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13.09.2018

15:30

Konjunkturprognose

Wachstum ja, aber schwächer – Warum der Wirtschaftsaufschwung in Deutschland abflaut

Von: Axel Schrinner, Dennis Huchzermeier, Bernhard Köster

Der Aufschwung in Deutschland schwächt sich wieder ab. Ein Ende ist dennoch nicht in Sicht. Die Binnenkonjunktur entwickelt sich weiterhin robust.

Der private Konsum wird dieses Jahr real um 1,5 Prozent und 2019 um 1,4 Prozent zulegen. dpa

Konsum

Der private Konsum wird dieses Jahr real um 1,5 Prozent und 2019 um 1,4 Prozent zulegen.

DüsseldorfSeit vier Jahren ist nicht mehr der Außenhandel der wichtigste Wachstumstreiber der deutschen Volkswirtschaft, sondern der Konsum. Und das wird nach der neuen Konjunkturprognose des Handelsblatt Research Institute (HRI) auch in nächster Zeit so bleiben.

Ein weit verbreiteter Glaube: Der Arbeitsmarkt wird weiter gut laufen und die Beschäftigung weiter steigen, allerdings verhaltener als in den vergangenen Jahren. Nicht zuletzt aufgrund des Fachkräftemangels in Teilen der Wirtschaft und der in einigen Regionen erreichten Vollbeschäftigung ziehen die Löhne allmählich spürbar an. Das stärkt den privaten Konsum.

Hinzu kommt der Staat, der einerseits seine Ausgaben hochfährt und zum anderen in 2019 viele Bürger entlastet. Insgesamt gibt die Fiskalpolitik 2019 der deutschen Volkswirtschaft einen Schub von etwa 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Ungeachtet dessen gehen wir davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in 2019 merklich auf 1,4 Prozent abschwächen und damit 0,5 Punkte hinter dem Zuwachs in diesem Jahr zurückbleiben dürfte.

„Die sehr leistungsfähige und deshalb traditionell exportstarke deutsche Industrie leidet unter den handelspolitischen Unsicherheiten, die vom Brexit, den erratischen Äußerungen des US-Präsidenten Donald Trump sowie der Zollspirale zwischen den USA und China ausgelöst werden“, sagte HRI-Präsident Bert Rürup. „Gleichzeitig wachsen die Importe wegen der starken Binnenkonjunktur deutlich stärker als die Exporte.“

Dies hat zur Folge, dass vom Außenhandel negative Wachstumsbeiträge ausgehen werden. Das Wachstum wird daher gedrückt, dieses Jahr um 0,2 und kommendes Jahr um 0,4 Punkte. Folglich sinkt der nicht nur von Trump kritisierte Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands.

Grafik

Nach knapp acht Prozent im Verhältnis zum BIP im Jahr 2017 wird dieser Überschuss in 2019 auf unter sieben Prozent sinken. Dies entspricht einem Abbau von rund zwanzig Milliarden Euro – immerhin dem Gegenwert von einer Million VW Golfs. Damit nähert sich Deutschland dem in der EU vereinbarten oberen Schwellenwert von sechs Prozent an.

Konsum und Investitionen werden 2018 steigen

Ungeachtet der etwas schwächeren gesamtwirtschaftlichen Dynamik entwickelt sich die Binnenkonjunktur weiterhin robust. Der private Konsum wird dieses Jahr real um 1,5 Prozent und 2019 um 1,4 Prozent zulegen. Auch die Investitionen steigen, dieses Jahr um beachtliche 3,4 Prozent und 2019 dann um weitere 2,3 Prozent. Für den Bau erwarten wir ab kommendem Jahr keine nennenswerten Zuwächse mehr; dazu fehlen freie Kapazitäten und insbesondere Fachkräfte.

Da aber die öffentliche Hand immer stärker als Bauherr in Erscheinung tritt, dürften hier die Preise weiter steigen. Der Staat profitiert über günstige Refinanzierungsmöglichkeiten weiterhin von den niedrigen Zinsen. Weil die Steuereinnahmen stets etwas stärker als die Wirtschaftsleistung steigen, ist der Fiskus zudem Gewinner der 2019 auf 2,2 Prozent anziehenden Inflation.

Trotz wachsender Ausgaben und Steuerentlastungen wird der Staat daher auch 2019 noch einen deutlichen Haushaltsüberschuss erwirtschaften und kann weiter Schulden tilgen. Der Schuldenstand wird dann erstmals seit 2002 wieder unter die im Maastricht-Vertrag vorgesehene Marke von 60 Prozent des BIP sinken.

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Die deutsche Wirtschaft wird kommendes Jahr bereits zum zehnten Mal in Folge wachsen. Weil aber kein Aufschwung ewig währt, sollte sich die Regierung für einen Abschwung noch in dieser Legislatur wappnen. Es gilt, das Investitionsklima zu verbessern. Das deutsche Unternehmenssteuerrecht stammt im Wesentlichen aus den Anfängen dieses Jahrhunderts, als der damalige Finanzminister Hans Eichel (SPD) die Körperschaftsteuer modernisierte.

Dieses System wurde 2008 um die Abgeltungsteuer erweitert. Seitdem werden thesaurierte Gewinne von Kapitalgesellschaften mit rund 30 Prozent, ausgeschüttete mit fast 50 Prozent belastet.

Da eine ganze Reihe von Industriestaaten in jüngster Zeit ihre Körperschaftsteuern gesenkt haben, ist Deutschland mittlerweile zu einem Hochsteuerland für Unternehmen geworden. Eine Unternehmensteuerreform, die den Standort Deutschland für internationale Investoren attraktiv macht, würde die Wachstumskräfte der Volkswirtschaft stärken.

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