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07.12.2021

01:07

Insiderbarometer

Chefs kauften im November deutlich mehr Aktien eigener Unternehmen

Von: Andrea Cünnen

Vorstände und Aufsichtsräte deutscher Unternehmen haben im November mehr Aktien der eigenen Firmen gekauft als zuletzt. Das ist ein Indiz für Anleger. Wir zeigen, wo die Firmenlenker zugriffen.

Vorstände und Aufsichtsräte greifen bei Aktien der eigenen Unternehmen zu. Getty Images

Aktiencharts

Vorstände und Aufsichtsräte greifen bei Aktien der eigenen Unternehmen zu.

Frankfurt Der November war ein grauer Börsenmonat. Die vierte Corona-Welle mit der neuen Omikron-Variante und die erneut deutlich gestiegenen Inflationsdaten haben viele Investorinnen und Investoren verunsichert.

Nicht so Deutschlands Vorstände und Aufsichtsräte: Sie haben im November deutlich mehr Aktien der eigenen Unternehmen gekauft als in den Monaten davor. Auf der Liste finden sich Namen wie Zalando, Flatexgiro, LEG Immobilien, Auto1 und ProSiebenSat.1.

Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management, sieht das als positives Signal für den Dax in den kommenden Monaten. „Die Käufe bei den Insidern liegen zwar schon lange über den Verkäufen – im November hatten wir aber mit 200 Käufen so viele wie schon länger nicht mehr.“

Die Insider sahen damit in der Breite Kaufgelegenheiten nach dem jüngsten Rückgang an den Börsen. Die Käufe schnellten vor allem in den letzten beiden November-Wochen nach oben, in denen die Aktienmärkte deutlich verloren.

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    Insiderbarometer sendet ein Kaufsignal

    Gleichzeitig gingen im gesamten November die Verkäufe der Insider weiter zurück. Entsprechend stieg das Insider-Barometer, das Stotz aus den Transaktionen regelmäßig exklusiv für das Handelsblatt errechnet, um weitere drei Punkte auf 131 Zähler. Damit erreichte es den höchsten Stand seit Oktober vergangenen Jahres.

    Das Insider-Barometer sendet damit ein Kaufsignal für Aktien. Trotzdem sollten sich Anleger auf weitere deutliche Schwankungen an den Börsen einstellen, meint Stotz mit Blick auf die Unwägbarkeiten bezüglich der Pandemie und der Geldpolitik der Notenbanken angesichts steigender Inflationsraten. Es könnte sich aber lohnen, Kursrücksetzer zum Einstieg zu nutzen. Kurz- und mittelfristig orientierte Investoren sollten zudem darüber nachdenken, bei steigenden Kursen Gewinne mitzunehmen.

    Grafik

    Käufe bei gefallenen und Verkäufe bei gestiegenen Kursen gelten als idealtypisch antizyklisches Verhalten von Vorständen und Aufsichtsräten, die ihre Unternehmen besonders gut kennen. Im vergangenen Monat griffen die Insider bei den größten Käufen allesamt bei Aktien zu, die seit dem Sommer deutlich gefallen sind.

    Dennoch sind nicht alle Käufe als antizyklisch zu interpretieren. Beim Onlinemodehändler Zalando gibt es regelmäßig Insiderkäufe über mehrere Millionen Euro. Und der Onlinebroker Flatexdegiro taucht den dritten Monat in Folge auf der Handelsblatt-Liste der größten Insiderkäufe auf.

    LEG Immobilien ist ein interessanter Insiderkauf

    Am auffälligsten auf der aktuellen Kaufliste findet Stotz LEG Immobilien. Aufsichtsratschef Michael Zimmer legte sich Aktien für gut eine Million Euro ins eigene Depot. Die LEG-Aktie ist in den vergangenen zehn Jahren unter dem Strich um mehr als 170 Prozent gestiegen, hat seit dem Sommer aber 14 Prozent verloren. Das liegt vor allem an der Diskussion über Mietpreisbremsen.

    LEG hat den Schwerpunkt bei „bezahlbaren Wohnungen“ in Nordrhein-Westfalen und übernimmt jetzt große Immobilienpakte der angeschlagenen Adler Group. Damit baut die LEG die eigene Marktposition in Norddeutschland aus. Auch ansonsten ist LEG auf Einkaufstour.

