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15.07.2019

09:22

Konjunktur

Wie sich Pekings Impulse bemerkbar machen

Von: Sha Hua

China leidet unter dem anhaltenden Handelsstreit: Das BIP hat im zweiten Quartal nur um 6,2 Prozent zugelegt. Doch andere Zahlen wie Einzelhandel und Industrieproduktion sind stark.

Das BIP schwächelt zwar so stark wie seit mindestens 27 Jahren nicht mehr, aber bei der Industrieproduktion und im Einzelhandel steht ein sattes Plus. AP

Ein Arbeiter in China

Das BIP schwächelt zwar so stark wie seit mindestens 27 Jahren nicht mehr, aber bei der Industrieproduktion und im Einzelhandel steht ein sattes Plus.

Peking Der anhaltende Handelsstreit mit den USA setzt China zu. Im zweiten Jahresquartal ist die Nachfrage nach chinesischen Produkten im In- und Ausland ins Stocken geraten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) legte von April bis Juni um 6,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zu, wie das chinesische Statistikamt an diesem Montag bekanntgab. Damit verzeichnet die Volksrepublik das langsamste Tempo seit mindestens 27 Jahren, als China seine Wirtschaftsdaten zum ersten Mal öffentlich vorstellte.

Der Rückgang kommt allerdings wenig überraschend: Analysten, vorab von den Nachrichtenagenturen Reuters und Bloomberg befragt, hatten bereits im Vorfeld genau diesen Wert prognostiziert.

Die Finanz- und Wirtschaftswelt analysiert derweil aufmerksam den Zustand der zweitgrößten Volkswirtschaft der Welt. „Noch hat China Spielraum, um dafür zu sorgen, dass sich die Wirtschaft nicht zu schnell abkühlt“, sagt Colin Graham, Leiter für Investitionen bei der Vermögensverwaltungsgeschäft Eastspring Investments.

Deshalb geht er davon aus, dass die chinesische Zentralbank noch weitere Anreize für das Wachstum beschließen wird. Für das Gesamtjahr geht er von einem BIP-Wachstum von 6,2 bis 6,3 Prozent aus.

Im Laufe des Jahres hatte Peking bereits Impulse gesetzt, um die Konjunktur zu stimulieren. So kündigte die Regierung massive Steuersenkungen im Wert von umgerechnet 400 Milliarden US-Dollar und eine Emissionsquote für Spezialanleihen im Wert von 310 Millionen US-Dollar an, durch die die lokale Regierungen den Infrastrukturbau vorantreiben sollen.

Der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang sagte jüngst zudem, dass die Regierung bereit sei, die Mindestreservesätze weiter zu kürzen und andere Finanzierungsinstrumente nutzen zu wollen. Den Mindestreservesatz müssen Banken bei der Zentralbank als Sicherheit hinterlegen. Durch einen geringeren Satz sollen Milliardenbeträge frei werden, die die Geldhäuser an Unternehmen weitergeben und so die Konjunktur anschieben können. Das soll vor allem kleinen und mittelständischen Privatunternehmen helfen.

Gleichzeitig wiederholte er sein Versprechen, keine „flutähnlichen“ Anreize setzen zu wollen wie beispielweise nach der Krise von 2008/09, als China sehr viele Infrastrukturprojekte durch billige Kredite von Banken an Lokalregierungen angeschoben. Seit 2018 hat die chinesische Zentralbank die Mindestreservesätze bereits sechs Mal nach unten gesetzt.

Einzelhandel boomt

Während die BIP-Zahlen schwächeln, übertreffen aber andere Daten die Prognosen der Analysten: Die Einzelhandelsumsätze stiegen um 9,8 Prozent im Juni. Das ist eine deutliche Verbesserung gegenüber den April-Werten von 7,2 Prozent. Damals verzeichnete China in diesem Bereich noch das niedrigste Wachstum seit 16 Jahren.

Auch die Industrieproduktion, die sowohl das verarbeitende Gewerbe, den Bergbau als auch die Versorgungsunternehmen mit einschließt, stieg im Juni im Vorjahresvergleich um 6,3 Prozent. Ökonomen waren von einem Anstieg von 5,2 Prozent ausgegangen, nachdem die Mai-Zahlen nur bei fünf Prozent lagen.

Auch die Investitionen in Sachanlagen wie Immobilien, Infrastruktur und Maschinen, legten im ersten Halbjahr um 5,8 Prozent zu. Beobachter gehen daher davon aus, dass sich Pekings Bemühungen allmählich positiv bemerkbar machen.

Die chinesische Regierung befinde sich derzeit in einem Dilemma, sagt Ben Jarman, Ökonom bei der US-Bank JP Morgan Chase. Auf der einen Seite will Peking die Nachfrage stärken und Anreize setzen, dass mehr Geld in die Infrastruktur fließt, auf der anderen Seite aber eine Immobilienblase vermeiden.

Die „unerwartet starken Zahlen“ hätten in Peking den Druck verringert, in kürzester Zeit noch mehr Schritte unternehmen zu müssen, um die Wirtschaft vor einer Rezession zu bewahren.

Die Märkte in Asien reagierten auf Chinas Wirtschaftszahlen positiv. Der Hang Seng legte zum Mittag um 0,22 Prozent zu, der Shanghai Composite stieg um 0,76 Prozent und der Shenzhen CSI 300 verzeichnete sogar ein Plus von 0,87 Prozent.

Mehr: Chinas Außenhandel leidet unter dem Handelskonflikt mit den USA. Die chinesischen Importe aus den Vereinigten Staaten verbuchten ein kräftiges Minus.

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