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19.04.2022

14:56

Inflation Definition, Bedeutung, Beispiele dpa

Inflation: Definition, Bedeutung und Beispiele

Inflation: Ein Mann zählt die neuen Geldscheine von 500.000 Bolivares, der venezolanischen Währung. 

Inflation – leicht erklärt

Was ist Inflation? Definition, Beispiele, Bedeutung

Von: Nils Buske

Bei einer Inflation steigt das allgemeine Preisniveau. Dies hat oft negative Folgen. Eine ausführliche Erklärung.  

Das Leben in Deutschland ist zuletzt deutlich teurer geworden. Erstmals seit 29 Jahren überschritt die Inflationsrate im vergangenen November die Fünf-Prozent-Marke. Aktuell liegt die Inflationsrate bei 7,3 Prozent (Stand: März 2022). Damit hat sie den höchsten Wert seit 40 Jahren erreicht. Bemerkbar machte sich die Inflation nach einer ersten Erholung der wirtschaftlichen Lage durch die Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Ein Effekt, der laut EZB nur vorübergehend sein sollte. Doch die Inflation hält sich hartnäckiger als befürchtet. Das hat verschiedene Gründe.

Vorübergehend waren zum Beispiel die Rohölpreise wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt nach Ausbruch der Pandemie im Frühjahr 2020 eingebrochen. Seither haben sie sich erholt. Auch die Rückkehr zu den üblichen Mehrwertsteuersätzen in Europas größter Volkswirtschaft Deutschland zum 1. Januar 2021 hatte einen Effekt auf die Teuerung im Euroraum.

Hinzu kommt der steigende Konsum und die steigende Produktion, die bei der Chemie-, Stahl- und Automobilbranche aufkommen. Diese trifft auf niedrige Lagerbestände. Das wiederum erhöht die Preise und treibt die Inflationssorgen an.

Nun hat der Ukraine-Krieg zusätzlich zu einem Energiepreisschock geführt. Experten erwarten, dass die hohen Energiepreise die Inflation weiter antreiben werden.

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    Während die Inflation im Euroraum im Februar um 5,8 Prozent gestiegen ist, liegt sie in den USA mit 8,5 Prozent auf dem höchsten Wert seit 40 Jahren. Auch hier hatte die US-Notenbank (Fed) betont, dass die vom Hochfahren der Wirtschaft nach den Corona-Lockdowns ausgelösten Preissteigerungen nur vorübergehender Natur seien. Dennoch sorgt die Lage auf dem Finanzmarkt seit geraumer Zeit für nervöse Kurse.

    Analysten rechnen jetzt mit einer „Zinswende“ in den USA. Das bedeutet, dass die Fed die Zinsen erhöhen wird, um den Preis für Kredite zu erhöhen und dem starken Preisauftrieb gegenzusteuern. Die EZB lässt Zinserhöhungen offen, aber verkündete nun, ihre Anleihenkäufe zurückzufahren, um damit die Inflation einzudämmen.

    Doch ab wann sprechen Ökonomen eigentlich von einer Inflation? Die wichtigsten Fragen und Antworten finden Sie hier.

    Drei Fakten zur Inflation

    • Die Preise steigen und das Geld verliert an Wert
    • Eine Inflation gilt als gesamtökonomisches Problem
    • Meistens gibt es mehrere Ursachen

    Inflation per Definition

    Vereinfacht verliert bei einer Inflation das Geld an Wert, da das Preisniveau innerhalb einer Volkswirtschaft steigt. Demnach muss sich zunächst ein Durchschnitt aus vielen Preisen erhöhen, damit der Begriff tatsächlich zutrifft. Sogenannte Einzelpreissteigerungen – zum Beispiel von Kaffee – sind davon ausgenommen. Wenn also kurzfristig der Kaffee im Supermarkt mehr kostet, spricht noch niemand von einer Inflation. Denn laut Definition handelt es sich bei einer Inflation stets um einen anhaltenden Prozess. 

    Zusammengefasst definiert sich eine Inflation also sowohl durch den allgemeinen als auch den konstanten Preisanstieg. Dies führt zwangsläufig dazu, dass sich die Menschen für ihr Geld weniger leisten können. Oder anders: Die Kaufkraft des Geldes verringert sich.

    Inflation und Deflation: Wo liegt der Unterschied?

