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27.10.2017

13:16

Ärzteversorgung Westfalen-Lippe

„Von Rohstoffen und Hedgefonds lassen wir die Finger“

Von: Ingo Narat

Rendite aus der westfälischen Provinz: Das viertgrößte deutsche Versorgungswerk liebt in Niedrigzinszeiten alternative Anlagen, um attraktive Erträge zu erzielen. Dafür ist viel Mut nötig.

Mut ist nötig, um bei Tiefzinsen attraktive Erträge zu erzielen. Magictorch /Ikon Images/F1online

Institutionelles Investment

Mut ist nötig, um bei Tiefzinsen attraktive Erträge zu erzielen.

FrankfurtFahrrad fahren, Kaffee trinken, Eis essen. Gibt es eine deutsche Stadt, in der solche Aktivitäten bereits die spektakulärsten Freizeitaktivitäten beschreiben? Metropolenfans mögen an das westfälische Münster denken. Aber kann man im beschaulichen 300.000-Seelen-Ort auch über zwölf Milliarden Euro an Kapital verwalten, so fernab aller Finanzzentren?

Man kann. Christian Mosel macht genau das. Erst vor kurzem ist er mit Frau und 16-jähriger Tochter von Frankfurt in die neue Heimat gezogen. Hier wirkt der Geldexperte als Hauptgeschäftsführer der Ärzteversorgung Westfalen-Lippe. Mosel und sein Mitstreiter Markus Altenhoff sorgen beim viertgrößten deutschen Versorgungswerk mit ihren Anlageentscheidungen für den Lebensabend der rund 60.000 Einzahler und Rentner vor.

Das sind die zehn erfolgreichsten Stiftungsfonds

10. Platz: Allianz Stiftungsfonds Nachhaltigkeit A

Volumen der Strategie: 225,9 Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 7,01 Prozent

Rendite über drei Jahre: 5,14 Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -2,30 Prozent

Quantitatives Rating: 2

Qualitatives Rating: 2,7

Insgesamt: durchschnittlich

9. Platz: Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen

Volumen der Strategie: 878,7 Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 10,18 Prozent

Rendite über drei Jahre: 11,66Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -5,33 Prozent

Quantitatives Rating: 1

Qualitatives Rating: 3,0

Insgesamt: durchschnittlich

8. Platz: Deka-Stiftungen Balance

Volumen der Strategie: 1.316,2 Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 10,02 Prozent

Rendite über drei Jahre: 5,36 Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -2,83 Prozent

Quantitatives Rating: 2

Qualitatives Rating: 2,0

Insgesamt: durchschnittlich

7. Platz: Sarasin-FairInvest- Universal Fonds

Volumen der Strategie: 261,9 Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 11,15 Prozent

Rendite über drei Jahre: 7,19 Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -1,97 Prozent

Quantitatives Rating: 1

Qualitatives Rating: 2,3

Insgesamt: gut

6. Platz: MEAG FairReturn A

Volumen der Strategie: 469,0 Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 5,26 Prozent

Rendite über drei Jahre: 4,90 Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -2,83 Prozent

Quantitatives Rating: 2

Qualitatives Rating: 1,3

Insgesamt: gut

5. Platz: BKC Treuhand Portfolio I

Volumen der Strategie: 79,5 Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 14,28 Prozent

Rendite über drei Jahre: 6,99 Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -3,39 Prozent

Quantitatives Rating: 2

Qualitatives Rating: 1,0

Insgesamt: gut

4. Platz: FvS-SICAV Stiftung

Volumen der Strategie: 111,9 Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 15,05 Prozent

Rendite über drei Jahre: 7,62 Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -3,46 Prozent

Quantitatives Rating: 1

Qualitatives Rating: 1,7

Insgesamt: sehr gut

3. Platz: LAM-Stifterfonds-Universal

Volumen der Strategie: 119,2Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 11,89 Prozent

Rendite über drei Jahre: 9,06 Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -2,79 Prozent

Quantitatives Rating: 1

Qualitatives Rating: 1,3

Insgesamt: sehr gut

2. Platz: FOS Rendite und Nachhaltigkeit

Volumen der Strategie: 740,1 Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 8,78 Prozent

