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16.04.2019

10:43

Immobilien in Deutschland

Trotz Niedrigzinsen: Hausbesitzer bleiben immer noch in der Minderheit

Von: Matthias Streit

Wer ein Haus besitzt und darin im Alter mietfrei wohnen kann, gilt als gut abgesichert. Doch trotz der niedrigen Zinsen steigt der Anteil der Haushalte mit Wohneigentum nicht mehr.

Je mehr Menschen in einem Haushalt leben, desto eher ist dort Eigentum vorhanden. dpa

Eigenheim

Je mehr Menschen in einem Haushalt leben, desto eher ist dort Eigentum vorhanden.

Wiesbaden Drei von vier Deutschen möchten ihre Wohnung oder ihr Haus gern besitzen. Jedoch: Die Realität sieht anders aus. Wie die jüngsten Daten des Statistischen Bundesamtes zeigen, besitzen nur 47,5 Prozent aller Deutschen Wohneigentum.

Trotz anhaltender Niedrigzinsphase, die die Finanzierung einer Wohnimmobilie attraktiv macht, ist der Anteil der Haushalte mit Wohneigentum in den vergangenen Jahren nicht gestiegen. Nach der Finanzkrise 2008 sind die Leitzinsen im Euro-Raum erst sprunghaft, dann schrittweise auf null Prozent gesenkt worden. Und doch lag die Wohneigentumsquote vor zehn Jahren mit 48 Prozent sogar noch leicht über dem aktuellen Wert.

Der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland sticht hervor: Während in den westdeutschen Bundesländern die Hälfte aller Haushalte Wohneigentum besitzt, sind es in den ostdeutschen Bundesländern (inklusive Berlin) nur 38 Prozent. Deutliche Unterschiede gibt es auch je nach Haushaltsgröße: Besitzen nur 31 Prozent der Single-Haushalte Wohneigentum, steigt dieser Wert bei Haushalten mit vier bis fünf Personen auf rund 70 Prozent.

Die mit Abstand beliebteste Eigentumsform ist das Einfamilienhaus: Ein Drittel aller Deutschen kann ein solches sein Eigen nennen – wenngleich sich auch hier große Differenzen zu den Wünschen zeigen: Laut der Wohntraum-Studie des Immobilienfinanzierers Interhyp würden gern doppelt so viele in einem freistehenden Einfamilienhaus leben.

Im europäischen Vergleich bleibt Deutschland beim Wohneigentum auf den hinteren Plätzen. In Frankreich liegt die Quote nach einer Eurostat-Analyse bei 64 Prozent, in Norwegen bei 81 Prozent und bei Spitzenreiter Rumänien sogar 96,8 Prozent.

Die Ergebnisse der jüngsten Analyse für das Jahr 2018, die das Statistische Bundesamt am Dienstag veröffentlicht hat, basieren auf einer Befragung von knapp 56.000 Haushalten, die auf die Grundgesamtheit von 41 Millionen Haushalten hochgerechnet wurden.

Finanzberater werden nicht müde zu betonen, dass Wohneigentum eine wichtige Grundlage zur Altersvorsorge ist. Dennoch ist die Zahl der jungen Immobilienerwerber in den vergangenen Jahren rückläufig. Immobilienökonomen sehen hierin vielfältige Gründe: Da wären zum einen die stark gestiegenen Preise für Wohnungen und Häuser in den Großstädten. Mancherorts wie in Berlin oder München haben sie sich seit 2010 gar mehr als verdoppelt.

Lohnt sich der Kauf?

Die Einkommensentwicklung konnte mit dieser Entwicklung nicht mithalten. Und wo in einigen Metropolen der Kaufpreis heute schon das 30-fache der Jahresmiete beträgt, dürfte sich mancher auch grundsätzlich fragen, ob sich der Kauf noch lohnt.

