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12.06.2018

21:30 Uhr

Fed und EZB: Zwei Tage der Wahrheit für Anleger AP

Die Chefs der wichtigsten Notenbanken der Welt

Der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, und US-Notenbankchef Jerome Powell (rechts).

Geldpolitik

Zwei Tage der Wahrheit für Anleger – was Fed und EZB entscheiden könnten

VonJan Mallien

Am Mittwoch und Donnerstag werden richtungsweisende Entscheidungen der Notenbanken erwartet. Fed und EZB stehen vor einem schwierigen Balanceakt.

FrankfurtDie kommenden zwei Tage könnten es für Anleger und Investoren in sich haben. Die Nachrichtenagentur Bloomberg spricht bereits von der „wichtigsten Woche des Jahres für die Weltwirtschaft“.

Das hängt zum einen mit politischen Ereignissen zusammen wie den Nachwehen des Eklats um den G7-Gipfel und dem Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong Un. Es liegt aber auch an den beiden wichtigsten Notenbanken der Welt, die amerikanische Federal Reserve (Fed) und die Europäische Zentralbank (EZB), deren geldpolitische Gremien am Mittwoch und Donnerstag tagen.

Die US-Notenbank Federal Reserve steht diese Woche vor ihrer zweiten Zinserhöhung in diesem Jahr. An den Finanzmärkten gilt es als ausgemachte Sache, dass die amerikanische Notenbank den Leitzins um einen Viertelpunkt auf die neue Spanne von 1,75 bis 2,0 Prozent anhebt.

Die am Dienstag veröffentlichten Inflationsdaten machen die Zinserhöhung sehr wahrscheinlich: Die Verbraucherpreise legten im Mai um 2,8 Prozent zum Vorjahresmonat zu. Dies ist der stärkste Anstieg seit Februar 2012.

„Ein Zinsschritt der US-Notenbank am morgigen Mittwoch ist gesetzt“, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank in Liechtenstein. „Die Teuerungsraten machen einmal mehr deutlich, dass eine geldpolitische Straffung notwendig ist.“

Investoren dürften daher vor allem auf den weiteren Zinsausblick der Führungsmitglieder der Fed schauen. Im sogenannten Dot-Plot geben sie anonym an, welche Zinsentwicklung sie in den kommenden Jahren erwarten. Im März hatten sie im Mittel insgesamt drei Schritte nach oben in diesem Jahr avisiert.

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Experten spekulieren, dass die Fed eine zusätzliche Erhöhung ins Auge fassen könnte. Angesichts einer auf drei Prozent zusteuernden Inflationsrate sei ein entsprechendes Signal der Fed am Mittwoch wahrscheinlich, so James Knightley von der Bank ING.

Die Fed steht momentan vor einem schwierigen Balanceakt: Einerseits will sie die Wirtschaft nicht zu stark bremsen, um eine Rezession zu vermeiden. Andererseits könnten auf mittlere Sicht die Preise stärker steigen. Im Vergleich zur Euro-Zone stützt in den USA der Staat über die Fiskalpolitik besonders stark das Wachstum, vor allem wegen der massiven Steuerentlastungen zu Jahresanfang.

Die EZB wird wahrscheinlich bei ihrer auswärtigen Sitzung im lettischen Riga über die Zukunft ihrer umstrittenen Anleihekäufe beraten und möglicherweise auch entscheiden. Aktuell kauft die Notenbank für monatlich 30 Milliarden Euro vor allem Staatsanleihen der Euro-Länder, um die Inflation im Währungsraum anzuschieben. Die Käufe sind bis September befristet. Unklar ist, wie es ab Oktober mit den Anleihekäufen weitergeht.

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer geht davon aus, dass die EZB am Donnerstag ankündigt, ihre Anleihekäufe zum Jahresende einzustellen. Gleichzeitig werde sie sich jedoch stärker darauf festlegen, die Zinsen auch danach auf ihrem bisherigen Niveau zu belassen. „Sie wird alles daransetzen, dies nicht als Beginn eines klassischen Zinserhöhungszyklus darzustellen“, so Krämer. Sparer müssen sich wohl gedulden. Krämer geht davon aus, dass die Notenbank nicht vor Sommer 2019 die Zinsen erhöhen wird.

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Ob die EZB tatsächlich schon am Donnerstag das Ende ihrer Anleihekäufe besiegelt, ist jedoch längst nicht ausgemacht. Beflügelt hat diese Spekulationen EZB-Chefvolkswirt Peter Praet in einer Rede in der vergangenen Woche, in der er sich ungewöhnlich optimistisch über die Inflationsentwicklung äußerte.

Denn zuletzt kletterte die Teuerungsrate in der Euro-Zone auf 1,9 Prozent und damit auf das von der EZB angestrebte Inflationsziel. Allerdings hatten vor allem gestiegene Energiepreise zu diesem Anstieg beigetragen. Die um besonders schwankungsanfällige Güter wie Öl, Tabak und Lebensmittel bereinigte Kernrate lag dagegen nur bei 1,1 Prozent.

Praet ließ noch offen, ob auf der Ratssitzung in dieser Woche eine Entscheidung zu den Anleihekäufen fallen wird. Gegen eine Entscheidung zum jetzigen Zeitpunkt sprechen schwächere Konjunkturindikatoren und die politische Unsicherheit in Italien. Einige Ökonomen gehen daher davon aus, dass die EZB sich noch etwas Zeit lässt.

Kommentare (1)

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Herr J.-Fr. Pella

13.06.2018, 10:29 Uhr

Welch eine eigenartige Schlagzeile!

Die EZB und die FED wollen Wahrheiten verkünden?

Ausgerechnet diese Banken und Wahrheitstreue?

Vorher geht ein Kamel durch ein Nadelöhr.............

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