Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

17.04.2019

04:00

Investmentbanking

2019 soll für Private Equity ein Rekordjahr werden

Von: Robert Landgraf, Peter Köhler

Experten erwarten, auch dank des Brexits, in diesem Jahr eine Übernahmewelle in Deutschland. Damit könnte das Rekordjahr 2018 getoppt werden.

Das Anzeigenportal steht vor der erneuten Übernahme durch Finanzinvestoren – ein dicker Deal, der zum Rekordjahr beitragen könnte. dpa

Scout24

Das Anzeigenportal steht vor der erneuten Übernahme durch Finanzinvestoren – ein dicker Deal, der zum Rekordjahr beitragen könnte.

Frankfurt Seit der Finanzkrise ging es für die Beteiligungsbranche immer nur in eine Richtung: nach oben. Das Jahr 2018 aber war selbst für erfolgsverwöhnte Finanzinvestoren ein geradezu goldenes: Befeuert von der Niedrigzinspolitik der Notenbanken, wuchsen ihre Fonds in neue Dimensionen. Bereitwillig steckten Pensionskassen, Versorgungswerke und Versicherungen immer größere Summen in die außerbörslichen Geldtöpfe.

Mittlerweile verwalten 3926 Fonds weltweit den Rekordwert von 3,921 Billionen Dollar, wie das Analysehaus Preqin errechnet hat. Das nicht investierte Kapital lag im März bei 1,26 Billionen Dollar. Zum Vergleich: Der Haushalt der Bundesrepublik betrug rund 344 Milliarden Euro.

Und die große Party scheint noch nicht zu Ende. Zumindest für Deutschland erwarten vom Handelsblatt befragte Investmentbanker und Anwälte, dass der Markt für Private-Equity-Übernahmen in diesem Jahr auf einen neuen Rekord zusteuert.

„Ein Anteil von 30 Prozent aller Fusionen und Übernahmen, auch M&A genannt, im laufenden Jahr erscheint realistisch“, prognostiziert Matthias Horbach, Partner bei der internationalen Kanzlei Skadden, Arps, Slate, Meagher & Flom. Normalerweise beläuft sich der Anteil auf höchstens ein Fünftel des M&A-Volumens. Doch die leicht gesunkenen Bewertungen sowie die wegen des Brexits geringere Attraktivität des britischen Marktes treibt die Investoren verstärkt nach Deutschland.

Das dafür notwendig Kapital ist mehr als genug vorhanden. Getrieben vom Anlagenotstand und auf der Suche nach Profit, stürzen sich institutionelle Investoren auf die Beteiligungsfonds. Nur mit Erträgen von deutlich über zehn Prozent können die Großanleger ihre Renditeversprechen halten.

Grafik

Und die liefert Private Equity: Weltweit konnten diese Fonds im Schnitt den Wert ihres außerbörslich investierten Kapitals 2018 um fast die Hälfte steigern. Damit steht Private Equity etwa auf dem Niveau des Vorjahres, hat der Anbieter alternativer Investmenttechnologie eFront ausgerechnet.

Historisch gesehen hat diese Anlageklasse alle öffentlichen Märkte wie Aktien oder Anleihen regelmäßig bei den Renditen geschlagen, selbst in Zeiten von Finanzkrisen, hat das Analysehaus Preqin ermittelt. Das macht die Anlageklasse attraktiv und ist die Basis für den derzeitigen Rekordkurs. Unabhängig von den erzielten Erträgen „bieten Investments in Private Equity eine Diversifikation bei der Anlage und die Möglichkeit, sich gegen Inflation abzusichern“, erklärt Christopher Elvin von Preqin.

Nach einer Umfrage von Preqin wollen 69 Prozent der befragten Investoren im laufenden Jahr weiteres Geld in Beteiligungsfonds stecken. Gefragt sind Investments in Fonds von Topadressen wie Blackstone, Apollo und KKR, die über Jahre mit ihren Managern stabile, renditestarke Ergebnisse geliefert haben.

Deutschland profitiert vom Brexit

Angesichts der hohen Renditen wundert es nicht, dass die Branche seit der Finanzkrise beim Geldeinsammeln einen Rekord nach dem anderen aufgestellt hat. Und der Boom geht weiter: In diesen Tagen hat der Finanzinvestor Blackstone mehr als 22 Milliarden Dollar für seinen jüngsten Übernahmefonds eingesammelt.

Damit rückt die US-Beteiligungsgesellschaft in die Nähe des von Apollo Global Management aufgestellten Branchenrekords von 24,7 Milliarden Dollar. Unter der Annahme, dass sich die von den Investoren kassierte Managementgebühr auf marktübliche 1,5 Prozent beläuft, hat Blackstone jährliche Einnahmen über 330 Millionen Dollar sicher.

Bei den Großanlegern erfreuen sich aber nicht nur die globalen Megafonds, sondern auch außerbörsliche Beteiligungen in Europa großer Beliebtheit, wie die Untersuchung von Preqin ergeben hat. Das gilt insbesondere für Kontinentaleuropa.

