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19.06.2019

22:41

Leitzinsen

Fed-Chef Jerome Powell erfüllt die Erwartungen

Von: Katharina Kort

Die US-Notenbank lässt die Zinsen unverändert, deutet aber eine Senkung der Leitzinsen an. Von Draghi will sich der Fed-Chef nicht beeinflussen lassen.

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve hat sich beim Zinsentscheid für einen Kompromiss entschieden. AP

Jerome Powell

Der Chef der US-Notenbank Federal Reserve hat sich beim Zinsentscheid für einen Kompromiss entschieden.

Washington Die US-Notenbank Federal Reserve hat sich für den goldenen Mittelweg entschieden. Sie lässt die Zinsen unverändert zwischen 2,25 Prozent und 2,5 Prozent, stellt aber Zinssenkungen für die kommenden Monate in Aussicht, falls sich das konjunkturelle Umfeld eintrübt.

Damit erfüllte die US-Notenbank die Erwartungen der meisten Marktteilnehmer. Die Aktienmärkte reagierten dementsprechend gelassen: Der Dow Jones legte leicht zu. Der Dollar verlor gegenüber dem Euro an Wert.

Die Entscheidung der Fed war mit Spannung erwartet worden. Schließlich steht der Fed-Chairman Jerome Powell seit Monaten unter extremen Druck – auch aus dem Weißen Haus. Am  5. Mai hatte er selbst die auf der Konferenz des geldpolitischen Fed-Ausschusses (FOMC) in Chicago Zinssenkungen angedeutet. Als Grund dafür hatte er den Handelsstreit mit China und Mexiko genannt.

Powell wusste also, dass er diesmal jedes Wort noch mehr als sonst abwägen musste. In der Pressekonferenz wies Powell darauf hin. dass die Fed in ihrer Mitteilung nicht mehr von einem „geduldigen“ Ansatz spricht, sondern „angemessen agieren“ werde, um das Wachstum zu unterstützen. Er stellte auch klar, dass die Mehrheit der Fed-Mitglieder zu einem möglichen Zinsschritt tendierten.

Am Mittwoch hatten neun von zehn Mitgliedern des Ausschusses dafür gestimmt, die Zinsen stabil zu lassen. Der Präsident der Fed in St. Louis, James Bullard, wollte die Zinsen schon jetzt senken.

„Dies war wahrscheinlich eine Kompromiss-Entscheidung – es war nicht schockierend und sollte ein wenig Beruhigung bringen“, kommentierte Steve Rick, Chefökonom der CUNA Mutual Group.

Als mögliche Gründe für einen zukünftigen Zinsschritt sieht Powell vor allem Risiken auf globaler Ebene. Dabei nennt er sowohl eine Abkühlung der weltweiten Konjunktur als auch den Handelsstreit. Man werde abwarten müssen, wie sich diese Risiken auf die US-Wirtschaft auswirken werden und dann entscheiden, ob geldpolitische Schritte nötig seien.

„Wir werden unsere Werkzeuge nutzen, um diese lange Expansion zu unterstützen“, stellte Powell klar. Von der starken Konjunktur profitierten derzeit auch Bevölkerungsgruppen, die lange vom Wirtschaftswachstum  ausgeschlossen waren. „Deshalb ist es so wichtig, diese Expansion zu unterstützen“, sagte Powell.

Den größten Unterschied zur bisherigen Fed-Linie sieht Harm Bandholz, Chef-US-Ökonom von Unicredit in dem „gesunkenen Ausblick für die Inflation“ im Vergleich zum März. Tatsächlich mahnte Powell, dass ein schwächeres globales Wachstum die Inflation global drücken könnte.

Trotz des lang anhaltenden Aufschwungs in den USA liegt die Inflation heute in den USA noch immer unter dem Ziel der Fed von zwei Prozent.

Entscheidung unabhängig von der EZB

Zuletzt hatte auch die Europäische Zentralbank den Druck auf Powell erhöht. EZB-Chef Mario Draghi hatte angekündigt, die Geldpolitik wenn nötig erneut zu lockern. „Ich denke Draghi hat die Messlatte höher gesetzt. Ich denke, Draghis Kommentare sind sehr aggressiv“, kommentiert Rick Rieder, der Anleihen-Chef des größten Vermögensverwalters Blackrock. Draghi strebe eindeutig eine höhere Inflation an.

