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24.04.2017

12:14 Uhr

Märkte nach der Frankreich-Wahl

Die Anleger sagen „En Marche“

VonAndrea Cünnen, Jakob Blume, Peter Köhler

Erleichterung beherrscht die Aktienmärkte nach der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen. Sie setzen jetzt auf Emmanuel Macron als neuen Präsidenten. Die Kurse steigen kräftig. Auch der Euro legt zu.

Investoren setzen darauf, dass er der nächste französische Präsident wird. dpa

Emmanuel Macron

Investoren setzen darauf, dass er der nächste französische Präsident wird.

FrankfurtDie beiden Kandidaten sind nicht die Traumkonstellation der Märkte, die in das Rennen um den Elysée-Palast einzieht. Immerhin wählten in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen rund 40 Prozent der Bürger extrem rechte oder linke Kandidaten, die den Euro äußert kritisch sehen. Dennoch: Dass es der sozialliberale Emmanuel Macron mit seiner Bewegung „En Marche“ ist, der sich gegen die rechtsextreme Marine Le Pen vom Front National in der Stichwahl am 7. Mai stellt, beflügelt die Märkte.

„Macron wird mit hoher Wahrscheinlichkeit der neue Präsident Frankreichs“, fasst Jens-Oliver Niklasch, Volkswirt bei der Landesbank Baden-Württemberg die Erwartungen der Anleger zusammen. Dazu trägt auch bei, dass der Drittplatziert Francois Fillon noch am Wahlabend eine Wahlempfehlung für Macron ausgesprochen hat. Nach Ansicht der Experten des Fondsriesen Blackrock reduziert das Wahlergebnis „das gefühlte politische Risiko in Europa deutlich“.

Der Dax sprang am Montag auf ein neues Allzeithoch, der französische Auswahlindex CAC 40 legte mit 3,8 Prozent kräftig zu. Auch an den Anleihemärkten ist die Erleichterung deutlich zu spüren. Doch die Kurse französischer Anleihen steigen und entsprechend geht die Rendite zehnjähriger Papiere um 0,07 Prozentpunkte auf 0,86 Prozent zurück. Das klingt nicht nach viel, ist aber eine ordentliche Bewegung für Anleihen. Gleichzeitig sinkt die Risikoprämie – also der Renditeabstand zu zehnjährigen deutschen Bundesanleihen um 0,15 auf 0,52 Prozentpunkte und damit den niedrigsten Stand seit Anfang des Jahres. Das liegt auch daran, dass deutsche Bundesanleihen als sicherer Anlagehafen weniger gefragt sind. Ihre Rendite steigt auf 0,34 Prozent.

Bei den Einzelwerten zählten Bankaktien zu den größten Gewinnern zum Handelsauftakt: Die Papiere von Deutscher Bank und Commerzbank notierten am Morgen 6,2 und über acht Prozent im Plus. Die Kurse der französischen Banken BNP Paribas und Société Générale stiegen ebenfalls um rund acht Prozent. Der europäische Banken-Index legte 6,4 Prozent zu. Analysten der Deutschen Bank empfahlen Anlegern, ihr Engagement bei Banken der Euro-Zone nun zu erhöhen. Die Banker des Brokerhauses Kepler Cheuvreux stuften französische Geldhäuser auf „overweight“ nach oben. 

Die wichtigsten Fragen nach der Frankreich-Wahl

Wieso wäre ein Wahlsieg Le Pens für manche das „Ende Europas“?

Front-National-Chefin Le Pen giftet seit Jahren gegen Brüssel und predigt die Rückbesinnung auf den Nationalstaat. Als Präsidentin will sie binnen sechs Monaten ein Referendum über das Ausscheiden ihres Landes aus der EU. Den Euro will sie wieder durch eine eigene Währung ersetzen, das Schengen-Abkommen zum freien Reisen kündigen und die französischen Grenzen abschotten. Ein „Frexit“ aber wäre weit dramatischer als der EU-Austritt Großbritanniens. Denn damit bräche ein Gründerstaat weg - das Land, das mit Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg das Einigungsprojekt maßgeblich vorantrieb. Die zweitgrößte Volkswirtschaft ginge verloren. Die bisherige EU wäre am Ende.

Warum kann Le Pen mit Europaskepsis punkten?

Frankreich hadert mit diversen EU-Vorgaben, die Deutschland klar unterstützt. Wegen der Wirtschaftsflaute sprengte Paris die im Euroraum vereinbarte Defizitgrenze von 3,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Während Brüssel auf Einhaltung der Regeln pocht, kritisiert Le Pen Gängelei. Zweites heißes Eisen ist die EU-Flüchtlingspolitik mit der Umverteilung von Ankömmlingen aus Italien und Griechenland. Dritter Punkt ist die Terrorgefahr im Europa der offenen Grenzen. Der EU-Verdruss ist groß.

Was will Macron?

Anders als die meisten anderen Präsidentschaftskandidaten bekennt sich der 39-jährige Macron mit seiner Bewegung „En Marche“ klar zur EU und zur Zusammenarbeit mit Deutschland. In seinem Wahlprogramm bezieht er das unter anderem auf den Ausbau der gemeinsamen Verteidigungspolitik im Tandem mit Berlin. Doch fügt er hinzu: „Europa muss sich auch ändern.“ Macron will Bürgerkonvente auf dem ganzen Kontinent einberufen, um „dem europäischen Projekt wieder eine Richtung zu geben“. Zudem stellt sich Macron klar hinter weitreichende Reformideen für die Eurozone, die unter anderem einen eigenen Haushalt bekommen soll.