Rendite über drei Jahre: 6,61 Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -2,29 Prozent

Quantitatives Rating: 1

Qualitatives Rating: 1,3

Insgesamt: sehr gut

1. Platz: Bethmann Stiftungsfonds P

Volumen der Strategie: 244,9 Millionen Euro

Rendite über ein Jahr: 9,94 Prozent

Rendite über drei Jahre: 6,79 Prozent

Maximale Verluste über drei Jahre: -1,82 Prozent

Quantitatives Rating: 1

Qualitatives Rating: 1,3

Insgesamt: sehr gut

„Wir sind sehr auf vier Prozent fixiert“, sagt der 54-Jährige und meint damit die anvisierte jährliche Mindestrendite. Bisher hat das geklappt - vom Krisenjahr 2008 einmal abgesehen. „Auch in diesem Jahr werden wir drüber liegen“, ergänzt der erfahrene Finanzmann, der seit Jahrzehnten im Geldmanagement aktiv ist, zuletzt bei der Bank J. Safra Sarasin und vorher bei der Commerzbank. Er bestimmt jetzt die Leitlinien der Anlagepolitik bei der Ärzteversorgung, beschäftigt 17 Vermögensverwalter für Wertpapiere und sieben für Immobilien. Mut ist nötig, um bei Tiefzinsen attraktive Erträge zu erzielen. In den vergangenen zehn Jahren hat das Versorgungswerk daher die alternativen Anlagen, Infrastrukturinvestments, Immobilien stark ausgeweitet, auch Dollar-Werte zugekauft.

Stiftungen in Not: Wie Wohltäter um Renditen kämpfen

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Stiftungen haben es in der anhaltenden Niedrigzinsphase schwer, aus ihrem Vermögen ausreichend Erträge für ihre Projekte zu ziehen. Auch Fondsprofis helfen nicht immer weiter.

„Um die Jahrtausendwende hatten wir vielleicht zwei Drittel des Geldes in Zinspapieren, das war damals das Brot-und-Butter-Geschäft“, erinnert sich Mosel. Der gebürtige Göttinger sinniert über die vielzitierte gute, alte Zeit. Ihm kommt das Wort Frühstücksdirektor in den Sinn. Damit waren Entscheidungsträger gemeint, die bei der Anlagepolitik kaum gefordert waren, denn hohe Zinsen spielten die nötigen Renditen praktisch automatisch ins Haus.

Noch vor zehn Jahren steckte mehr als ein Viertel des Kapitals in Bundesanleihen und Pfandbriefen. „Diese Bestände gehen heute in Richtung null“, sagt Mosel. Zwar entfällt über ein Drittel des Geldes auf den Anleihebereich. Aber dahinter stecken andere Investments als früher. Es sind fast durchweg Namensschuldverschreibungen zur Finanzierung von Infrastrukturprojekten. „Wir reden über Flugzeuge, Schiffe, Stromleitungen, Windkraftanlagen.“

Das sind komplexe Anlagen mit langen Bindungszeiten. Auf dieser Liste stehen auch größere Bestände an Private Equity, also außerbörsliche Beteiligungen. „Wir haben solche Dinge früh vorangetrieben“, unterstreicht er. Der Experte nennt Beispiele auch von Nischenmärkten: Parkhäuser, Pflegeheime und sogar Kavernen, also die Finanzierung unterirdischer Lager für Gas und Öl. Was Mosel zu der Bemerkung veranlasst: „Wir sind über und unter Tage aktiv.“

Wenn der Stratege ein Vorbild hat, dann sind es die Investment-Fachleute von den Stiftungen der US-Unis Harvard und Yale. Die stellten bei ihren Investments schon vor langer Zeit die Weichen in Richtung alternativer Anlagen. Allerdings ziehen die Münsteraner ihre Grenzen. „Von Rohstoffen und Hedgefonds lassen wir die Finger, das ist eine Grundsatzentscheidung“, sagt Mosel.

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