Jan-Caspar Hoffmann im Interview: „Zweistellige Milliardendeals erscheinen möglich“ – Investmentbanker zum Thema Private Equity

Jan-Caspar Hoffmann im Interview

„Zweistellige Milliardendeals erscheinen möglich“ – Investmentbanker zum Thema Private Equity

Der Investmentbanker Hoffmann hat viele Deals von Finanzinvestoren begleitet. Er sieht kein Ende des Booms bei außerbörslichen Beteiligungen.

Denn: „Angesichts des drohenden, ungeordneten Brexits werden Investitionen von Private Equity in Großbritannien derzeit zurückgehalten“, sagt Anwalt Horbach. Deutschland profitiert nach seinen Worten ganz besonders davon, dass ein Land an Attraktivität verloren hat, in das Beteiligungshäuser traditionell stark investiert haben. „Anlagesummen aus Fonds werden teilweise nach Deutschland umgeschichtet.“

Bei den Firmenkäufen in Deutschland steuert Private Equity daher auf einen neuen Rekord zu. Schlechte Erfahrungen wie im Fall des Arzneimittelherstellers Stada, der nach einem heftigen Übernahmegerangel mit dem Hedgefonds Elliott von den beiden Private-Equity-Gesellschaften Bain und Cinven übernommen wurde, rücken inzwischen wieder in den Hintergrund.

Experten rechnen mit zahlreichen Großkäufen: Neben milliardenschweren Deals wie dem kurz vor der Übernahme stehenden Anzeigenportal Scout 24 und möglicherweise dem Leuchtmittelkonzern Osram dürfte es weitere börsennotierte Unternehmen geben, die von Finanzinvestoren gekauft und danach von der Börse genommen werden.

Als mögliche Übernahmekandidaten zählen in Finanzkreisen der Industriedienstleister Bilfinger, der Maschinenbauer Gea und der Spezialverpackungshersteller Gerresheimer. Auch das Medienunternehmen Pro Sieben Sat 1 wird von Investmentbankern genannt.

Nachfrage groß, Preise hoch

Bereits jetzt kontrollieren die Finanzinvestoren, zu denen in der Öffentlichkeit wenig bekannte Unternehmen wie EQT, BC Partners und CVC zählen, einen großen Teil der deutschen mittelständischen Wirtschaft. Sie sind an über 5000 Unternehmen beteiligt, die gut eine Million Mitarbeiter beschäftigen und insgesamt 194 Milliarden Euro umsetzen, hat der Branchenverband BVK ausgerechnet.

Während strategische Käufer wie Industrieunternehmen im schwierigen Konjunktur- und Marktumfeld vorsichtig geworden sind, gilt das für die Beteiligungshäuser nicht. Zwar liegen „die Preisvorstellungen von Käufer und Verkäufer gerade in zyklischen Branchen derzeit weit auseinander“, urteilt Rainer Langel, Europachef der Investmentbank Macquarie.

Beteiligungsbranche boomt: Private-Equity-Manager – die wahren Großverdiener der Finanzbranche

Beteiligungsbranche boomt

Private-Equity-Manager – die wahren Großverdiener der Finanzbranche

Beteiligungsgesellschaften legen immer größere Milliardenfonds auf. Dank des steilen Aufstiegs sind viele ihrer Manager mittlerweile besser bezahlt als Investmentbanker.

Doch aus seiner Erfahrung erscheinen gerade zyklische Branchen wie Autozulieferer, der Maschinen- und Anlagenbau und die Chemie attraktiv, wenn beim letzten Preisabschwung übertrieben wurde. Anders sieht es in stabilen Branchen wie beispielsweise dem Gesundheitsbereich, Technologie und Infrastruktur aus. „Hier läuft es angesichts des Zinsumfeldes weiterhin gut“, erklärt Langel. Die Preise bei Übernahmen sind hoch, das Interesse ist groß und die Finanzierung kein Problem.

Dass hier weiter attraktive Preise erzielt werden, lässt sich am Beispiel der Onlineplattform Scout 24 ablesen, die die Private-Equity-Häuser Hellman & Friedman sowie Blackstone übernehmen wollen. Kommt der Deal zustande, wäre er mit 5,7 Milliarden Euro die bislang größte Übernahme eines börsennotierten Unternehmens in Deutschland durch Private Equity.

An weiteren Übernahmezielen fehlt es derzeit nicht. Dazu zählt die Bauchemiesparte von BASF, die rund drei Milliarden Euro wert sein soll. Die Deutsche Bahn plant den Verkauf ihrer Auslandstochter Arriva, hier geht es um geschätzte vier Milliarden Euro. Und der Agrarchemiekonzern Bayer will sich vom Bereich Tiergesundheit trennen.

Hier ist ein möglicher Kaufpreis von sechs bis sieben Milliarden Euro im Gespräch. Doch auch „zweistellige Milliardenbeträge sind angesichts der aktuellen Situation bei Übernahmen problemlos zu stemmen“, meint Anwalt Horbach. Damit rücken auch ganze Dax-Konzerne wieder in die Reichweite der ebenso dealhungrigen wie kapitalkräftigen Beteiligungsfonds.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×