Was würde ein Sieg Le Pens für Deutschland bedeuten?

Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt sich in den vergangenen Wochen bedeckt. Doch sie hat indirekt signalisiert, welchen Wahlausgang sie möchte: Macron hat sie getroffen, Le Pen ausdrücklich nicht. Mit deren Politik gebe es „überhaupt keine Berührungspunkte“, betonte Merkels Sprecher. Weder Merkel noch ihr SPD-Rivale Martin Schulz würden wohl den Schulterschluss mit einem Staatsoberhaupt suchen, das Frankreich aus der EU führen will. Die seit Jahrzehnten so wichtige Partnerschaft läge auf Eis. Sollte sich Frankreich von der EU abwenden, käme Deutschland noch stärker in die Rolle des einzigen Stabilitätsankers in Europa.

Wie wäre es mit Macron?

Macron wäre angesichts seiner Unterstützung für Europa und für die deutsch-französische Achse für Berlin ein zugänglicher Partner - unabhängig davon, ob nach der Bundestagswahl im Herbst Merkel oder Schulz im Kanzleramt regieren. Zwei heikle Punkte bleiben: Zum einen ist unklar, ob der parteilose Jungstar bei der anstehenden Parlamentswahl in Frankreich eine Mehrheit für seine Politik bekäme. Andernfalls droht Lähmung und Unsicherheit, auch für Europa und Deutschland. Ist er indes handlungsfähig, wird er mit Merkel aneinandergeraten. Die Bundeskanzlerin will keine weitreichenden EU-Reformen, wie Macron sie vorschlägt. Erst kürzlich hat Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auch einer großen Reform der Eurozone eine klare Absage erteilt.

Zuvor war bereits der japanische Leitindex Nikkei wegen des Wahlausgangs bis zum Mittag 1,3 Prozent auf 18.870 Punkte gestiegen. Auch der Euro reagierte mit deutlichen Kursgewinnen auf den Erfolg von Macron. Die Gemeinschaftswährung legte in Fernost zeitweise um rund zwei Prozent auf 1,0940 Dollar zu und damit den höchsten Wert seit fünf Monaten. Im weiteren Verlauf gab sie etwas von den Gewinnen wieder ab und notierte noch rund ein Prozent höher bei 1,0838 Dollar.

Stimmung nach Frankreich-Wahl

„Ich kann mir vorstellen, dass es für Europa gut ausgeht.“

Stimmung nach Frankreich-Wahl: „Ich kann mir vorstellen, dass es für Europa gut ausgeht.“

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Kommentare (4)

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Herr Hofmann Marc

24.04.2017, 10:29 Uhr

Macron geht den Weg der EU-Euro Eliten-Lobbyisten in Frankreich weiter...Macron wird somit die Franzosen weiter in der Abhängigkeit (als Almosenempfänger) zu Deutschland halten oder wenn es ganz schlimm kommt den Franzosen Soziale Einschnitte verpassen, wie dies die Griechen, Portogiesen, Spanier...erfahren durften.

Der Marsch des Macron wird ein Marsch in eine von Deutschland abhängige Politik. Macron verkauft die Freiheit der Franzosen, den Stolz Frankreich an die Lobbyisten einer EU-Global Mafia des Finanz- und Wirtschaftsadel (Eliten). Genauso wie es Merkel eben mit der Freiheit/Selbstbestimmung der Deutschen macht....Macron und Merkel legen die Zukunft von Frankreich und Deutschland in die Hände von EU-Eurokraten...von Lobbyisten der Finanz- und Witschaftseliten die von einer grenzenlosen Weltherrschaft träumen.

Herr Hans-Jörg Griesinger

24.04.2017, 10:53 Uhr

Diese Welt scheint sich nur noch um die Wünsche „Anleger und Investoren“ zu drehen.
Auch die französische Gesellschaft, ist wie so viele andere in der EU zutiefst gespalten.
Macron will eine Reform-Agenda für Frankreich, will Strukturreformen, Sozialabbau und Lohnkürzungen, weil es dann angeblich wirtschaftlich wieder aufwärts gehen soll.
Die Franzosen sind dann in der EU gegenüber D plötzlich wieder konkurrenzfähig.
Dann kommt bei uns die Agenda 2020 auf die Tagesordnung und weiter geht es mit der Todesspirale von Kürzungsprogrammnen, vor allem bei den Arbeitnehmern.
Im Euro wird es zwischen den einzelnen EU-Ländern zu einem immer zerstörerischen Konkurrenzkampf um den billigeren, den produktiveren, den steuergegünstigteren Wirtschaftsstandort kommen. Leittragende dieser Negativentwicklungen werden ALLE sein. Diejenigen, die heute kaum etwas haben, werden komplett ausbluten, diejenigen die heute noch etwas haben, werden immer mehr verlieren. Auch die Medien wird es ganz hart treffen, weil immer mehr Menschen über zu wenig Kaufkraft verfügen. Wer kein Geld mehr hat, abonniert und kauft auch keine Medienerzeugnisse mehr, egal ob als Druck- oder Onlineangebot in pdf Form.



Novi Prinz

24.04.2017, 11:02 Uhr

Jede Woche so eine Wahl ! Gut , für des richtige Depot ! Vive la France !

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