Handelsblatt App
Jetzt kostenlos testen Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

03.09.2019

10:00

Mietendeckel

Vonovia-Chef Rolf Buch warnt vor Schwarzmarkt für Wohnungen

Von: Andreas Neuhaus

Ein Mietendeckel wird das Wohnungsproblem in Berlin nicht lösen, sagt Rolf Buch. Mit seiner Meinung zu Regulierung überrascht der Vonovia-CEO aber.

Vonovia: Rolf Buch warnt vor Schwarzmarkt für Wohnungen in Berlin Reuters

Rolf Buch

Der Vonovia-CEO fordert eine maßvolle Regulierung auf dem Wohnungsmarkt.

Düsseldorf Vonovia-Chef Rolf Buch warnt vor den Folgen des Berliner Mietendeckels. „Eine unserer größten Sorgen ist, dass wir durch den Mietenstopp Altbauwohnungen generieren, die auch in der neuen Version weit unter dem Markt sind“, sagte Buch am Montagabend auf einer Veranstaltung in Düsseldorf. Durch die große Nachfrage und die gedeckelten Mieten befürchtet er einen Schwarzmarkt für Wohnungen.

Vonovia ist Deutschlands größte Wohnungsgesellschaft, das deutschlandweite Immobilienportfolio lag zum Ende des vergangenen Geschäftsjahres bei rund 360.000 Wohneinheiten. Davon liegen rund zehn Prozent in Berlin – damit ist die Hauptstadt der größte Einzelstandort. Dorthin wird es durch die Urbanisierung künftig noch mehr Menschen ziehen, erwartet Buch.

In Berlin mangelt es aber schon jetzt an Wohnraum. In der Hauptstadt trifft deshalb eine steigende Nachfrage auf ein unzureichendes Angebot. Dieses Missverhältnis könnte auf einem Schwarzmarkt reguliert werden, befürchtet der Vonovia-Chef. Beispielsweise könnten laut Buch die Preise für zur Wohnung gehörenden Parkplätzen oder Garagen ins Unermessliche steigen.

Nach dem ursprünglichen Vorschlag der Berliner Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher (Die Linke) für den geplanten Mietendeckel sollten Wohnungen in der Hauptstadt in den kommenden Jahren nicht mehr als knapp acht Euro pro Quadratmeter kosten dürfen. Danach wären je nach Jahr des Erstbezugs und Ausstattung der Wohnung Kaltmieten von 3,42 bis 7,97 Euro möglich. Nach den neuesten Plänen soll die Mietobergrenze aber abgeschwächt werden.

Diesem Vorschlag kann Buch wenig abgewinnen. Denn: „Regulierung wird das kurzfristige Problem des Wohnungsmangels in den großen Städten nicht lösen.“ Zwar begrüßt er die Ziele des Mietenstopps, die Menschen vor Verdrängung aus ihren Wohnungen zu schützen und „sozial Schwachen“ die Möglichkeit zu geben, Wohnraum in Berlin zu finden. „Aber meine These ist: Diese Ziele wird man mit dem Mietenstopp nicht erreichen. Wer davon etwas haben wird, ist der Mittelverdienende, der für die gleiche Miete ein Zimmer mehr bekommt.“

Das Berliner Grundproblem ist laut Buch, dass es zu wenig Wohnraum gebe. Es brauche deshalb von der Politik mehr Willen, um den Wohnungsmangel zu beheben. „Wenn wir nicht mehr bauen, werden andere Menschen aus Berlin ausziehen müssen – das ist Mathematik“, sagte Buch. „Nicht bauen, ist die große Asozialität, die man machen kann. Weil man sich am Ende versündigt an denjenigen, die im Verteilungskampf an Mietwohnungen tendenziell den Kürzeren ziehen.“

Grafik

Allerdings spricht sich Buch nicht grundsätzlich gegen Regulierung auf dem Wohnungsmarkt aus: „Ich bin fest davon überzeugt, dass Wohnen ein Grundbedürfnis ist und deshalb reguliert gehört. Ein freies Spiel der Kräfte auf dem Wohnungsmarkt ist sicher nicht die richtige Lösung.“

Als abschreckendes Beispiel für einen unregulierten Wohnungsmarkt nannte der Chef von Deutschlands größter Wohnungsgesellschaft London. Die ohnehin schon hohen Mieten sind dort von 2012 bis 2017 noch einmal um 20 Prozent gestiegen. Eine Dreizimmerwohnung im zentralen Viertel Islington ist laut Daten der Stadt London kaum für eine Kaltmiete unter 2000 Pfund zu bekommen (circa 2190 Euro).

Den deutschen Mietspiegel hält Buch deshalb für wichtig, allerdings müsse dieser ordentlich kontrolliert werden. Auch die Mietpreisbremse – bei der Wiedervermietung von Bestandswohnungen in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt darf die Miete höchstens zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegen – hält der Vonovia-Chef für „temporär richtig“. Man müsse die Mietpreisbremse aber auch durchsetzen. Dass das geschieht, bezweifelt Buch mit Blick auf die Angebote auf Immobilienplattformen.

Man müsse die Regulierung auch so konzipieren, dass sie sowohl den Anbieter als auch den Nachfrager leben lasse. Eine sinnvolle Lösung könnte es deshalb für Buch sein, Mieterhöhungen an die Inflation zu koppeln. Die Mieten könnten dann „langfristig, langweilig alle zwei Jahre im Rahmen der langfristigen Inflationsrate wachsen“.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Olaf Boehm

03.09.2019, 13:04 Uhr

Gut gesprochen von Buch. Recht hat er!

Herr Daniel Pahl

03.09.2019, 14:21 Uhr

Was soll dieser Satz bedeuten: „Eine unserer größten Sorgen ist, dass wir durch den Mietenstopp Altbauwohnungen generieren, die auch in der neuen Version weit unter dem Markt sind“. Versteht das jemand? Der Autor des Artikels vielleicht?

Herr Olaf Boehm

03.09.2019, 18:02 Uhr

Kudam Altbau für €6,50

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×