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04.05.2018

16:14

Greg Lippmann

Vor diesen neuen Gefahren warnt der Star der jüngsten Finanzkrise

Von: Peter Köhler

Er hat die Finanzkrise 2008 kommen sehen – der Ex-Deutschbanker Lippmann hat ein Gespür für Gefahren. Jetzt warnt er vor einer anderen Fehlentwicklung.

Im Gegensatz zur letzten Kernschmelze an den Finanzmärkten würden dieses Mal nicht die Schulden der Verbraucher im Fokus stehen, sondern die der Konzerne. Reuters

Manhattan

Im Gegensatz zur letzten Kernschmelze an den Finanzmärkten würden dieses Mal nicht die Schulden der Verbraucher im Fokus stehen, sondern die der Konzerne.

Frankfurt Der frühere Deutsche-Bank-Händler Greg Lippmann wurde in der letzten Finanzkrise weltberühmt – weil er sich dem Wahn entzog und gegen den Herdentrieb wettete. Damals, im Jahr 2008, verdiente die Wall Street Milliardensummen damit, Immobilienkredite zweifelhafter Bonität aufzukaufen und sie in einem mehrstufigen Verfahren zu komplexen Wertpapieren zu bündeln.

Einige Banker erkannten rechtzeitig, dass der amerikanische Häusermarkt kippte. Zu ihnen zählte Lippmann, der Star unter den Händlern der Deutschen Bank. In E-Mails bezeichnete Lippmann die strukturierten Papiere damals als „Mist“.

Lippmann trennte sich in großem Stil von den sogenannten Subprime-Papieren, was im Markt als „The Big Short“ zur Legende wurde. Jetzt ist er wieder als Rufer in der Wüste unterwegs – und dieses Mal gilt die Sorge der hohen Verschuldung der US-Unternehmen. Auf einer Konferenz sagte er dem Wirtschaftskanal Bloomberg, dass die Verbindlichkeiten der Firmen im nächsten Abschwung am stärksten unter die Räder kommen dürften.

Risiken für die Aktienmärkte

Diese Gefahren lauern 2018

Das Börsenjahr 2017 war für Aktienanleger ein erfolgreiches: Die Wall Street hangelte sich von Rekord zu Rekord und der Dax verbuchte mit einem Plus von 12,5 Prozent den größten Jahresgewinn seit 2013. Dank des weltweiten Wirtschaftsaufschwungs rechnen Experten für 2018 mit weiteren Kursgewinnen. Sie verweisen allerdings auch auf einige Risiken, die den Investoren die Partylaune verderben könnten.

Quelle: Reuters

Aggressive Zinserhöhungen der US-Notenbank

Wegen des kräftigen US-Wachstums könnte die US-Notenbank die Zinsen schneller anheben als gedacht. Analysten rechnen bislang meist damit, dass die Fed den Schlüsselsatz 2018 wie von ihr signalisiert drei Mal anhebt. Eine aggressivere Straffung der Geldpolitik würde die Renditen der Staatsanleihen nach oben treiben, sagt Portfolio-Manager Paul Nolte vom Vermögensverwalter Kingsview. Dadurch würden Bonds zu einer ernstzunehmenden Anlage-Alternative zu Aktien.

Anstieg der Inflation

Als möglichen Auslöser für eine raschere Straffung der Geldpolitik sehen Experten einen kräftigen Anstieg der Inflation. "Dies könnte für die Aktien- und Anleihemärkte zu einem Wendepunkt werden", betonen die Analysten der Bank of America Merrill Lynch. In Europa könnte die anziehende Teuerung die Diskussion um einen raschen Ausstieg der Europäischen Zentralbank (EZB) aus ihrem Anleihe-Ankaufprogramm befeuern.

Wahlen

Die für März erwartete Parlamentswahl in Italien ist für Raphael Chemla, Leiter Finanz- und Hochzinsanleihen beim Vermögensverwalter Edmond de Rothschild, das größte politische Risiko in Europa. Ein Sieg der europakritischen Fünf-Sterne-Bewegung würde Anleger nervös machen. In den USA werden im Herbst Teile des Kongresses neu gewählt. „Sollten die Republikaner die Mehrheit im Repräsentantenhaus, im Senat oder in beiden Kammern verlieren, wäre das ein großer Belastungsfaktor für die Märkte”, warnt John Praveen, Chef-Anleger des Vermögensberaters Prudential. Denn damit werde es für US-Präsident Donald Trump schwerer, seine Wahlversprechen umzusetzen.