    Während eine Inflation die allgemeine und anhaltende Preissteigerung innerhalb einer Volkswirtschaft umschreibt, bezeichnet die Deflation das genaue Gegenteil. Das Preisniveau sinkt. Der Geldwert steigt. Im Fall einer Deflation ist die Inflationsrate dann negativ.

    Sowohl die Inflation als auch die Deflation können negative Auswirkungen auf die Wirtschaft eines Landes haben – auch wenn ihnen unterschiedliche Ursachen zugrunde liegen.

    Was sind Inflationsursachen?

    Mehrere Ursachen können das Geld entwerten. Grundsätzlich beeinflussen folgende Faktoren die Inflation.

    Mangelndes Angebot: Ist ein Rohstoff nur in kleiner Menge vorhanden, so steigt normalerweise der Preis. Diese Form der Inflation kann mitunter durch eine hohe Abhängigkeit von anderen Ländern und ihren Rohstoffen importiert werden. Zum Beispiel ist Deutschland von dem Erdöl anderer Länder abhängig. Sind die Handelsbeziehungen gehemmt oder treten Lieferengpässe auf, macht sich das Ganze preislich auch bei uns bemerkbar.

    Zugleich können Monopolisten ihre Marktmacht dazu ausnutzen, um Preise in die Höhe zu treiben. Im Umkehrschluss schieben Konsumenten kostspielige Investitionen auf, da sie wieder auf niedrigere Preise hoffen.

    Erhöhte Nachfrage: Die Preise steigen, wenn bestimmte Güter stärker nachgefragt sind und die Anbieter trotz ausgelasteter Produktion die Nachfrage nicht befriedigen können. Hier handelt es sich um eine Nachfrageinflation. Vor allem in Hochkonjunkturphasen zeichnen sich entsprechende Trends ab.

    Steigende Geldmenge: Erhöht eine Zentralbank die Geldmenge innerhalb einer Volkswirtschaft, um beispielsweise die Liquidität zu fördern, kann es zu inflationären Preisverhältnissen kommen. Übersteigt die Geldmenge die Gütermenge überproportional, erhöht sich entsprechend auch das Preisniveau. Ein vergleichbares Szenario zeichnete sich nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland ab. 

    Folgen und Auswirkungen der Inflation

    Die Geldmenge sowie die Preise für Waren jeglicher Art sollten möglichst stabil sein. Denn ein lang anhaltender Anstieg des Preisniveaus hat Konsequenzen.

    • Unternehmen und Privatpersonen investieren weniger, da die Kosten steigen und das Investitionsvolumen schrumpft 
    • Es entsteht eine geringere Nachfrage, die Unternehmen aus Kostengründen dazu zwingt, ihre Preise weiter zu erhöhen
    • Realzinsfalle: Eine erhöhte Inflation in Kombination mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) sorgt für einen negativen Realzins bei einigen Anlageformen – exemplarisch verliert das Geld auf dem Girokonto an Wert
    • Lohn-Preis-Spirale: Da die Unternehmen ihre Preise erhöhen, fordern Arbeitnehmer höhere Löhne. Daraufhin erhöhen die Unternehmen wieder ihre Preise, die Lohnforderungen werden wieder höher und die Inflation steigt weiter

    Wie wird die Inflationsrate berechnet?

    Zur Berechnung der Inflationsrate wird ein repräsentativer, fiktiver Warenkorb herangezogen. Dieser enthält alle Waren, die private Haushalte im Laufe eines Jahres verbrauchen. Darunter Lebensmittel, Miete oder Freizeitausgaben. In der Regel wird dieser Warenkorb alle fünf Jahre neu gewichtet. Hier gilt: Produkte, für die ein Haushalt grundsätzlich mehr Geld aufwendet, bekommen ein höheres Gewicht. Strom wiegt in diesem Korb demnach schwerer als Salz.

    Da nicht alle Menschen die gleichen Kaufgewohnheiten haben, basiert das Gewicht der Waren auf den durchschnittlichen Ausgabegewohnheiten aller privaten Haushalte. Daraus ergibt sich wiederum ein nationaler Verbraucherpreisindex (VPI), dessen Veränderung zum Vorjahresmonat die Inflationsrate abbildet. Für 2022 prognostizieren Ökonomen eine Inflationsrate in Deutschland von rund fünf Prozent. 2023 soll sie bei 2,6 Prozent liegen.