    Operativ läuft es wie schon 2020 gut für LEG. Steigende Mieten und gesunkener Leerstand haben den operativen Gewinn (FFO I) in den ersten neun Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 12,6 Prozent auf gut 334 Millionen Euro steigen lassen. Diese Kennzahl ist für Immobilienkonzerne entscheidender als der Nettogewinn.

    Stotz findet die Aktie günstig bewertet und die Dividendenrendite von 3,2 Prozent attraktiv. Auch Analysten mögen die LEG-Aktie. Die meisten Analysten raten zum Kauf der Aktie, Verkaufsempfehlungen gibt es kaum.

    Käufe bei den deutlich gefallenen Aktien von Auto1 und ProSiebenSat.1

    Ähnlich positiv ist die Meinung von Analysten zu den Aktien von Auto1 und ProSiebenSat.1, bei denen es im November ebenfalls große Insiderkäufe gab. Der Gebrauchtwagenhändler Auto1 Group ist erst im Februar zum Ausgabepreis von 38 Euro an die Börse gegangen. Mit 18 Milliarden Euro war es der größte deutsche Börsengang seit anderthalb Jahren – deshalb stieg die Aktie auch rasch in den MDax der größten deutschen Nebenwerte auf.

    Die Kursentwicklung war indes wenig erfreulich. Am Tag des Börsengangs schnellte die Aktie zwar auf 56 Euro nach oben – seither geht es aber mehr oder weniger stetig bergab. Inzwischen kostet die Aktie weniger als 26 Euro.

    Besonders gerechtfertigt ist das nach Ansicht von Analystinnen wie Nizla Naizer von der Deutschen Bank nicht. Auto1 schreibt zwar noch keine Gewinne, hat aber zuletzt das beste Quartal der neunjährigen Firmengeschichte hingelegt.

    Vorstandschef Rainer Beaujean hat ProSiebenSat.1-Aktien gekauft. AFP/Getty Images

    Zentrale von ProSiebenSat.1

    Vorstandschef Rainer Beaujean hat ProSiebenSat.1-Aktien gekauft.

    ProSiebenSat.1 – der fünftgrößte Kauf auf der Insiderliste – erreichte im dritten Quartal dank erholter Werbeerlöse einen Rekordumsatz. Das Management des Fernsehsenders erhöhte die Prognose für den operativen Gewinn für das Gesamtjahr auf 830 Millionen bis 850 Millionen Euro.

    Die ProSiebenSat.1-Aktie war im Sommer auf bis zu 19 Euro gestiegen, ist seither aber wieder auf nur noch gut 13,25 Euro abgerutscht. Von ihrem Allzeithoch von fast 51 Euro vor sechs Jahren ist sie weit entfernt. Analysten rechnen im Schnitt auf Sicht von zwölf Monaten mit einem Kursanstieg auf immerhin wieder mindestens 19 Euro.

    Gewinnmitnahmen bei der Symrise-Aktie

    Bei den größten Verkäufen im November findet Stotz von der Frankfurt School vor allem den Verkauf von Symrise auffällig. Auch Privatanleger sollten laut Stotz darüber nachdenken, ob sie bei der Symrise-Aktie Gewinne mitnehmen. Anfang November hat sich Symrise-Aufsichtsrat Horst-Otto Gerberding von einem Aktienpaket über fast 8,4 Millionen Euro getrennt. Der Kurs des Duft- und Aromenherstellers hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als versechsfacht.

    Im vergangenen September stieg die Aktie in den auf 40 Unternehmen erweiterten Dax auf. Symrise steigert seine Gewinne stetig, aber der Kurs ist schneller gestiegen als die Gewinnerwartung. Das macht die Aktie teuer.

    Aktuell wird sie mit dem 44-Fachen des für das laufende Jahr erwarteten Gewinns bewertet. Anfang des Jahres lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 38. Die Umsatzprognose für das laufende Jahr hat das Symrise Management zuletzt erneut von sieben auf rund neun Prozent angehoben, zu den Gewinnaussichten gab es keine neuen Aussagen. Die meisten Analysten halten das Potenzial der Aktie für weitgehend ausgereizt.

    Die anderen, weitaus kleineren Verkäufe auf der Liste – Siemens, Fresenius und Varta – sollten Anleger laut Stotz nicht überinterpretieren. Die Aktie von Siemens sei nicht überbewertet, die von Fresenius und Varta seien sogar günstig.

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