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14.04.2021

22:35

Börsendebüt

Aktie der Kryptobörse Coinbase verliert nach fulminantem Börsendebüt deutlich an Schwung

Von: Astrid Dörner, Andreas Neuhaus

Das Papier des US-Start-ups legt einen Traumstart an der Nasdaq hin. Kurz vor Handelsschluss in New York gerät die Aktie aber stark unter Druck.

Das 2012 gegründete Start-up hat zum Ziel, Kryptowährungen massentauglich zu machen. AP

Coinbase-Börsengang

Das 2012 gegründete Start-up hat zum Ziel, Kryptowährungen massentauglich zu machen.

New York, Düsseldorf Es ist ein historischer Moment für die Kryptowelt. Coinbase ist in den Handel an der Nasdaq gestartet und begeistert die Anleger: Die Aktie der größten amerikanischen Kryptobörse startete am Mittwochnachmittag (Ortszeit) bei 381 Dollar und lag damit gut 55 Prozent über dem Referenzpreis von 250 Dollar, der am Vorabend festgelegt worden war.

Innerhalb von zwei Minuten schoss die Aktie auf über 400 Dollar nach oben. Fünf Minuten später notierte das Papier in einem volatilen Handel bei 422 Dollar. Das entsprach einer Unternehmensbewertung von mehr als 100 Milliarden Dollar. Doch das Papier verlor im Handelsverlauf an Schwung und schloss mit 328 Dollar deutlich unter dem Startwert.

Dennoch ist Coinbase nun ein beachtlicher börsennotierter Konzern. Zum Vergleich: Die Muttergesellschaft der New Yorker Börse, Intercontinental Exchange, ist rund 66 Milliarden Dollar schwer. Die traditionsreiche Investmentbank Goldman Sachs kommt nach starken Quartalszahlen auf eine Bewertung von 116 Milliarden Dollar.

Das 2012 gegründete Start-up hat zum Ziel, Kryptowährungen massentauglich zu machen. Es ist der größte US-Handelsplatz für Bitcoin und andere Kryptowährungen und gehört zu den großen Gewinnern des anhaltenden Kryptobooms. „Wir verkaufen die Schaufeln und Spaten, die den Leuten dabei helfen, diese Technologie zu nutzen“, sagte CEO und Mitgründer Brian Armstrong am Mittwoch vor Handelsstart im US-Börsensender CNCB.

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    Das erste Quartal 2021 war das beste aller Zeiten. Der Gewinn soll in einer Spanne von 730 bis 800 Millionen Dollar liegen, wie aus den vorläufigen Zahlen hervorgeht, die Coinbase Anfang April veröffentlichte. Der Umsatz lag bei rund 1,8 Milliarden Dollar, neunmal mehr als ein Jahr zuvor.

    Das Unternehmen ist stark von dem Preis der Kryptowährungen abhängig. In guten Zeiten interessieren sich sowohl Kleinanleger als auch Profi-Investoren besonders stark für den Handel mit Bitcoin und Co. Das wiederum führt zu hohen Handelsgebühren bei Coinbase, die im vergangenen Jahr 96 Prozent der Umsätze ausmachten.

    Kritiker halten die Bewertung für viel zu hoch

    Über die Bewertung der Kryptobörse wird derzeit an der Wall Street heftig diskutiert. Das Analysehaus Moffat Nathanson hat ein Kursziel von 600 Dollar. Coinbase liefere „wichtige Grundbausteine, um die Nutzung von Kryptowährungen zu ermöglichen“, lobt Analystin Lisa Ellis. Das gelte „sowohl für Kleinanleger als auch für Finanzinstitute und Unternehmen, die reibungslos zwischen Fiat- und Kryptowährungen wechseln wollen“.

    Kritiker dagegen halten die Bewertung für viel zu hoch und verweisen auf die steigende Konkurrenz. So bieten auch die Bezahldienste Paypal und Square den Handel mit Kryptowährungen an. Auch der Neobroker Robinhood ist in dem Bereich aktiv. Allerdings ist Coinbase mit seinen 56 Millionen Nutzern weltweit der deutliche Marktführer. Robinhood kommt laut CNCB derzeit auf 9,5 Millionen Nutzer, die mit Kryptowährungen handeln.

    Coinbase ist per Direktplatzierung an die Börse gegangen. Bei dieser Art des Börsengangs werden Aktien ohne Begleitung durch Investmentbanken emittiert. Zudem werden keine neuen Anteile herausgegeben, sondern nur bestehende Titel.

    Für Start-ups ist das ein unüblicher Weg, den zuletzt aber auch schon Spotify, Slack, Palantir und Roblox gegangen waren. Coinbase ist das erste Unternehmen, das via Direktplatzierung an der Nasdaq gelistet wird. Alle anderen hatten sich dafür Konkurrent NYSE ausgesucht.

    „Sie werden Coinbase zu einem vollen Finanzdienstleister ausbauen“

    Coinbase verzichtete somit darauf, frisches Kapital von Unternehmen einzusammeln. Dagegen bekommen Mitarbeiter und frühe Investoren so die Möglichkeit, ihre Anteile zu Geld zu machen. Eine sogenannte Lock-up-Periode gibt es nicht. Das heißt, dass Anteilseigner ihre Aktien sofort auf den Markt bringen können. Bei klassischen Börsengängen ist eine Sperrfrist von drei Monaten üblich.

    Wegbegleiter setzen große Hoffnungen auf Armstrong und sein Team. „Sie werden Coinbase zu einem vollen Finanzdienstleister ausbauen“, glaubt Barry Schuler von DFJ Growth, der früh in das Start-up investiert war und bis letztem Jahr im Verwaltungsrat saß. Coinbase „wird wie eine Kryptoversion von Goldman Sachs oder Morgan Stanley“, sagte er dem Finanzdienstleister Bloomberg.

    Zu den frühen Investoren zählen auch die Risikokapitalgeber Union Square Ventures und Andreessen Horowitz. Auch der Gründer des sozialen Mediums Reddit, Alexis Ohanian, ist ein früher Investor. Auf diversen Reddit-Foren werden schon seit Jahren wichtige Trends und Themen rund um die Kryptowelt diskutiert.

    Das Timing des Listings könnte nicht besser sein. Die beiden größten Kryptowährungen, Bitcoin und Ether, haben in den vergangenen Wochen immer neue Höchststände erreicht. Am Mittwoch markierten beide Digitalwährungen erneute Bestmarken. Der Bitcoin durchbrach zum ersten Mal die Marke von 64.000 Dollar.

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