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05.09.2019

16:10

Immobilien

PSD Banken versuchen sich an der rein digitalen Baufinanzierung

Von: Matthias Streit

In Zukunft soll ein Immobilienkredit allein vom Computer aus beantragt werden können. Ganz los werden die Immobilienkäufer den Papierwust aber nicht.

Online ist ein Vergleich der Konditionen möglich, eine rein digitale Baufinanzierung bislang noch nicht. dpa

Im Bau befindliches Einfamilienhaus

Online ist ein Vergleich der Konditionen möglich, eine rein digitale Baufinanzierung bislang noch nicht.

Erfurt Die Genossenschaftsbanken der PSD planen die erste volldigitale Baufinanzierung in Deutschland. Künftig soll es möglich sein, einen Kredit für eine Immobilienfinanzierung ausschließlich online zu beantragen. Es wäre das erste Vorhaben dieser Art.

Plattformen, die Baufinanzierungen vermitteln, sind bereits seit längerem geläufig. Die neue Plattform des PSD-Verbandes, die von allen 14 Mitgliedsinstituten getragen wird, soll allerdings einen Schritt weitergehen. Bisherige Knackpunkte wie die Bonitätsauskunft oder die Identifizierung sollen digital erfolgen.

„Bis Ende des Jahres wollen wir unseren Kunden eine volldigitalisierte Finanzierung zur Verfügung stellen“, sagt Dieter Jurgeit, Verbandspräsident der PSD Banken. Bereits seit zwei Monaten sei die Plattform bei manchen Banken online und erste Finanzierungen abgeschlossen.

Die private Immobilienfinanzierung ist für Banken ein lukratives Geschäft. Allein im vergangenen Jahr wurden 227,4 Milliarden Euro zur privaten Wohnungsbaufinanzierung ausgezahlt, hat der Verband der Privaten Bausparkassen analysiert. Das waren rund 19 Milliarden Euro mehr als noch 2017. Etwa ein Drittel des Geschäfts läuft über die Sparkassen. Jede vierte Baufinanzierung läuft über die Genossenschaftsbanken. Die Kreditbanken liegen noch vor den Bausparkassen (14 Prozent) auf Rang drei.

Um das Marktpotenzial der digitalen Baufinanzierung zu sondieren, hat die PSD eine Studie beim CFin-Institut der Steinbeis-Hochschule Berlin in Auftrag gegeben. In einer repräsentativen Umfrage gaben circa 32 Prozent der Menschen an, dass sie sich eine ausschließlich digitale Baufinanzierung vorstellen können. Ließe sich der komplette Baufinanzierungsprozess digitalisieren, könnten die Banken 30 bis 40 Prozent der Kosten sparen, sagt Jens Kleine, Professor am CFin.

Von einem reinen Neugeschäftsvolumen ohne Anschlussfinanzierungen sei mit einem Gesamtmarkt von 47 Milliarden Euro zu rechnen. Das Potenzial mit rein digitaler Baufinanzierung beziffert Kleine auf rund 4,4 Milliarden Euro. Das sei ausreichend, befand die PSD und entwickelte eine digitale Lösung.

Baufinanzierung ist ein komplexes Geschäft, das bislang nur zum Teil digital erfolgt. Schon seit einigen Jahren ist es möglich, Tarife online zu vergleichen. Zwar gibt es im Internet bereits Anbieter, die anhand grundlegender Parameter wie der Wohnfläche, Ausstattung und Lage der Immobilie eine grobe Preisschätzung kalkulieren. Finanzierungskonditionen sind in der Regel aber nicht final und werden im Gespräch häufig noch verändert. Eine rein digitale Baufinanzierung ist bislang nicht möglich.

Wer online eine Baufinanzierung bei der PSD mache, erhalte auch ein verbindliches Angebot, verspricht Jurgeit. Das soll sogar in nur acht Klicks funktionieren. In der Tat dürften aber nur die wenigsten Nutzer auf acht Klicks kommen, bevor sie die erste Angaben zu Einkommen und Gebäude fertiggestellt haben und eine individuelle Konditionsschätzung erhalten. Und: Damit ist der Antrag noch lange nicht fertig. Wie andere Banken möchte natürlich auch die PSD genaueres über Einnahmen und Verbindlichkeiten wissen, genauso wie über die Immobilie, die finanziert werden soll.

Der Notartermin bleibt

Bereits Ende 2017 widmete sich das Institut der Deutschen Wirtschaft in einer Studie der Digitalisierung in der Baufinanzierung. Die Bonitätsprüfung ging aus dieser Analyse noch als Bereich mit größerem Effizienzpotenzial hervor. Unterlagen wie Gehaltsabrechnungen oder Vermögensaufstellungen müssten meist noch postalisch gesendet werden. Digitale Prozesse könnten hier Zeit und Geld sparen. Auch die Identitätserkennung könnte per Video-Ident-Verfahren erfolgen.

Genau das hat auch die PSD vor. Auch den unterschriebenen Kreditvertrag will die Bank nicht zugesandt haben. Die Unterlagen sollen elektronisch eingereicht werden. Dennoch: Ganz wird man den Papierkram nicht los. Das fängt schon beim Grundbucheintrag und dem Notar an. Den kann die Bank nicht einfach wegdigitalisieren.

Auch Förderprogramme wie jene der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) kann die Plattform der PSD noch nicht in die Finanzierung einbeziehen. Das soll künftig aber möglich sein, sagt Jurgeit.

Geht es nach dem Verbandspräsidenten, ist die Baufinanzierung nur der Anfang. Drei Mitgliedsbanken haben schon an einer Weiterentwicklung gearbeitet: der Persönlichen Immobilien-Assistentin, kurz PIA. Sein Ziel: Ein Ökosystem bauen, über das Kunden auch Gutachter, Notare und andere Dienstleister buchen können. Allerdings, darauf weist Kleine vom CFin hin, hat die Sache einen Haken: Eine Plattform zahlt sich erst dann richtig aus, wenn sie auch hochfrequentiert ist.

Mehr: Eine Baufinanzierung, an der Häuslebauer Tausende Euros verdienen, wird es in breiter Masse nicht geben. Die Hoffnung dürfte eine Illusion bleiben.

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