Politische Spannungen

Wiederaufflammende Spannungen zwischen den USA und Nordkorea sowie im Nahen Osten sind nach Ansicht von Keith Leiner, Chef-Analyst des Vermögensverwalters SunTrust, ebenfalls große politische Risikofaktoren für die Aktienmärkte. „Außerdem schwingt das Pendel weltweit in Richtung Populismus und Nationalismus.”

Überzogene Bewertungen

Viele Firmen erhoffen sich zwar durch die jüngst beschlossenen US-Steuersenkungen zusätzliche Gewinne im kommenden Jahr. Einige Experten bezweifeln jedoch, dass der Anstieg ausreicht, um die bereits hohen Aktienbewertungen zu rechtfertigen. Im US-Index S&P 500 liegt das durchschnittliche Kurs/Gewinn-Verhältnis (KVG) bei 18,5. Das bedeutet, dass der Aktienkurs den Gewinn je Aktie um das 18,5-fache übertrifft. Das ist der höchste Wert seit 2002. Im Dax liegt das KGV mit 16,2 ebenfalls über dem langjährigen Mittel von rund 15. Das Risikobarometer der Citigroup signalisiere eine 60-prozentige Wahrscheinlichkeit eines Rückgangs der Aktienkurse 2018, sagt Tobias Levkovich, Chef-Anlagestratege für die USA bei der Großbank.

Turbulenzen bei Bitcoin & Co.

Die große Unbekannte für die Aktienmärkte ist die Entwicklung des Bitcoin. Der Kurs der Cyber-Devise stieg 2017 um rund 1400 Prozent. Diese Aufwärtsdynamik könne aber schnell verpuffen, sagt Bob Doll, Chef-Anlagestratege des Vermögensverwalters Nuveen. Wenn die Preis der ältesten und wichtigsten virtuellen Währung prozentual zweistellig verliere, könnten sich Anleger fragen, ob es ihren Aktien nicht genauso ergehen werde.

Im Gegensatz zur letzten Kernschmelze an den Finanzmärkten würden dieses Mal nicht die Schulden der Verbraucher im Fokus stehen, sondern die der Konzerne, erklärte der heutige Hedgefonds-Manager, der drei Milliarden Dollar verwaltet.

Wenn die zunehmende Volatilität im ersten Quartal so etwas sei wie ein Vorbote für etwas Größeres, dann könne man in Zukunft mit mehr Problemen im Markt für Schuldverschreibungen und Aktien rechnen. Weniger Bedenken habe er dagegen bei strukturierten Papieren, die die Krise 2008 ausgelöst hatten, sagte Lippmann auf einer Veranstaltung in Beverly Hills.

Der Ex-Deutschbanker steht mittlerweile auch nicht mehr ganz allein auf weiter Flur. Nach Jahren der Kreditaufnahme zu extrem günstigen Zinssätzen wendet sich das Blatt.

Chronologie der Krise - das Jahr 2008

8. Februar

US-Kongress billigt Konjunkturprogramm von 150 Mrd. Dollar

6. September

US-Regierung übernimmt Kontrolle über Hypothekengiganten Fannie Mae und Freddie Mac

15. September

Lehman Brothers muss Insolvenz anmelden. Merrill Lynch wird von Bank of America gekauft.

16. September

Versicherungsriese AIG gerät in Kapitalnot.

20. September

US-Regierung kündigt Rettungspaket über 700 Mrd. Dollar an.

5. Oktober

Bundesregierung und Finanzbranche einigen sich auf erweitertes Rettungspaket für Hypo Real Estate. Merkel und Steinbrück garantieren die privaten Spareinlagen.

13. Oktober

Bundesregierung einigt sich auf ein Banken-Rettungspaket über 480 Milliarden Euro.

Einige Vermögensverwalter rechnen mit Ausfällen bei den Krediten, weil die US-Notenbank ihre Leitzinsen nach oben schraubt. Das werde die hoch verschuldeten Unternehmen unter Druck setzen und das Wachstum belasten, glaubt Scott Minerd, Global Chief Investment Officer bei Guggenheim Partners.

Kommentare (1)

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Herr Peter Spiegel

04.05.2018, 19:15 Uhr

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