Zugleich hält der Zuzug in die Ballungsgebiete an. Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Hinzu kommt, dass die Arbeitswelt flexibler geworden ist. Ob nun häufiger der Arbeitgeber gewechselt wird oder ein Standortwechsel beim gleichen Arbeitgeber

Ökonomen verweisen wiederum darauf, dass Wohneigentum ein essentieller Punkt in der ungleichen Vermögensverteilung ist. Dies belegt auch die Analyse des Statistischen Bundesamtes. Im Durchschnitt besitzen die Deutschen ein Nettogesamtvermögen von 162.600 Euro. Mieterhaushalte liegen mit 40.000 Euro jedoch deutlich hinter den Wohneigentümern mit 330.400 Euro zurück.

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Zum vollständigen Bild gehört allerdings auch, dass die Eigentümer deutlich höher verschuldet sind als Mieter, nicht zuletzt weil sie ihre Immobilie in den meisten Fällen noch abbezahlen. So liegen die Gesamtschulden von Wohneigentümern im Schnitt bei 64.700 Euro, während Mieterhaushalte nur auf 7.800 Euro kommen.

Die Einkommensunterschiede zeigen sich jedoch nicht nur beim Immobilienbesitz. Auch die Nettogeldvermögen der Wohneigentümer fallen höher aus als jene der Mieter. Dazu zählen Anlagen von Lebensversicherungen über Aktienfonds bis hin zu Sparguthaben.

Im Durchschnitt liegt das Nettogeldvermögen – also nach Abzug der Schulden – der Deutschen bei 55.400 Euro. Während Mieterhaushalte ein Vermögen von 28.200 Euro angespart haben, liegt das Nettogeldvermögen von Haushalten mit Wohneigentum bei 92.700 Euro.

Kommentare (6)

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Herr Matthias Moser

16.04.2019, 11:16 Uhr

Bei der ganzen Diskussion über Leben und Wohnen verstehe ich meine Mitmenschen nicht so ganz. Alle wollen in die Stadt, obwohl die Lebensqualität auf dem Land viel besser ist. Auch Arbeitsplätze gibt es nicht nur in der Stadt, sondern auch auf dem Land gibt es viele Mittelständler - z.B. im Sauerland oder in Westfalen. Auch das eigene Haus ist auf dem Land erschwinglich (für Normalverdiener). Warum muß es dann unbedingt die Stadt sein?

Herr J.-Fr. Pella

16.04.2019, 13:23 Uhr

@ Herr Moser,
Wer ein e i g e n e s Haus hat, ein normales EFH, mußte auch schon in den zurückliegenden Jahren s p a r s a m Leben und hat auch jetzt für sein Eigentum selbst zu zahlen.
Viele wollen dies nicht.
Es ist doch einfacher in der Stadt in einer Mietwohnung zu leben,
mindestens 2x im Jahr mit d. Flieger in den Urlaub zu starten, um dann anschließend die Autopendler (mit ihren Dreckschleuder) als Umweltverpester zu brandmarken.
Hinzu kommen noch die bösen Vermieter, die die Mieten so hoch treiben.
Also, bleiben wir Stadtbewohner und fahren mit d. Fahrrad zu jeder Umweltdemo und schließen uns den grünen "Gutmenschen" an.
Die Landbevölkerung ist doch nur bedingt ernst zu nehmen.

Herr P G

16.04.2019, 14:25 Uhr

Die niedrige Eigentümerquote lässt sich auch so erklären: absurd hohe Grunderwerbssteuern, steigende Grundsteuer, hoher Maklergebühren, weiter steigende Abgaben (Niederschlagswasser, Schmutzwasser, Müllgebühren, Schornsteinfeger), dazu immer wieder Instandhaltungskosten und sonstige staatliche Vorgaben (Dämmung, etc.). In NRW auch noch verbrecherische Anliegerbeiträge, wenn die Straße vor der Tür jahrelang saniert wird. Ich würde es mir heute auch noch einmal überlegen, ein Haus zu kaufen. Lieber mieten, das Geld gewinnbringend in Aktien anlegen und die Flexibilität erhalten, um ggf. schnell auswandern zu könnnen, wenn Deutschland weiter den Bach runter geht.

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