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04.02.2022

17:01

Handelsblatt-Auswertung

Nur ein größerer Aktienverkauf im Januar: Insider lassen sich nicht von bewegten Börsen anstecken

Von: Andrea Cünnen

Vorstände und Aufsichtsräte haben im Januar nur wenige Aktien der eigenen Unternehmen verkauft. Was das für die Aussichten an den Börsen heißt.

Vorstände und Aufsichtsräte haben zuletzt überraschend wenige Aktien der eigenen Unternehmen verkauft. imago/Ikon Images

Aktienchart

Vorstände und Aufsichtsräte haben zuletzt überraschend wenige Aktien der eigenen Unternehmen verkauft.

Frankfurt Eine Schwankungsbreite im Dax von über 1300 Punkten, Tagesverluste von bis zu vier Prozent. Die Unruhe an den Aktienmärkten hat in den vergangenen Wochen wieder deutlich zugenommen. Deutschlands Vorstände und Aufsichtsräte berührt das aber offensichtlich nicht – sie lassen sich nicht von den Börsenturbulenzen mitreißen.

Das zeigt ein Blick auf den Handel der Unternehmensinsider mit den Aktien der Unternehmen, für die sie arbeiten. Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School, schaut sich diesen Handel jeden Monat exklusiv für das Handelsblatt an und sagt: „Die Insider haben im Januar überraschend wenige Aktien verkauft.“

Tatsächlich gab es im Januar bei den Unternehmen, die in einem der Indizes der Dax-Familie notieren, nur einen einzigen Verkauf, und der war nicht einmal eindeutig: Ralf Weitz, Vorstand beim Vergleichs- und Vermittlungsportal Scout 24, trennte sich von den inzwischen stark gefallenen Scout-24-Aktien – kurze Zeit später kaufte er aber fast die Hälfte davon wieder zurück.

Für Stotz ist der „Verkäuferstreik“ aussagekräftig: „Insider scheinen die Diskussionen um Zinserhöhungen, den Ukrainekonflikt, schwächere Wachstumszahlen, Omikron und hohe Inflationsraten auszublenden.“ Auf der anderen Seite gab es zwar vereinzelte Aktienkäufe von Firmenlenkern, aber keine große Kaufwelle.

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    Breite Handelspanne im Dax erwartet

    Stotz interpretiert das so, dass sich der Dax in den kommenden Wochen weiter unter deutlichen Schwankungen letztlich seitwärts bewegen wird. Seit April vergangenen Jahres pendelt der Dax in einer breiten Spanne zwischen rund 15.000 und etwas über 16.000 Punkten. Zuletzt lag der Dax bei rund 15.500 Punkten, sein Jahrestief hatte er vor gut anderthalb Wochen bei 14.953 Zählern markiert.

    Das Insiderbarometer, das der Hochschullehrer aus den an die Finanzaufsicht Bafin gemeldeten Transaktionen berechnet, hat sich im Januar kaum verändert. Es notiert mit 132 Punkten gerade mal einen Punkt über dem Stand vom Dezember. Damit signalisiert das Barometer weiter theoretisch für die nächsten drei Monate ein Kaufsignal für Aktien.

    Grafik

    Stotz hält es für Anleger, die auf kurzfristige Gewinne setzen, aber eher für ratsam, vor dem Einstieg auf weitere Rücksetzer zu warten. Strategen bei Fondsgesellschaften sehen das ähnlich. Inmitten all der Unsicherheiten vor allem mit Blick auf die Inflation hält zum Beispiel Eric Bertrand, Chefanlagestratege bei OFI Asset Management, einen kurzfristigen Rückgang an den europäischen und amerikanischen Börsen von sieben bis zehn Prozent für möglich. Das sind für ihn dann „gute Gelegenheiten zum Einstieg“.

    Insiderkäufe bei LEG Immobilien und Flatexdegiro haben sich bislang nicht gelohnt

    Ob die Einstiegschancen bei den Aktien, die Insider im Januar in großem Stil gekauft haben, günstig sind, lässt sich nur schwer sagen: Bei Wohnimmobilienkonzern LEG Immobilien, dem Onlinebroker Flatexdegiro und dem Kochboxenversender Hellofresh haben Topmanager schon im vergangenen Jahr viele Aktien gekauft. Ausgezahlt hat sich das bislang nicht, die Aktien sind gefallen.

