Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

05.11.2019

08:44

Immobilienkonzern

Vonovia mit hohem Gewinnwachstum – Dividende soll steigen

Von: Matthias Streit

Deutschlands größter Vermieter legt beim Ergebnis zu. Vonovia spürt zugleich die Wirkung des Berliner Mietendeckels: Die Durchschnittsmiete steigt schwächer als erwartet.

Vonovia mit hohem Wachstum bei Gewinn und Mieteinnahmen dpa

Vonovia-Zentrale in Bochum

Der Konzern hat seine Bilanz vorgelegt und wächst auch im europäischen Ausland.

Erfurt In den ersten neun Monaten 2019 hat Vonovia seinen Gewinn um elf Prozent gesteigert. Seinen Aktionären macht Deutschlands größter Vermieter trotz jüngster Kapitalerhöhungen – in diesem Jahr um rund eine Milliarde Euro – zugleich Hoffnung auf eine höhere Dividende im kommenden Jahr.

Maßgeblich für das steigende Ergebnis waren vor allem die Zukäufe in den vergangenen Jahren. „Die erfolgreiche Entwicklung von Vonovia basiert auch auf unserer strategischen Entscheidung, unser Engagement außerhalb Deutschlands auszubauen und unser Geschäftsmodell mit der Buwog um den Bereich Development zu erweitern“, sagt Konzernchef Rolf Buch.

Das fällt positiv auf

Beim operativen Gewinn, den Vonovia als Group FFO ausweist, kann der Konzern im Vergleich zum Vorjahreszeitraum ein Plus von elf Prozent auf 933 Millionen Euro verbuchen. Damit bleibt Vonovia in seinem Prognoserahmen für das laufende Jahr.

Die Mieteinnahmen wurden in den ersten drei Quartalen um zehn Prozent auf 1,5 Milliarden Euro gesteigert, was ebenfalls auf die Integration von Buwog und Victoria Park zurückzuführen ist.

Zudem fällt auf, dass der Wohnungskonzern seinen Worten, die Bautätigkeit deutlich auszuweiten, Taten folgen lässt. Die Investitionen in den Neubau stiegen um 50 Prozent auf 624 Millionen Euro. Bis Ende des Jahres sollen 2150 Wohneinheiten fertiggestellt werden.
Der Verschuldungsgrad („Loan-to-Value“) konnte deutlich von 45 auf 40 Prozent gesenkt werden.

Das fällt negativ auf

Vor allem eine Zahl springt in der Bilanz im negativen Sinne hervor: Das Periodenergebnis ist von 1,4 Milliarden Euro auf 63,4 Millionen Euro eingebrochen. Vonovia erklärt dies mit einer Korrektur des Goodwills. Dieser entstand beim Kauf von Immobilienportfolien, bei denen Preise über Buchwert gezahlt wurden.

Nach der Aufwertungen dieser Immobilien wird der Goodwill korrigiert, die Werte sind jedoch nicht verschwunden, sondern nun in der Portfoliobewertung enthalten. Der Nettovermögenswert – Portfoliowert abzüglich Schulden – stieg von 24,4 auf 27,3 Milliarden Euro.

Die Durchschnittsmiete im gesamten Portfolio stieg um vier Prozent auf 6,69 Euro pro Quadratmeter. Erwartet wurden jedoch 4,4 Prozent. Hier machen sich bereits die Konsequenzen des Berliner Mietendeckels bemerkbar, erklärt der Konzern in einer Analystenpräsentation.

Rund ein Zehntel des Vonovia-Portfolios entfallen auf Berlin. Im Großen und Ganzen hält Vonovia die Folgen aber für überschaubar. Rund sechs Millionen Euro könnte der Mietendeckel das Unternehmen kosten.

Zudem liefert Vonovia weiteren Debattenstoff frei Haus. Die Bochumer geben an, bei den Betriebskosten 2017 mit durchschnittlich 2,55 Euro pro Quadratmeter und Monat neun Prozent unter dem Betriebskostenspiegel des Deutschen Mieterbundes zu liegen.

Um diese Ziffer hat es jedoch schon im vergangenen Jahr Streit gegeben. Der Deutsche Mieterbund sah darin falsche Relationen. Gut möglich, dass die Debatte um Betriebskostenabrechnungen auch in diesem Jahr nicht abreißt.

Denn der Mieterbund gibt im Schnitt Kosten von 2,16 Euro pro Quadratmeter an. Nur wenn alle möglichen Kosten, die aber nicht in jedem Objekt anfallen, aufaddiert würden, seien rechnerisch auch 2,81 Euro pro Quadratmeter und Monat möglich – den Wert, auf den sich Vonovia im Vergleich bezieht.

Darauf kommt es jetzt an

Für 2020 stellt Vonovia seinen Aktionären eine steigende Dividende um 13 Cent auf 1,57 pro Aktie in Aussicht. Da die Geschäfte in diesem Jahr in der Prognosespanne laufen, scheint dies durchaus realistisch.

Ob sich die Geschäfte im kommenden Jahr ähnlich gut entwickeln wie in diesem Jahr, hängt nicht zuletzt von der Integration des neuesten Zukaufs in Schweden ab, dem Unternehmen Hembla, das sich Vonovia mehr als eine Milliarde Euro hat kosten lassen.

Noch steht die Freigabe der Kartellbehörden aus. Vonovia geht jedoch davon aus, dass dies kein Problem sein wird. Mit dem Zukauf steigt Vonovia zum größten Vermieter in Schweden auf.

Handelsblatt Premium

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×