen Lockdown begeben und den wirtschaftlichen Aufschwung so bremsen könnten. Das Gastgewerbe meldete bereits einen Einbruch bei den Buchungen, zahlreiche Events werden abgesagt.

    Auch könnte die neue Infektionswelle dazu führen, dass massenweise Mitarbeiter krank werden und die Produktion gestört wird. Laut einer Umfrage der Beratungsfirma Oxford Economics hat sich die Stimmung in Unternehmen spürbar verschlechtert.

    Abgesehen von der Omikron-Unsicherheit wiesen alle Indikatoren in Großbritannien zuletzt auf einen robusten Aufschwung hin. Die Arbeitslosenrate ist nach dem Auslaufen des staatlichen Kurzarbeitsprogramms Ende September nicht gestiegen, sondern verharrt bei niedrigen 4,2 Prozent. Die Zahl der offenen Stellen in den drei Monaten bis November lag bei 1,2 Millionen, ein neuer Rekord.

    Dazu kommt, dass Haushalte in der Pandemie das Äquivalent von zehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts gespart haben. Ökonomen erwarten, dass dies die Nachfrage im kommenden Jahr befeuern wird.

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