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20.10.2019

22:48

US-Start-up

Wie es bei Wework weiter geht

Von: Astrid Dörner

Der krisengeschüttelte Bürovermieter verhandelt mit Geldgebern über neue Finanzspritzen. Branchenkenner bringen auch ein Insolvenzverfahren ins Spiel.

Dem Start-up Wework könnte bereits Ende November das Geld ausgehen. AFP

Wework

Dem Start-up Wework könnte bereits Ende November das Geld ausgehen.

New York Seit Tagen verhandelt Wework über neue Finanzhilfen. Dem Start-up könnte schon Ende November das Geld ausgehen, deutlich früher als noch im September angenommen. Damals waren Analysten davon ausgegangen, dass die Barreserven noch bis ins kommende Frühjahr reichen. Wework, das sich im Sommer in „The We Company“ umbenannte, hat drei Optionen, von denen alle mit erheblichen Nachteilen verbunden sind.

Option eins: neue Kredite von JP Morgan Chase

Amerikas größte Bank pflegt schon lange ein enges Verhältnis zu We und dessen Mitgründer Adam Neumann, der das Unternehmen nach dem gescheiterten Börsengang Ende September verlassen musste. So hat die Bank Neumann Kredite von knapp 100 Millionen Dollar ausgestellt, mit denen der 40-jährige Gründer Luxusimmobilien kaufte. Gemeinsam mit UBS und Credit Suisse gewährte JP Morgan zudem eine 500 Millionen Dollar schwere Kreditlinie, von der Neumann bis Ende Juli 380 Millionen Dollar abgerufen hatte, wie aus dem nun zurückgezogenen Börsenprospekt hervor geht.

JP Morgan führt nun ein Konsortium an, das ein Finanzierungspaket von fünf Milliarden Dollar festschnüren will. Zwei Milliarden davon sind unbesicherte Anleihen, die zu den riskantesten seit vielen Jahren zählen, wie der Finanzdienstleister Bloomberg berichtet.

Das Paket von JP Morgan hätte den Vorteil, dass Neumann kein neues Eigenkapital an Investoren ausgeben müsste, und soll daher Neumanns präferierte Option sein. Doch der Deal ist extrem teuer. Die unbesicherten Anleihen kommen laut Bloomberg mit einem Zinscoupon von 15 Prozent. Davon müsste We jedoch nur ein Drittel in Bar zahlen. Der Rest könnte nach der sogenannten „Payment-in-Kind-Methode“ mit zusätzlichen Anleihen beglichen werden. Dieser Weg wurde in der Vergangenheit oft von kriselnden Energieunternehmen verwendet oder von Firmen, die aus einem Insolvenzverfahren kommen.

JP Morgan sei nun dabei, die Papiere an rund 100 Investoren anzubieten. Sollte es keine ausreichende Nachfrage geben, kommt das Finanzierungspaket nicht zustande.

Option zwei: neue Mittel von Großinvestor Softbank

Der japanische Technologiekonzern hält rund 30 Prozent der Anteile an Wework und hat dafür rund elf Milliarden Dollar ausgegeben. Die Investitionen gingen zum Teil über Softbanks 100 Milliarden Dollar schweren Vision Fund und zum Teil über Softbank direkt. Der Großinvestor verhandelt nun mit Wework ebenfalls über eine fünf Milliarden Dollar schwere Finanzspritze, die zum Teil durch Schulden und zum Teil durch die Ausgabe von neuen Anteilen geschehen soll – allerdings zu einer deutlich niedrigeren Bewertung.

Wework war noch im Januar 47 Milliarden Dollar wert. Die Investmentbank Goldman Sachs, die das Start-up gemeinsam mit JP Morgan an die Börse bringen wollte, war zunächst davon ausgegangen, dass We nach dem Börsengang 65 Milliarden Dollar wert sein könnte, wie es in Finanzkreisen heißt. Softbank rechnet laut Bloomberg nun jedoch nur noch mit einer Bewertung von unter acht Milliarden Dollar.

Für den hoch-defizitären Bürovermieter hätte das einen entscheidenden Nachteil: Durch die Ausgabe neuer Anteile würden die der bestehenden Investoren verwässert, auch die von Adam Neumann. Das könnte den Wework-Gründer auch persönlich in Schwierigkeiten bringen. Der 500 Millionen Dollar schwere Kredit von JP Morgan, UBS und Credit Suisse ist zum Teil mit seinen Wework-Anteilen besichert. Sollten diese künftig verwässert werden und deutlich weniger wert sein, könnte es zu einem sogenannten „Margin Call“ kommen, der Neumann dazu zwingt, neue Sicherheiten zu hinterlegen oder den Kredit zurückzuzahlen.

Auch würde das Paket Softbank deutlich mehr Mitspracherecht geben. Für Softbank-Chef Masayoshi Son sei dies die richtige Option, glaubt Sven Weber, der den Risikokapitalfonds Knightsbridge Advisers berät. „Kredite müssen immer zuerst bedient werden. Und da Wework schon hoch verschuldet ist, kann es von Vorteil sein, auf weitere Schulden zu verzichten.“ Zudem müsse Son zeigen, dass er die Verluste minimieren und aus We das beste rausholen kann. Wework ist das größte Investment des Vision Fund, mit dem sich Son als visionärer Investor positionieren will. Er muss also nicht nur Wework, sondern auch seinen Ruf retten.

Option drei: ein Insolvenzverfahren

Diese Variante brachte Scott Galloway vergangene Woche ins Spiel. Der Professor der New York University ist ein lautstarker Wework-Kritiker und glaubt, dass das Unternehmen in einem Insolvenzverfahren am schnellsten restrukturiert werden könnte.

Das Start-up könnte schnell aus jenen Mietverträgen herauskommen, die hohe Verluste verursachen, und die guten behalten. Das Unternehmen „könnte sich dann stärker auf die Gewinnmargen konzentrieren als auf Wachstum“, so der Professor in einer Analyse.

Derzeit sind die Gewinnmargen von We negativ, was ein Grund ist, warum Investoren an der Wall Street kein Interesse an dem Börsengang des Bürovermieters hatten. Dieser Schritt wäre jedoch für Neumann und die gut 15.000 Mitarbeiter verheerend.

Wework hatte ohnehin hohe Stellenstreichungen angekündigt. Aktienoptionen, die klassischerweise einen wichtigen Teil der Kompensation von Mitarbeitern bei Start-ups ausmachen, würden durch jegliche Art der Restrukturierung wertlos werden. Auch die Märkte für Büro-Immobilien könnten eine Wework-Pleite schnell zu spüren bekommen, warnen Immobilienmakler.

In New York und London ist das Start-up zum größten Mieter von Büroimmobilien geworden. We soll sich in den kommenden Tagen für eine Option entscheiden, heißt es in Branchenkreisen. Unterdessen werden Unternehmensteile verkauft oder geschlossen, die nicht zum Kerngeschäft gehören, um Kosten zu sparen.

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