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07.01.2019

12:00

Ifo-Beraterklima

Berater blicken trotz Rezessionsszenarien positiv auf 2019

Von: Heike Anger, Axel Schrinner

Das Ifo-Beraterklima notiert auf dem höchsten Dezember-Wert seit acht Jahren. Daran ändern auch Rezessionsszenarien an den Börsen nichts.

Der Auftragsbestand bei den Beratungs-Unternehmen ist in Deutschland außergewöhnlich hoch. picture alliance / Ikon Images/Y

Berater im Aufwind

Der Auftragsbestand bei den Beratungs-Unternehmen ist in Deutschland außergewöhnlich hoch.

Berlin, DüsseldorfDie Beraterbranche blickt so zuversichtlich in das neue Jahr wie seit dem Boomjahr 2010 nicht. Das vom Münchner Ifo-Institut für das Handelsblatt berechnete Beraterklima notiert auf dem höchsten Dezember-Wert seit acht Jahren.

„Der Bereich Rechts- und Steuerberatung sowie Wirtschaftsprüfung befindet sich weiter in der Komfortzone“, sagt Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Mehr als die Hälfte der Berater konnte zuletzt ihren Umsatz zum Vorjahr steigern. Lediglich acht Prozent verzeichneten Umsatzrückgänge. „Der Ausblick auf das kommende halbe Jahr ist positiv.“ Geopolitische Unsicherheiten, wie etwa der Brexit oder die Protektionismus-Debatte, hätten im Moment offenbar keine Nachteile für die Branche.

„Unsichere Zeiten haben für die Anwaltschaft nicht nur negative Auswirkungen, denn sie bedeuten oft, dass auch besonderer Bedarf für anwaltliche Expertise besteht“, sagt Philipp Wendt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Anwaltvereins (DAV). Auch die Wirtschaftsprüfer sehen sich eher als Profiteure.

„Brexit, Handelskriege, der zunehmende Populismus und die nicht absehbaren Folgen der Digitalisierung führen zu einer immer größer werdenden Unsicherheit in der Wirtschaft“, betont Melanie Sack, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Instituts der Wirtschaftsprüfer (IDW). „Vertrauensbildende Maßnahmen sind daher gefragt.“

Der zunehmende Bedarf an Sicherheit mache sich in einer verstärkten Nachfrage nach „Assurance-Leistungen“ bemerkbar. Das sind etwa Prüfungen des Risikomanagements oder von Compliance-Systemen sowie Softwareprüfungen. Tatsächlich waren die großen deutschen Prüfgesellschaften PwC, EY, KPMG und Deloitte zuletzt stärker gewachsen als die Gesamtwirtschaft. Für das neue Jahr zeigten sich die „Big Four“ trotz möglicher Konjunkturabkühlung optimistisch.

Das Ifo-Beraterklima basiert auf einer repräsentativen Unternehmensbefragung. Es ist eine Sonderauswertung des Ifo-Geschäftsklimas, des wichtigsten Frühindikators für die Konjunktur in Deutschland. Während die Stimmung in der Gesamtwirtschaft seit dem Jahresstart 2018 im Trend auf Talfahrt ist und an den Börsen Rezessionsszenarien durchgespielt werden, notiert das saisonbereinigte Beraterklima im zweiten Halbjahr deutlich höher als zum Jahresauftakt. Die saisonbereinigten Geschäftserwartungen erreichten im Dezember sogar ein 58-Monats-Hoch. Die Umsatzerwartungen waren sogar so gut wie seit dem Herbst 2007 nicht mehr.

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Die Wettbewerbsbehörde empfiehlt eine operative Trennung von Beratung und Prüfung. Das soll kleinere Konkurrenten der „Big Four“ fördern.

„De facto kaum ein Berater-Unternehmen erwartet Umsatzrückgänge“, bestätigt Wohlrabe. Der Auftragsbestand ist außergewöhnlich hoch: Die letzten vier Monate des Jahres 2018 zählten zu den fünf besten Monaten seit Beginn der Datenerhebung Anfang 2005. Aufgrund der sehr guten Lage plante mehr als ein Viertel der Unternehmen, neue Mitarbeiter einzustellen. Ein Drittel der befragten Firmen möchte die Preise erhöhen.

Allerdings sieht die Branche den rechtlichen Zusammenhalt in Europa unter Druck. „Populistische Attacken gegen die Justiz und Anwaltschaft in einer Reihe von europäischen Ländern verfolgen wir mit großer Sorge“, sagte DAV-Chef Wendt. Es müsse gegenseitiges Vertrauen in das Funktionieren der nationalen Rechtssysteme herrschen. In Hinblick auf die im Mai anstehenden Europawahlen sei darum das Thema Rechtsstaatlichkeit von großer Bedeutung.

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