Powell selbst betont dagegen, dass die Fed unabhängig von der EZB handele. „Alle Zentralbanken sind fokussiert auf ihre heimischen Standpunkte“, stellte Powell klar. Die Fed sei auf ihren Ausblick konzentriert und nicht auf die Aktivitäten der anderen Zentralbanken.

Auch auf eine Diskussion über einen starken oder schwachen Dollar wollte sich Powell nicht einlassen. „Wir haben Verantwortung für Beschäftigung und Preisstabilität“, stellt Powell klar. „Wir zielen nicht auf den Dollar“.

Die Kritik von Donald Trump, der ihn am liebsten ersetzen würde, wollte Powell eben so wenig kommentieren. Er stellt lediglich klar: „Das Gesetz ist klar: Ich habe ein vierjähriges Mandat und ich habe vor, dies zu Ende zu bringen“.

Bei den Marktbeobachtern kam die Pressekonferenz gut an. „Er hat es diesmal richtig gemacht“, kommentierte David Zervos, Chef-Marktstratege von Jefferies den Auftritt von Powell. Während der Fed-Chef in der Vergangenheit auch schon die Märkte unnötig verunsichert habe, habe er sie diesmal beruhigt.

„Es wäre schwer gewesen, die Zinsen jetzt schon zu erhöhen, selbst wenn man das mit der Handelspolitik begründet“, erklärte David Wessel vom Brooking Institute gegenüber dem Fernsehsender CNBC. Die Lage könne sich jederzeit ändern. „Wenn Powell jetzt wegen des Handelsstreit die Zinsen senkt, hätte er riskiert, dass Trump mit einem Lächeln aus dem Gespräch mit der Regierung in China kommt und was dann?“, meint Wessel.

Was erwarten die Analysten?

Nun stellt sich die Frage: Wie schnell sollte die Fed die Zinsen senken, ohne zu hohe Erwartungen auf weitere Zinssenkungen zu wecken. „Die Fed hat die Investoren nicht damit überrascht, die Zinsen stabil zu lassen. Aber das nicht eindeutige Votum zeigt uns, dass die Senkung kommt und es ist immer wahrscheinlicher, dass das im Juli passiert, wie die Anleihe-Märkte hoffen“, sagte Neil Birrell, Chief Investment Officer bei Premier Asset Management.

Die Ökonomen von Citi betonen, dass alles von der Entwicklung im Handelsstreit abhängt: "Ein schlechterer Ausblick beim Handel würde unserer Ansicht die Fed dazu veranlassen, aggressiv und im Juli zu handeln", schreiben Calvin Tse und Ebrahim Rahbari.

„Wir haben immer noch Zweifel, ob eine Zinssenkung im Juli gerechtfertigt ist“, schreibt Unicredit-Ökonom Bandholz. Aber die bisherige Annahme, dass die Fed erst 2020 dreimal die Zinsen senken werde, könnte zu vorsichtig sein.

Michelle Meyer, US-Chefökonomin von Bank of America Merrill Lynch wollte sich nicht festlegen, wann und wie schnell Powell die Zinsen senken wird. „Er hat klar gemacht: die Fed steht bereit“, sagte sie und das sei gut so.

„Powell wird einen Stepptanz machen müssen” hatten die Analysten von Bank of America Merrill Lynch im Vorfeld geschrieben. Gemeint war damit, dass der Fed-Chef sich extrem vorsichtig bewegen muss, um die vielen Erwartungen nicht zu enttäuschen. Er müsse auf das erwartete niedrigere Wachstum ebenso eingehen wie auf die schwache Inflation und die Risiken im Handelsstreit und das alles, ohne den Eindruck zu erwarten, es lauere eine Rezession. Der Tanz ist ihm gelungen.

Mehr: Vor dem wichtigen Zinsentscheid in den USA kochte ein langer Streit dort wieder hoch. Wollte der US-Präsident dem Fed-Chef den Vorsitz der Notenbank wegnehmen? Lesen Sie hier:

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