    Bei LEG Immobilien raten immerhin die meisten der 17 Analysten, die die Aktie beobachten, nach wie vor zum Kauf. Der Konzern hat Immobilien der angeschlagenen Adler Group übernommen und weitet damit sein Portfolio aus. Bislang war LEG vor allem in Nordrhein-Westfalen präsent, das wird sich jetzt ändern. Diese regional breitere Aufstellung gefällt den meisten Analysten.

    Die Aktie des Onlinebrokers Flatexdegiro covern laut Informationsdienst Bloomberg sieben Analysten, und sie alle raten seit einem Jahr unverändert zum Kauf. Die Aktie ist indes rund zwei Drittel unter ihr im Sommer erreichtes Allzeithoch gefallen.

    An der Börse litt Flatexdegiro zuletzt unter den schwachen Zahlen der Online-Handelsplattform Robin Hood. Flatexdegiro selbst hat indes die selbst gesetzten Jahresziele erfüllt und im vergangenen Jahr die Zahl der Kunden auf über zwei Millionen gesteigert.

    Auch Hellofresh-Aktienkäufe haben sich nicht rentiert

    Beim Kochboxenlieferanten Hellofresh gab es bereits im vergangenen Jahr ebenfalls mehrfach Insiderkäufe, die sich bis dato nicht rentiert haben. Die Aktie des Kochboxenlieferanten hat seit Anfang November unter dem Strich ebenfalls mehr als zwei Drittel verloren und notiert inzwischen auf dem Stand vom April 2021.

    Im Januar kauften Co-Chef Thomas Griesel über die TWG Ventures GmbH und Finanzvorstand Christian Gärtner jedoch erneut Hellofresh-Aktien für das eigene Depot

    Beim Versorger Eon hatten Insider in der Vergangenheit ein besseres Händchen. Hier gab es den letzten Kauf Mitte Mai vergangenen Jahres, und seither hat die Aktie mehr als 15 Prozent zugelegt. Im Januar griff Vorstandschef Leonhard Birnbaum erneut bei der Eon-Aktie zu, auch Vorständin Victoria Ossadnik kaufte. Die Vorstandsmitglieder bei Eon sind allerdings zum Kauf der Aktie verpflichtet. Das schränkt die positive Signalwirkung der Käufe ein.

    Insider hatten 2021 gutes Gespür bei der Eckert-&-Ziegler-Aktie

    Das beste Gespür für die Aktie des eigenen Unternehmens auf der aktuellen Rangliste der größten Insiderdeals hatten im vergangenen Jahr die Topmanager bei Eckert & Ziegler – und das mit Verkäufen. Die Aktie war von Anfang 2018 bis zum vergangenen Herbst um 3000 Prozent in die Höhe geschnellt, danach ging es teils unter deutlichen Schwankungen abwärts.

    Mitte August machten Aufsichtsrat Frank Perschmann und Vorstand Bernd Hasselmann Kasse und verkauften die Aktien. Die Aktie fiel in den ersten anderthalb Januarwochen um mehr als ein Drittel – ein Bucherlust, den die Insider vermieden haben. In der zweiten Januarwoche stieg Hasselmann gemeinsam mit Aufsichtsratschef Wolfang Maennig aber wieder bei der Aktie ein.

    Die Aktie ist zwar seither noch weiter gefallen, dadurch aber auch günstiger geworden. Nach Ansicht von Stotz ist sie durchaus einen Blick wert. Die Bewertung sei inzwischen angesichts des zu erwartenden Wachstums in der Medizintechnik fair.

    Eckert & Ziegler wird nur noch von Hauck & Aufhäuser bewertet. Analyst Alexander Galitza rät zum Kauf. Hoffnung macht ihm vor allem die Entwicklung eines radioaktiven Mittels zur frühzeitigen Diagnose von Blutkrebs. Die Zulassung für dieses Mittel steht indes noch aus, daher bleibt ein Restrisiko.

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