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20.09.2018

12:39

Start-ups

„In nur drei Schritten zur Traumwohnung“ – So könnten digitale Angebote den Immobilienmarkt revolutionieren

Von: Reiner Reichel

Käufer, Verkäufer, Mieter, Vermieter, Makler: Alle Akteure am Immobilienmarkt können auf neue digitale Helfer zugreifen. Welche Angebote sich lohnen und welche nicht.

Digitale Vermittlungs-Angebote erobern den Wohnungsmarkt SCHÄFERWENNINGERPROJEKT GmbH

Neubau-Wohnung

Digitale Angebote auf dem Wohnungsmarkt wollen die richtigen Partner zusammenbringen.

Düsseldorf Sie suchen eine Wohnung, ein Haus? Oder wollen Sie ein Haus verkaufen oder vermieten? Dann stehen Prop-Tech-Unternehmen bereit, Ihnen zu helfen. Prop-Tech ist kurz für Property Technology und meint technologische Entwicklungen in der Immobilienbranche. Als Nikolai Roth vom Bundesverband Start-ups diese Prop-Techs im April auflistete, waren es 25.

Wenn es nur um temporäres Mieten oder Vermieten geht, also etwa ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft gesucht wird, laden 29 Internetadressen zum Anklicken ein. Sie fühlen sich bei der Auswahl unter den verschiedenen Plattformen überfordert und wollen sich einem Makler anvertrauen? In diesem Fall helfen sieben Prop-Techs, den richtigen Makler auszusuchen. Und 31 Prop-Techs widmen sich der Visualisierung, zeigen Kunden also die Wohnung virtuell so, als wäre er dort.

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem deutschen Prop-Tech-Markt. Schließlich gibt es noch Start-ups, die sich etwa mit der Vernetzung im Haus oder der Verwaltung beschäftigen. Start-up-Experte Roth hat insgesamt 246 dieser neuen digitalen Helferfirmen aufgelistet.

Blackprintpartners-Gründer Alexander Ubach-Utermöhl kommt in seinem mehr als 400 Seiten starken „PropTech Yearbook 2018“ für deutschsprachige Länder noch auf einige mehr. Sein Anspruch als Förderer der Branche: „Wir digitalisieren die Immobilienwirtschaft.“

Den Prop-Tech-Boom ausgelöst hat das im Juni 2015 eingeführte Bestellerprinzip. Es bedeutet, dass derjenige den Mietwohnungsmakler bezahlt, der ihn beauftragt. In der Praxis ist das der Vermieter. „Das hat den Wohnungsmarkt kräftig durcheinandergewirbelt“, sagt Fabian Mellin, Gründer von Moovin, einem Online-Makler.

Das Geschäft mit der Vermittlung von Miet- und Eigentumswohnungen ist ein gigantischer Markt. Nach Branchenschätzungen werden in Deutschland jährlich rund drei Millionen Wohnungsmietverträge und weitere 800.000 Kaufverträge unterschrieben. Der überwiegende Teil der Wohnungswechsel wird nach wie vor über Makler angebahnt, obwohl seit der Einführung des Bestellerprinzips mehr Vermieter ihre Mieter selbst suchen. 

Digitalisierung auf dem Immobilienmarkt: Dieses Start-up will Mietern und Vermietern den Alltag erleichtern

Digitalisierung auf dem Immobilienmarkt

Dieses Start-up will Mietern und Vermietern den Alltag erleichtern

Die Immobilienbranche gilt als Nachzügler bei der Digitalisierung. Doch nun feiern Technologie-Start-ups dort Erfolge – wie Allthings. Investoren ziehen mit.

Ein Rückblick: Wer vor 20 Jahren eine Wohnung suchte, riss morgens um fünf Uhr dem Zeitungsausträger das Lokalblatt aus der Hand, um als einer der Ersten die Wohnungsanzeigen studieren und Vermieter anrufen zu können. Damals, 1998, wurde Immobilienscout24 mit zwölf Mitarbeitern gegründet.

Heute suchen jährlich Millionen dort nach dem Objekt der Wohnbegierde. Wer will, kauft das Premiumpaket für 29,50 Euro im Monat und kann damit eine eigene Bewerbermappe mit Bild erstellen, die Schufa-Auskunft, Bescheinigung des Vormieters über pünktliche Mietzahlungen und Gehaltsbescheinigung enthält.

Was versprechen die Neulinge?

Housy will dem Kunden ohne Massenbesichtigung „in nur drei Schritten zur Traumwohnung“ verhelfen. Dazu muss er ein kostenloses Suchprofil erstellen. Wenn seine Vorstellungen mit denen des Vermieters übereinstimmen, folgt die Einladung zum Besichtigungstermin. Mieter-Matching heißt dieses System, das den Partnerbörsen vergleichbar ist. Der Vermieter wählt den Mieter aus und bezahlt Housy, wie vom Bestellerprinzip vorgesehen.

Nach ähnlichem Muster funktioniert Immomio. Der Vermieter wählt den Mieter, nachdem er Mieter-Suchanzeigen bei Immomio erstellt hat, der diese Anzeigen unter anderem bei Immobilienscout24, Immowelt und Immonet schaltet.

Den Matching-Algorithmus beschwört auch Moovin. Makler oder Vermieter können Dienstleistungen von Exposé-Erstellen bis Schlüsselübergabe einzeln oder komplett aus einem Baukasten buchen.

Doch was geschieht mit den Daten, die der Mieter preisgibt? Nach der Datenschutzgrundverordnung dürfen die Vermittler sensible Daten wie Gehaltsnachweise erst nach dem Besichtigungstermin an den Vermieter geben. Zuvor darf der Vermieter nur nach Name, Anschrift, privater Telefonnummer, Anzahl der Haushaltsmitglieder, vorhandenen Haustieren und Vorliegen eines Wohnberechtigungsscheins, sofern erforderlich, fragen.

