Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

17.09.2019

09:17

Geldpolitik

US-Notenbank steht vor der nächsten Zinssenkung

Von: Jan Mallien

Die meisten Experten erwarten, dass die US-Notenbank Fed am Mittwochabend die Zinsen senken wird. Für die Märkte dürfte aber ein anderer Punkt interessanter sein.

Fed: US-Notenbank vor nächster Zinssenkung Reuters

Jerome Powell

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve steht seit Monaten im Visier von US-Präsident Donald Trump, der stärkere Zinssenkungen fordert.

Frankfurt Die Europäische Zentralbank hat in der vergangenen Woche bereits die Zinsen gesenkt. Am Mittwoch nun könnte die US-Notenbank Federal Reserve dem Beispiel folgen. Investoren rechnen mehrheitlich mit einer Zinssenkung um 25 Basispunkte. Zuletzt hatten die Währungshüter den geldpolitischen Schlüsselsatz Ende Juli um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 2,0 bis 2,25 Prozent gekappt.

„Wir erwarten, dass die Fed die Zinsen um 25 Basispunkte senkt“, sagt Bernd Weidensteiner, Ökonom bei der Commerzbank. Er geht außerdem von zwei weiteren Zinssenkungen in diesem Jahr aus. Grund sind vor allem die zunehmenden Konjunktursorgen durch den Handelskonflikt. Bis Ende des Jahres werde sich zeigen, ob es sich nur um eine zyklische Anpassung der Zinsen handelt oder der Trend längerfristig nach unten gehe.

Interessant für die Märkte wird dabei, ob Fed-Chef Jerome Powell auf seiner Pressekonferenz Hinweise auf weitere Zinsschritte in diesem Jahr gibt. „Er wird sich wahrscheinlich jetzt noch nicht auf weitere Zinssenkungen festlegen, aber sich die Option dafür offenlassen“, erwartet Weidensteiner.

Die Fed hat zu Jahresbeginn eine deutliche Wende vollzogen. Noch im Dezember glaubten Investoren, die Fed würde die Zinsen in diesem Jahr weiter anheben. Inzwischen rechnen sie mit einer Serie von Zinssenkungen. Einen ersten Schritt hat die Fed bereits Ende Juli gemacht, als sie erstmals seit der Finanzkrise die Zinsen senkte.

Die Entscheidung im geldpolitischen Ausschuss war allerdings umstritten. Mehrere regionale Notenbankvertreter sprachen sich dagegen aus. Fed-Chef Powell hatte im Anschluss an die Entscheidung gesagt, der Schritt sei nicht unbedingt der Beginn einer langen Phase von Zinssenkungen.

Allerdings tagte die Fed im Juli noch bevor US-Präsident Donald Trump neue Zölle gegen China verkündete. Seither hat auch in den USA die Angst vor einer Rezession zugenommen. Vor allem die Umkehrung der Zinskurve hat die Investoren und Ökonomen verunsichert: In den USA haben zum ersten Mal seit langer Zeit zweijährige Staatsanleihen eine höhere Rendite abgeworfen als zehnjährige. Auch die jüngsten Arbeitsmarktzahlen waren schwach.

„Wahrscheinlich wird es aus dem Kreise der regionalen Fed-Vertreter einige Gegenstimmen geben“, sagt Commerzbank-Ökonom Weidensteiner. Manche seien vermutlich für stärkere Zinssenkungen – andere komplett dagegen.

Handelsblatt Live

Mit diesen Instrumenten bestimmt die EZB die Geldpolitik in Europa

Handelsblatt Live: Mit diesen Instrumenten bestimmt die EZB die Geldpolitik in Europa

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Die Entscheidung wird auch dadurch nicht einfacher, dass US-Präsident Trump die Fed seit Monaten massiv unter Druck setzt. In der vergangenen Woche bezeichnete er die Notenbanker in einem Twitter-Beitrag als „Dummköpfe“. Notenbankchef Jerome Powell und seine Kollegen seien „naiv“. Senkt die Fed nun deutlich die Zinsen, könnte das als Einknicken vor Trump ausgelegt werden und Sorgen um ihre Unabhängigkeit verstärken.

Tobias Rehbock, Ökonom der staatlichen Förderbank KfW, plädiert daher dafür, die Zinsen vorerst nicht anzutasten und damit „ein wirkungsvolles Signal gegen politische Beeinflussung“ zu setzen. „Andernfalls lässt sich die Fed erneut darauf ein, den Forderungen des US-Präsidenten nach geldpolitischer Lockerung nachzukommen, um einer wirtschaftlichen Schwäche zu begegnen, die dieser mit seiner Handelspolitik erst wesentlich verursacht hat“, sagt Rehbock.

Die von Trumps Zollpolitik ausgelösten Unsicherheiten im Handel werden laut einer Fed-Studie die Welt 850 Milliarden Dollar an Wirtschaftskraft kosten – allein 200 Milliarden davon die USA. Das Wachstum in den USA hat sich im Frühjahr bereits spürbar verlangsamt. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 2,0 Prozent. Zu Jahresbeginn waren es noch 3,1 Prozent.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×