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28.04.2019

14:55

Insiderbarometer

Topmanager kaufen wieder etwas mehr Aktien der eigenen Firmen

Von: Andrea Cünnen

Für den Markt gibt es ein neues Entspannungszeichen: Manager haben weniger Angst vor einem Rückschlag und setzen auf Papiere der eigenen Unternehmen.

Für die Papiere der Deutsche Wohnen gibt es Kaufempfehlungen von 13 der insgesamt 26 Analysten. dpa

Deutsche Wohnen

Für die Papiere der Deutsche Wohnen gibt es Kaufempfehlungen von 13 der insgesamt 26 Analysten.

Frankfurt So richtig entschieden sind Deutschlands Vorstände und Aufsichtsräte nicht, wenn es um die Aktien der Unternehmen geht, die sie führen oder beaufsichtigen. In den vergangenen beiden Wochen haben die Firmeninsider zwar mehr Aktien gekauft, und auch die Umsätze zogen an.

Gleichzeitig meldeten sie aber auch wieder höhere Verkaufsvolumina an die Finanzaufsicht Bafin. Unter dem Strich wogen indes die Käufe etwas stärker. „Von daher haben sich die Gefahren für den deutschen Aktienmarkt etwas verringert“, erklärt Olaf Stotz, Professor an der Privatuniversität Frankfurt School of Finance & Management.

Stotz beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit den Aktientransaktionen von Führungskräften deutscher börsennotierter Unternehmen. Aus den Käufen und Verkäufen berechnet er gemeinsam mit Commerzbank Wealth Management regelmäßig das Insiderbarometer für das Handelsblatt.

Dieses ist zuletzt leicht auf 147 Punkte gestiegen. Damit liegt es weiter auf sehr hohem Niveau und signalisiert theoretisch ein Kaufsignal für Aktien. Aber: Tendenziell sinkt das Barometer seit einigen Wochen und fiel Ende März erstmals seit sieben Monaten unter die Marke von 150 Zählern. Ein fallendes Barometer signalisiert laut Stotz kurzfristig unabhängig vom Niveau sinkende oder stagnierende Aktienkurse. Der jüngste leichte Anstieg des Indikators zeige immerhin, dass sich die Gefahr etwas verringert habe.

Große Angst vor einem Rückschlag nach der in diesem Jahr beeindruckenden Börsenrally scheinen die Insider jedenfalls nicht zu haben. Das zeigt sich selbst beim größten Aktienverkauf der jüngsten Zeit. Beim Medikamentenverpackungshersteller Gerresheimer trennte sich zwar Finanzvorstand Rainer Beaujean von Aktien über rund 1,2 Millionen Euro.

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Gleichzeitig kaufte der Vorstandschef Dietmar Siemssen aber Aktien für knapp 98.000 Euro. Im März hatten Simssen und Aufsichtsratschef Axel Herberg bereits Gerresheimer-Aktien für zusammen gut 2,2 Millionen Euro erworben. Seither stiegen die Aktien um rund sieben Prozent.

Wiederholte Käufe

Käufe gab es zudem zuletzt bei Zooplus und bei der Deutsche Wohnen. Beide Käufe sind nicht sonderlich groß, tauchten aber im April schon einmal auf den Top-Kauflisten auf. Bei Zooplus, dem größten europäischen Online-Händler für Tierfutter und -zubehör, hat Vorstandschef Claus Patt schon Anfang des Monats Aktien für gut 390.000 Euro gekauft.

Beim der Deutsche Wohnen hatten Finanzvorstand Philipp Grosse und der neu in den Vorstand berufene Lars Urbansky schon Anfang April Aktien für rund 100.000 Euro erworben. Jetzt legte Grosse nach.

Dabei sind laut Stotz die Käufe bei Zooplus als typisch antizyklisch, also gegen den Markttrend, einzustufen. Im vergangenen Jahr hat sich der Aktienkurs des im SDax notierten Unternehmens nahezu halbiert. Im vergangenen Jahr war Zooplus trotz eines Umsatzsprungs von 21 Prozent in die roten Zahlen gerutscht und wies einen Verlust vor Steuern von 2,3 Millionen Euro aus. Grund dafür waren vor allem gestiegene Marketing- und Logistikkosten.

Insiderbarometer: Steigende Aktienverkäufe der Manager deuten auf baldige Kursrückgänge

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Für das laufende Jahr rechnet der Vorstand mit einem Vorsteuergewinn von maximal fünf Millionen Euro, wobei auch ein Verlust von 15 Millionen Euro möglich ist. Analysten sind angesichts dieser Aussichten skeptisch, zumal auch die Umsätze im ersten Quartal mit 13 Prozent weniger deutlich stiegen als erwartet. Nur drei der 14 Analysten, die die Aktie beobachten, raten zum Kauf.

Anders ist das bei der Deutsche Wohnen. Hier gibt es Kaufempfehlungen von der Hälfte der insgesamt 26 Analysten. Die Aktie des Wohnimmobilienkonzerns aus dem MDax notierte Ende März noch auf einem Allzeithoch, seither hat sie knapp zehn Prozent an Wert eingebüßt. Von daher kaufen hier die Insider gegen den Kurzfristtrend.

Grund für den Kursrutsch dürfte die Debatte um zu hohe Mieten und die Enteignung von Wohnungsgesellschaften sein. Fundamental steht die Deutsche Wohnen gut da. 2018 steigerte sie den operativen Gewinn um elf Prozent auf knapp 480 Millionen Euro. Für das laufende Jahr rechnet der Konzern mit einem Gewinnanstieg von zwölf Prozent.

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