Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

24.05.2022

10:05

Leitzins

Bundesbank-Präsident Nagel: Nach erster Zinserhöhung können weitere Schritte folgen

Nach einer ersten Erhöhung im Juli sind laut Bundesbank-Präsident Joachim Nagel zeitnah weitere Zinsanhebungen denkbar. Auch EZB-Mitglied Visco hält einen ersten Schritt im Juli für möglich.

Jetzt gelte es, die Inflation zu bekämpfen, sagt der Bundesbankchef. Bloomberg

Nagel mit EZB-Chefin Lagarde beim G7-Finanzministertreffen

Jetzt gelte es, die Inflation zu bekämpfen, sagt der Bundesbankchef.

Königswinter Nach einer ersten Zinsanhebung im Euro-Raum könnten aus Sicht von Bundesbank-Präsident Joachim Nagel schnell weitere Erhöhungen folgen. Ein erster Zinsschritt nach oben könne bereits im Juli vorgenommen werden, sagte er am Freitag zum Abschluss des G7-Treffens der Finanzminister und Notenbankchefs auf dem Petersberg bei Bonn. „Und weitere Zinsschritte könnten dann zeitnah folgen“, führte er aus.

Bundesfinanzminister Christian Lindner sagte zu den Äußerungen: „Ich begrüße, dass ein Zinsschritt angekündigt ist und dass hier formuliert worden ist, dass in rascher Folge weitere sich anschließen werden.“ Letztmalig hatte die Europäische Zentralbank (EZB) im Jahr 2011 die Zinsen für den Euro-Raum angehoben.

Ende der Negativzinsen in diesem Jahr möglich

Die Inflation in der Euro-Zone lag im April bei 7,4 Prozent. Das ist mehr als dreimal so viel wie die zwei Prozent Teuerung, die die Notenbank als optimalen Wert für die Wirtschaft im Währungsraum anstrebt. Entsprechend hat der Druck auf die EZB zugenommen. Die meisten Volkswirte gehen inzwischen davon aus, dass die Notenbank im Juli geldpolitisch die Zügel anzieht und noch dieses Jahr die Ära der Negativzinsen beendet.

Für die Wachstumsperspektiven sei eine Grundvoraussetzung, dass die Inflationserwartungen stabilisiert würden, sagte Nagel. „Ich bin der Auffassung, dass das gelingen kann.“ Dafür seien jetzt Maßnahmen notwendig.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot hatte in den vergangenen Tagen eine kräftige Anhebung um einen halben Prozentpunkt ins Spiel gebracht. Gefragt nach einer möglichen Zinsanhebung um 50 Basispunkte, sagte Nagel: „Es ist wichtig in einer solchen Situation, den ganzen Prozess mit einer Zinsanhebung zu beginnen, das ist von größter Bedeutung für mich.“ Der Rest werde bei der nächsten EZB-Ratssitzung besprochen.

    Joachim Nagel: Negativzinsen sind Sache der Vergangenheit

    Auch EZB-Ratsmitglied Ignazio Visco stellte am Freitag eine erste Zinserhöhung im Juli in Aussicht. „Wir können schrittweise vorgehen und die Zinssätze in den kommenden Monaten anheben“, sagte Visco in einem Interview mit Bloomberg Television. Der Juni sei zu früh, da die EZB dann erst die Nettoanleihekäufe beenden werde, aber: „Wir werden uns danach bewegen – das heißt vielleicht im Juli“, sagte der Chef der italienischen Zentralbank. Er gilt als Taube, also als Vertreter einer expansiven Geldpolitik.

    Zum Einlagensatz, der seit 2014 unter null liegt, sagte Visco: „Heute denke ich, dass wir uns aus diesem negativen Bereich herausbewegen können.“ Schrittweise bedeute, dass man verstehen müsse, „dass wir uns bewegen sollten, ohne Unsicherheit auf den Märkten zu schaffen“. Der Ausstieg könnte gradueller verlaufen, als manche heute denken, fügte Visco hinzu.

    Bundesbank-Präsident Nagel bekräftigte: „Fest steht, dass Negativzinsen eine Sache der Vergangenheit sind.“ Der sogenannte Einlagensatz im Euro-Raum liegt bei minus 0,5 Prozent. Das Minuszeichen bedeutet, dass Banken Strafzinsen zahlen müssen, wenn sie bei der Notenbank überschüssige Gelder parken. Die EZB hatte den Satz erstmals 2014 in den Negativbereich gesenkt.

    Jetzt gelte es, die Inflation zu bekämpfen, sagte Nagel. Vor allem die Energiepreise seien drastisch gestiegen. Und die meisten Firmen in Deutschland planten in den nächsten Monaten weitere Preiserhöhungen. Zentralbanken müssten dafür sorgen, dass sich der sehr starke Preisauftrieb nicht verfestige. „Das heißt, wir müssen entschlossen handeln“, sagte er.

    Lindner: Inflationsrisiken sind Folge des Euro-Wechselkurses

    Aus Sicht von Bundesfinanzminister Christian Lindner ergeben sich Inflationsrisiken auch aus der Wechselkurs-Entwicklung des Euro. Dabei verwies er auf die Notenbank-Politik in den USA, wo die Federal Reserve (Fed) bereits die Zinswende vollzogen hat. „Die Entwicklung der Währung kann auch ein Treiber von Inflation sein“, warnte Lindner. Der Euro hatte in den vergangenen Monaten zum Dollar deutlich an Wert eingebüßt.

    Nach Darstellung von Bundesbank-Präsident Nagel muss die Geldpolitik vor allem auf die Preisentwicklung und auf die Inflationserwartungen schauen. Daraus ergäben sich die geldpolitischen Konsequenzen. Und dann werde auch der Wechselkurs reagieren, sagte er. Es gelte aber: „Bei Wechselkursen, da muss man mit Demut rangehen.“ Es habe schon viele Phasen gegeben, in denen der Zinszyklus ähnlich ausgesehen und der Wechselkurs eine andere Richtung eingeschlagen habe.

    Dieser Artikel erschien zuerst am 20.05.2022 um 14:33 Uhr. 

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×