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14.06.2018

19:40 Uhr

IW-Immobilienscout24-Index

Immobilienbranche fürchtet steigende Zinsen – Finanzierung droht teurer zu werden

VonReiner Reichel

Im nächsten Jahr wird es aller Voraussicht nach teurer, eine Immobilie zu finanzieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage des IW in Köln.

Die Stimmung in der Immobilienbranche flacht ab dpa

Baukräne auf einer Baustelle

Die zurzeit noch positive Stimmung in der Immobilienbranche könnte sich eintrüben.

DüsseldorfDie deutsche Immobilienwirtschaft fürchtet, dass steigende Zinsen ihr das Geschäft kaputt machen. Das lässt sich aus der jüngsten gemeinsamen Branchenumfrage des Wirtschaftsforschungsinstituts IW in Köln und der Immobilienvermittlungsplattform Immobilienscout24 ablesen, die dem Handelsblatt vorab vorliegt. „Die Teilnehmer der Umfrage gehen mehrheitlich von im nächsten Jahr steigenden Zinsen aus“, stellt Jan Hebecker, Leiter der Analyseabteilung bei Immobilienscout24 fest.

Korrespondierend zur Zinsprognose schraubten die Befragten ihre Hoffnungen auf sich weiter verbessernde Geschäfte zurück. Der IW-Teilindex zu den Erwartungen sinkt zum dritten Mal in Folge. Die IW-Immoscout-Immobilienindizes werden vierteljährlich erstellt. Es antworten etwa 120 der 800 Befragten.

Die Umfrage erfolgte vor der Sitzung des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag. Die EZB kündigte danach an, den Leitzins auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent zu belassen. Allerdings soll ihr Anleihekaufprogramm zum Jahresende zurückgefahren werden. Die Währungshüter machten zudem deutlich, dass sie erst ab nächstem Sommer steigende Zinsen erwarten.

Tiefstwert für Erwartungen

Die Befragten könnten also recht behalten. Ausgehend von aktuell 1,75 Prozent Zinsen für Hypotheken mit fünf bis zehn Jahren Laufzeit rechnen etwa 80 Prozent mit einem Plus von bis zu 0,5 Prozentpunkten.

Das schwindende Vertrauen zeigt sich im Gesamtindex für die Erwartungen über alle Segmente. Er fällt auf 2,1 Punkte und somit den geringste Wert, seit das Barometer vor vier Jahren erstmals veröffentlicht wurde. Vor allem Projektentwickler und Gesellschaften im Einzelhandelssegment sehen ihre Zukunft kritisch. Ihre Indexwerte sind negativ.

Die Berechnungsmethode des IW entspricht dem üblichen Schema. Der Wert von 2,1 Punkten für die Erwartungen ergibt sich aus der Differenz der positiven und negativen Antworten aller Teilnehmer.

Die hohe Nachfrage nach allen Arten von Immobilien habe die Preise derart hochgetrieben, dass nach einem Zinsanstieg um 0,5 Prozentpunkte die Investitionen unwirtschaftlich werden können, erläutert IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer die Skepsis der Befragten.

Wurden Lenker von Immobilienunternehmen in jüngster Zeit in der Öffentlichkeit auf die Gefahr steigender Zinsen angesprochen, wiegelten sie ab. Der Zeitpunkt des nächsten Zinsanstiegs wurde immer weiter nach hinten geschoben und das Ausmaß der erwarteten Zinssteigerung als gering und damit der Einfluss auf das eigene Geschäft als marginal dargestellt. Die anonyme Umfrage zeichnet ein anderes Bild. Offensichtlich ist die Branche trotz steigender Mieten und Immobilienwerte verunsichert.

Das zeigt auch der vor wenigen Tagen veröffentlichte Deutsche Hypo-Immobilienklima-Index. 128,4 Punkte signalisieren einerseits eine positive Stimmung, aber der Immobilienfinanzierer Deutsche Hypo interpretiert den erneuten Indexrückgang auch als Zeichen dafür, dass „am Horizont immer mehr Wolken aufziehen“.

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