Ob es nach dem Besichtigungstermin zulässig ist, Auskünfte der Schufa zu verlangen, ist umstritten.

Wohnungsvermittlung im Netz: Digital ist nicht immer besser

Wohnungsvermittlung im Netz

Digital ist nicht immer besser

Um Maklerkosten zu sparen, weichen Vermieter immer häufiger auf Dating-Plattformen im Internet aus, um neue Mieter zu finden. Doch für Start-ups wie Smmove oder Faceyourbase erweist sich das Geschäft als schwierig.

Keine Mieter-Matching-Börse will „Wohnungshelden“ sein. Die Gesellschaft schielt auf die Zusammenarbeit mit kommunalen Wohnungsunternehmen. Die Münchener erfassen nach eigenen Angaben alle Anfragen, die ein Vermieter auf Anzeigen in Portalen oder auf der eigenen Internetseite erhält. Anschließend werden passende Mieter herausgefiltert.

Kommunale Unternehmen erlebten immer wieder, dass Mietern, die sich auf Sozialwohnungen bewerben, der nötige Wohnberechtigungsschein fehle, beschreibt Daniel Vallés Valls, Geschäftsführer und Gründer, ein typisches Problem. Die kommunalen Münchener Vermieter GEWOFAG und GWG loben, damit werde „eine effiziente, faire und transparente Vergabe gewährleistet“.

Bei Mietern, die keinen Internetanschluss haben, können die Daten auch in den Vermietungszentren der Anbieter eingegeben werden.

McMakler mischt Online-Vermittlung und klassisches Maklergeschäft

Käufer und Verkäufer von Wohnungen und Häusern treffen sich womöglich bei McMakler oder Maklaro. McMakler mischt Online-Vermittlung und klassisches Maklergeschäft. Die Objekt-Akquise erfolgt zentral, ebenso die Abrechnung mit den Käufern. Breit angelegte Werbekampagnen sollen Verkäufer anlocken. Die werden dann von Maklern vor Ort betreut. Die Angebote werden wiederum bei den großen Vermittlungsplattformen geschaltet.

McMakler-Chef Hanno Heintzenberg hat die Arbeitsschritte eines Maklers zerlegt. So werden Fotos, Filme und Exposés von darauf spezialisiertem Personal erstellt. Potenzielle Käufer sollten sich die Suche auf der McMakler-Plattform sparen, denn das Angebot ist gering. Vielmehr verspricht Heintzenberg die Kontaktaufnahme binnen weniger Minuten mit den Interessenten, die sich über Immoscout & Co. melden.

Anders als McMakler ist Maklaro nicht mit Maklern vor Ort vertreten. Verkäufer können über die Internetseite von Maklaro zunächst anhand von Angaben zum Objekt einen Schätzpreis ermitteln. Entschließt sich jemand zum Verkauf, wird ein unabhängiger externer Sachverständiger zur Objektbewertung hinzugezogen.

Die Vermarktung erfolgt wie bei McMakler über Anzeigen in den üblichen Portalen. Eine Besonderheit: Melden sich mehrere Interessenten, kann der Verkäufer zu einem von Maklaro durchgeführten Bieterverfahren übergehen.

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Heintzenberg wie auch Maklaro-Chef Nikolai Roth wissen, dass sie ihr Geschäftsmodell umstellen müssen, wenn das von Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) favorisierte Bestellerprinzip auch beim Verkauf von Wohnraum Gesetz wird. Dann muss der Verkäufer die Courtage zahlen. Verkäufer werden versuchen, sich die Maklercourtage zu sparen und selbst zu verkaufen. Der Wettbewerb um Aufträge wird dazu führen, dass die Maklerprovisionen sinken.

Eine Situation, die beide Prop-Tech-Unternehmer gelassen sehen. Sie vertrauen darauf, dass sie mit ihren digitalisierten Vermittlungsprozessen im Preiskampf besser bestehen werden als die konventionellen Makler, die die einzelnen Arbeitsschritte persönlich erledigen.

„Die meisten Prop-Tech-Start-ups betreiben B2B-Geschäftsmodelle“, zieht Marktbeobachter Ubach-Utermöhl ein Fazit. B2B bedeutet, dass Geschäftskunden untereinander Verträge schließen. Über die Dienstleistung erfährt der Privatkunde nichts.

Ein Vergleich: Wer sich die Haare schneiden lässt, kennt auch nicht die Buchhaltungssoftware seines Frisörs. Deshalb bekommt etwa der Bewerber um eine GEWOFAG-Wohnung überhaupt nicht mit, dass Wohnungshelden prüft, ob er für die Wohnung infrage kommt. Für die Vermieter erleichtern solche Systeme den Umgang mit dreistelligen Bewerberzahlen.

Maklaro-Gründer Roth gibt trotz aller Prop-Tech-Euphorie Wohnungssuchenden, Mietern wie Käufern, einen einfachen Tipp: „Der erste Anlaufpunkt sind Portale wie Immobilienscout24, Immowelt und Immonet.“

Die Suche nach dem „richtigen Makler“ über Portale können sich Verkäufer und Vermieter nach seiner Ansicht sparen. „Die wirklich guten Makler sind nicht an einer Zusammenarbeit mit diesen Portalen interessiert.“ Zum einen, weil sie genug Kunden hätten, zum anderen, weil sie nicht bis zu 30 Prozent ihrer Marge an ein solches Portal überweisen wollten.

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