    Lesen Sie hier, wie sich die Inflationsrate in Deutschland über die vergangenen Jahre entwickelt hat.

    Zusätzlich lassen sich weitere Formen von Inflationsraten berechnen. Das Konzept der Kerninflation basiert beispielsweise auf einer sogenannten Kerninflationsrate. Diese blendet Warengruppen aus, deren Preise besonders instabil sind. Es resultiert also eine bereinigte Inflationsrate.

    In der Europäischen Union dient dagegen der Harmonisierte Verbraucherpreisindex (HVPI) als einheitliche Berechnungsgrundlage, um Preisänderungen international zu vergleichen – und eine Gesamtinflationsrate für Europa zu berechnen. Den Harmonisierten Verbraucherpreisindex nutzt dabei die Europäische Zentralbank, um die Preisstabilität innerhalb der EU zu beurteilen. Laut EZB ist eine Preisstabilität gegeben, wenn die jährliche Inflationsrate mittel- bis langfristig unter 2 Prozent liegt.

    Hat Corona zu einer Inflation geführt?

    Die Mehrwertsteuersenkung im Zuge der Corona-Pandemie hat die Preise in Deutschland 2020 zunächst gedrückt. Zusätzlich sanken die Energiekosten. Beides sorgte im Jahr 2020 für eine niedrige Inflationsrate (auch: Jahresteuerungsrate) von 0,5 Prozent.

    Die Corona-Krise wirkte zunächst also deflationär.

    Da Inflationsraten relativ zum Vorjahr gemessen werden und nach der Pandemie ein starker Wirtschaftsaufschwung erwartet wurde, erwarteten Ökonomen zu Recht mittel- bis langfristige weitreichenden Preisanstiege. Zugleich seien die gewaltigen Corona-Rettungspakete sowie die Knappheit bestimmter Güter preistreibende Faktoren, die den Inflationsdruck erhöhen.

    Die Prognosen lagen richtig: 2021 stieg die Inflationsrate auf 3,1 Prozent. Doch die von manchen als Sondereffekte deklarierten Inflationserhöhungen halten an. Aufgrund von Lieferengpässen und fehlende Produktionskapazitäten gab es weniger Angebot als Nachfrage und die Preise stiegen. Den größten Anteil an der steigenden Teuerungsrate haben die Energiepreise, die für Verbraucher im Februar um 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stiegen.

    Wie wirkt sich der Ukraine-Krieg auf die Inflation aus?

    Der Krieg in der Ukraine führt zu noch höheren Energiepreisen aufgrund von Verknappung und Unsicherheiten auf dem Öl- und Gasmarkt. Nach Einschätzung der EZB treibt er damit die Inflation 2022 auf ein deutlich höheres Niveau als zuletzt angenommen wurde.

    Kriege führen im Allgemeinen zu einer höheren Inflation, da sie hohe Ausgaben mit sich bringen. Falls Russland in Zukunft kein Gas und Öl mehr in die EU exportiert, würde das zu einem weiteren Anstieg der Energiepreise in der EU führen.

    Die langfristige Entwicklung der Inflation ist damit unter anderem abhängig von der weltpolitischen Lage und der Politik der Notenbanken und momentan nur grob abschätzbar.

    Bekannte Beispiele von Inflationen

    Inflation in Deutschland bis 1923

    1923 erreichte die Inflation nach dem ersten Weltkrieg ihren Höhepunkt. Menschen transportierten für den Einkauf im Supermarkt Berge an Bargeld. Der Hintergrund: Der erste Weltkrieg brachte die Deutschen um ihr Vermögen. Da flächendeckend kein Geld im Umlauf war, druckte die Zentralbank mehr davon. Das Angebot an Produkten blieb jedoch unverändert gering, sodass die Preise immer weiter in die Höhe schossen.

    Inflation in Venezuela

    Die Inflation in Venezuela ist bis heute dramatisch. 2018 wuchs die durchschnittliche Inflationsrate laut Statista auf rund 65.000 Prozent gegenüber dem Vorjahresniveau. Hier sprechen Volkswirte sogar von einer Hyperinflation. Die Gründe dafür liegen unter anderem in der Misswirtschaft der sozialistischen Regierung sowie beim Einbruch des Ölpreises. Im vergangenen Jahr führte der Erdölstaat die Eine-Million-Banknote ein. Kurz darauf wertete die Regierung die Währung um sechs Nullen ab.

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