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11.02.2019

13:36

Konjunktur

„Project Fear“ trifft britische Wirtschaft – Brexit-Angst lähmt Wachstum

Von: Kerstin Leitel

Im vierten Quartal fällt das britische BIP geringer aus als erwartet. Mit Verzögerung bewahrheiten sich nun doch noch düstere Brexit-Prognosen.

Brexit-Angst lässt Großbritanniens Wirtschaftswachstum sinken dpa

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Die Wirtschaftsleistung in Großbritannien ist leicht zurückgegangen.

LondonVor dem EU-Referendum der Briten über den Brexit wurde auf der Insel über „Project Fear“ gestritten: Würde ein Austritt Großbritanniens tatsächlich, wie viele Volkswirte warnten, zu einem Einbruch der britischen Wirtschaft führen? Zum Verlust von tausenden Arbeitsplätzen? Oder würden neue Handelsabkommen mit Ländern fernab des europäischen Kontinents viel bessere Geschäfte ermöglichen?

Nach den aktuell veröffentlichen Zahlen zum Wirtschaftswachstum Großbritanniens 2018 ist klar: „Project Fear“, so der Rufname der düsteren Prognosen, ist eingetreten – wenngleich mit Verspätung.

Im vergangenen Jahr, das zeigten die aktuellen Schätzungen der britischen Statistikbehörde ONS, verlor die Wirtschaft Großbritanniens deutlich an Schwung. Dabei macht sich in den Zahlen sogar noch bemerkbar, dass einige Unternehmen Lagerbestände aufstocken, um mögliche Lieferengpässe nach dem EU-Austritt im März auszugleichen und einige Briten sich ein paar mehr Konservendosen ins Vorratsregal stellen.

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs 2018 annualisiert um 1,4 Prozent – ein so geringes Plus wie seit der Finanzkrise nicht mehr. Im vierten Quartal lag das Wachstum gerade noch bei 0,2 Prozent, nachdem im Sommer immerhin noch ein Plus von 0,6 Prozent erreicht worden war.

Im Dezember rutschte Großbritannien endgültig ins Minus: Die Wirtschaftsleistung sank um 0,4 Prozent. Allein der Dienstleistungssektor verbuchte im vierten Quartal einen Aufschwung, die Auto-, die Stahl- und die Baubranche fuhren ihre Produktion deutlich zurück.

Wer in den vergangenen Wochen und Monaten die Nachrichten aus Großbritannien verfolgte und keine ideologisch bedingte rosarote Brille aufhat, wird von diesen Zahlen nicht überrascht sein. Zwar hatte die viel zitierte Prognose, dass die Wirtschaft in den 18 Monaten nach dem EU-Referendum um 2,1 Prozent einbrechen würde, zunächst nicht zugetroffen.

Denn diejenigen, die vor dem Wirtschaftseinbruch warnten, hatten die unmittelbaren Effekte des „Leave“-Votums auf den Wechselkurs unterschätzt. Dass das britische Pfund so deutlich abwertete, hat lange dazu geführt, dass die schlimmsten Prophezeiungen nicht Realität wurden. Im Gegenteil: Das schwache Pfund trieb die Exporte in die Höhe. Aber jetzt ist „Project Fear“ eingetreten, und zwar mit voller Wucht.

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Seit Wochen sorgen die Gefahren des Brexits für Schlagzeilen auf der Insel: Die nach wie vor herrschende Unsicherheit, zu welchen Konditionen die Unternehmen nach dem EU-Austritt im März mit ihren Kunden und Zulieferern in anderen Ländern handeln sollen, führt dazu, dass der japanische Automobilhersteller Nissan ein neues Automodell doch lieber in Japan herstellen lässt. Dass der niederländische Elektronikkonzern Philips die Produktion von Babyfläschchen auf den europäischen Kontinent abzieht. Dass der Luftfahrtkonzern Airbus warnt, die Tragflächen für seine Flugzeuge künftig nicht mehr in Großbritannien zusammenzubauen.

Das britische Statistikamt untermauert diese Nachrichten mit Daten: Demnach sanken die Investitionen der Unternehmen im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,7 Prozent, so stark wie seit Anfang des Jahrzehnts nicht mehr. Es ist das vierte Quartal in Folge, in dem die Unternehmen lieber kein Geld in Maschinen und Gebäude investieren.

Natürlich liegt das nicht allein an der Unsicherheit rund um den Brexit. Auch das langsamere Wachstum auf dem europäischen Kontinent und in China sowie der Handelskonflikt zwischen den USA und China hinterlassen Spuren.

Die Volkswirte sind bei ihren Prognosen nicht nur für Großbritannien, sondern auch für die Weltwirtschaft skeptischer geworden. Aber die Tatsache, dass der Brexit schlecht für die britische Wirtschaft ist, lässt sich nicht mehr leugnen. Ganz gleich, wie rosarot die Brille mancher Briten ist.

Kommentare (1)

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Frau Edelgard Kah

11.02.2019, 14:29 Uhr

Sehr geehrte Frau Leitel,

auch wenn Sie vielleicht wenig Zeit haben, lesen Sie doch einmal eine einzige Ausgabe Ihres Blattes. Ich entdecke jeden Tag ein halbes Dutzend Artikel, wonach die Konjuktur in allen Kontinenten schwächelt.

In diesem Gesamtbild fällt Großbrittanien überhaupt nicht auf und aus dem Rahmen. Dass der Brexit in großem Rahmen schon vorweg seine Schatten vorauswirft, ist ein Märchen. Dazu sind die Schatten schlicht zu klein.

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