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21.03.2022

09:45

Immobilienkonzern

Evergrande-Aktie vom Handel ausgesetzt

Von: Sabine Gusbeth

Die hochverschuldete Immobilienfirma Evergrande hat einen Handelsstopp in Hongkong erwirkt. Am Mittwoch wird ein Offshorebond mit einem Volumen von zwei Milliarden Dollar fällig.

Die Sorge vor einer Pleite des Immobilienunternehmens hat im vergangenen Jahr die Finanzmärkte beunruhigt. Reuters

Evergrande

Die Sorge vor einer Pleite des Immobilienunternehmens hat im vergangenen Jahr die Finanzmärkte beunruhigt.

Peking Die Aktien des chinesischen Immobilienentwicklers Evergrande und von zwei seiner Tochtergesellschaften sind am Montagmorgen auf Antrag des Unternehmens vom Handel in Hongkong ausgesetzt worden. In einer Pflichtmitteilung des Konzerns kündigte dieser Insiderinformationen an.

Der Handelsstopp erfolgte kurz vor der Fälligkeit eines Offshorebonds mit einem Volumen von mehr als zwei Milliarden Dollar am Mittwoch. Im Januar hatte der hochverschuldete Konzern eine Umstrukturierung angekündigt. Der zweitgrößte chinesische Immobilienentwickler hat Schulden in Höhe von mehr als 300 Milliarden Dollar angehäuft. Zudem gibt es Spekulationen über weitere außerbilanzielle Schulden. 

Evergrande hat 2021 mehrere reguläre Zinstermine verpasst. Anfang Dezember war eine Evergrande-Tochter sogar nach Ablauf einer 30-tägigen Nachfrist Zinsen schuldig geblieben. Die Ratingagenturen Fitch und S&P bewerteten dies als teilweisen Zahlungsausfall. 

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    Die Zahlungsschwierigkeiten des Konzerns hatten sich verschärft, nachdem die chinesische Staatsführung im vergangenen Jahr Maßnahmen ergriffen hatte, um Spekulationen auf dem Immobilienmarkt einzudämmen.

    Neben Evergrande Krise bei weiteren Immobilienfirmen in China

    Im Februar hatte Unternehmensgründer Xu Jiayin auf einem Empfang zum chinesischen Neujahr betont, 2022 werde „ein kritisches Jahr“. Der Konzern habe seit September praktisch keine Einnahmen mehr erzielt. Die Verkaufserlöse waren 2021 im Vergleich zum Vorjahr um 39 Prozent geschrumpft.

    Evergrande ist nicht das einzige chinesische Immobilienunternehmen in Schieflage. Vanke, Shimao, China Fortune, Kaisa – die Liste der in die Krise geratenen chinesischen Immobilienunternehmen ist lang. „Wir stehen in diesem Jahr vor einem Kampf auf Leben und Tod, bei dem es keine Grauzone gibt“, sagte der Vanke-Chef Yu Liang im Januar.

    Chinesische Immobilienunternehmen, die in Hongkong börsennotiert sind, müssen bis zum 31. März ihre Jahresergebnisse vorlegen. Es sind die ersten geprüften Jahresabschlüsse, seitdem sich die Liquiditätskrise im vergangenen Jahr zugespitzt hat. Neben der Sorge um die Zahlungsfähigkeit der Bauträger sind nach einer Rekordzahl von Zahlungsausfällen im vergangenen Jahr auch Bedenken hinsichtlich Transparenz und Unternehmensführung aufgekommen.

    Mindestens vier Wirtschaftsprüfer sind seit Beginn dieses Jahres zurückgetreten oder wurden von den Unternehmen abgesetzt, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Auch globale Ratingagenturen haben demnach die Bewertungen von Immobilienanleihen wegen unzureichender Informationen zurückgezogen.

    Die Sorge vor einer Pleite von Evergrande hat im vergangenen Jahr die Finanzmärkte beunruhigt. Als größtes Risiko im Zusammenhang mit der Krise gilt jedoch, dass Chinas private Haushalte ihren Glauben an Immobilien als werterhaltende Anlageklasse verlieren.

    Evergrande: Immobilienfirmen in China verkaufen Beteiligungen

    Rund drei Viertel des Vermögens privater Haushalte stecken Schätzungen zufolge in Immobilien. Ihre Investitionen sind die Grundlage für den Bauboom der vergangenen zwei Jahrzehnte. Außerdem treiben sie das Wirtschaftswachstum an. Der chinesische Immobiliensektor trägt rund ein Drittel zur chinesischen Wirtschaftsleistung bei.

    Zwar legten die Immobilienpreise im Januar und Februar leicht zu. Doch es häufen sich die Berichte, dass hochverschuldete Bauträger Wohnungen mit hohen Abschlägen verkaufen, um Geld in die leeren Kassen zu bekommen. Zudem trennen sich die Konzerne von Beteiligungen.

    Im vierten Quartal 2021 verkauften börsennotierte chinesische Immobilienunternehmen Vermögenswerte in Höhe von 32,4 Mrd. Yuan (5,1 Mrd. USD), die höchste Summe in diesem Jahr. Das berichtete das chinesische Wirtschaftsmagazin „Caixin“ mit Verweis auf Daten des Maklerunternehmens TF Securities Co. Ltd.

    Evergrande: Chinas Staatsführung will Immobilienbranche stützen

    Die chinesischen Behörden haben zudem finanziell gesunde Immobilienunternehmen ermutigt, Vermögenswerte ihrer kriselnden Konkurrenten zu übernehmen. Allerdings hielten sich potenzielle Käufer angesichts der schwachen Entwicklung des Immobilienmarktes zurück. Immer häufiger springen deshalb staatliche Unternehmen als Käufer ein.

    In den vergangenen zwei Monaten haben die kriselnden Bauträger Sunac und Shimao laut „Caixin“ Projekte im Wert von mehreren Milliarden Renminbi an staatliche Unternehmen verkauft. Es wird erwartet, dass die chinesische Staatsführung weitere Lockerungsmaßnahmen ergreift, um den wichtigen Immobilienmarkt zu stützen. Nach einer Sitzung des Staatsrats unter Leitung von Liu He, dem wichtigsten wirtschaftlichen Berater der Staatsführung, vergangene Woche stellte die Politik eine Stützung der Immobilienbranche in Aussicht.

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