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17.05.2021

10:08

Kryptowährung

Ein Wort reicht: Bitcoin fällt nach neuerlichem Musk-Tweet auf tiefsten Stand seit drei Monaten

Von: Astrid Dörner, Mareike Müller, Anne Schwedt

Tesla-Chef Elon Musk deutet in einem Tweet an, dass sein Unternehmen seine Bitcoin verkaufen könnte. Später stellt er aber klar, dass es noch keinen Verkauf gegeben hat.

Der Tesla-Chef hat mit seinen Tweets die Kryptomärkte im Griff. Reuters

Elon Musk

Der Tesla-Chef hat mit seinen Tweets die Kryptomärkte im Griff.

Frankfurt, New York Schon wieder sorgt Elon Musk für einen Ausverkauf an den Kryptomärkten. Der Tesla-Chef deutete am Sonntag auf Twitter an, dass der Elektroautobauer seine Bitcoin-Bestände verkaufen könnte oder vielleicht schon verkauft hat.

Ein Nutzer mit dem Namen @CryptoWhale hatte auf Twitter sinngemäß geschrieben, dass sich Bitcoin-Investoren ärgern würden, wenn sie im nächsten Quartal herausrausfänden, dass Tesla den Rest seiner Bitcoin-Anteile verkauft habe. Angesicht des Hasses, den Musk erfahre, sei ein Verkauf der Anteile kein Wunder. Musk antwortete auf diesen Post mit einem „Indeed“, also „in der Tat“, und zeigte damit seine Zustimmung.

Dieses eine Wort war genug, um den Bitcoin-Kurs erneut auf Talfahrt zu schicken. Der Dollar-Wert der größten und ältesten Kryptowährung fiel in der Folge bis Montagmorgen (MEZ) um mehrere Tausend Dollar auf 42.285 Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit fast drei Monaten – ein Einbruch von mehr als zehn Prozent.

Später stellte Musk klar, dass Tesla bislang allerdings noch keine Bitcoins verkauft habe. Der Bitcoin-Kurs holte in der Folgezeit einen Teil der Verluste wieder auf und notierte gegen zehn Uhr (MEZ) bei 45.158 Dollar.

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    Der Besitzer des Twitter-Accounts @CryptoWhale bezeichnet sich als einen Kryptoanalysten. Er betreibt außerdem einen Blog auf der Plattform „Medium“, wo er Kryptoanalysen und Trends veröffentlicht.

    Elon Musk hatte bereits in der Nacht zu Donnerstag mit einem Tweet für Aufsehen gesorgt und damit den kompletten Cyberdevisenmarkt einbrechen lassen. Er hatte auf Twitter angekündigt, dass Tesla keine Bitcoin mehr als Zahlungsmittel akzeptieren wolle. Als Grund hatte er Umweltbedenken angesichts des hohen Stromverbrauchs genannt.

    Der Konzern habe die Entscheidung wegen des rapide ansteigenden Verbrauchs von fossilen Brennstoffen für die Herstellung von und Transaktionen mit Bitcoin getroffen, hatte Musk weiter erklärt. Vor allem, dass viel Kohleenergie dafür genutzt werde, sei bedenklich. Warum ihm diese Bedenken nicht schon vorher gekommen waren und was ihn zum Umdenken gebracht hat, hatte er offengelassen.

    Musk hatte jedoch auch versichert, dass Tesla seine Kryptobestände weiter in seiner Bilanz halten werde. Der Autobauer hatte Anfang des Jahres Bitcoin im Wert von 1,5 Milliarden Dollar gekauft und wenig später zehn Prozent davon wieder verkauft.

    Er habe damit beweisen wollen, dass Bitcoin ein liquides Asset sei, so Musk. Der Verkauf verhalf Tesla jedoch auch zu guten Quartalszahlen, da der Bitcoin seit Musks Zukäufen deutlich an Wert gewonnen hatte. Nun rätseln Marktbeobachter, ob der Tesla-CEO vielleicht doch auch hier seine Meinung geändert hat.

    Analysten raten Anlegern, gelassen zu bleiben

    Analysten und Kryptoexperten raten Anlegern indes, sich von den aktuellen Kursschwankungen nicht beunruhigen zu lassen. „Schwankungen wie die der letzten Tage sind bei Bitcoin keineswegs unüblich“, erklärt Sören Hettler, Analyst der DZ Bank.

    Grafik

    Der Kryptomarkt ist im Vergleich zu Aktienmärkten weitaus volatiler. „Als Anhänger tut es natürlich weh, wenn es bergab geht“, so Hettler. Doch er erwartet nicht, dass Musks Stimmungswandel die Kryptowährung existenziell schwächen wird: „Solange genug Menschen an den Bitcoin als digitales Gold glauben, wird er auch weiterhin als Geldanlage dienen.“

    Als Grund dafür führt Hettler den aktuellen Anlagenotstand an: „Es ist aktuell einfach viel Geld da, das irgendwo hinmuss.“ In Kombination mit Sorgen und Ängsten der Anleger spiele das Kryptowährungen in die Hände: „Teils vorherrschende Zweifel am traditionellen Finanzsystem und zunehmende Inflationssorgen spielen auch weiterhin eine Rolle zugunsten der Kryptowährung.“ Hettler ist sich daher sicher, dass Anhänger der Kryptowährung trotz Musks Aussagen bei ihren Bitcoin-Investitionen bleiben werden.

    Das bestätigt auch Kryptoexpertin Elisa Spiess, Gründerin des Unternehmens Femme Capital, das Kryptoworkshops für Frauen anbietet. Viele ihrer Kundinnen seien jetzt in Shoppinglaune, bedingt durch den Kursverlust der letzten Tage, berichtet die Expertin.

    „Diese neuesten Schwankungen zeigen, dass ganz viele Menschen nur in Krypto investieren, weil sie Angst haben, etwas zu verpassen. Sinkt der Kurs dann um ein paar Prozent, kriegen sie kalte Füße und verkaufen“, sagt Spiess. Wer sich aber mit Kryptowährungen auskenne, wisse, dass größere Schwankungen zum Markt gehören. Sie rät Anlegern daher dazu, Ruhe zu bewahren und sich nicht verunsichern zu lassen.

    Marktanalyst Timo Emden rät zugleich zur Vorsicht: „Der Bitcoin kann durchaus auch noch tiefer fallen. Anleger sollten jetzt definitiv auf die Abwärtsrisiken achten.“ So könne die große Kryptoeuphorie, die den Markt seit Beginn des Jahres prägt, durchaus auch zu Ende gehen.

    Er beobachte besonders in den sozialen Netzwerken, dass „das Lager, das sauer auf Elon Musk ist“, wachse. Musk spiele mit den Anlegern ein „Katz-und-Maus-Spiel“, was für große Ernüchterung sorge. Zudem sei es bedrückend, dass Musk „nicht mit offenen Karten spielt, sondern lediglich einen Nährboden für Spekulationen gibt“. Gepaart mit der hohen Volatilität im Markt sei das abschreckend: „Unter den Anlegern herrscht definitiv Verunsicherung.“

    Musk wendet sich Dogecoin zu

    Unterdessen steigt Musks Interesse an der Spaßwährung Dogecoin. Diese war ursprünglich als Parodie auf den Kryptohype gestartet. Musk hatte den Hype zuletzt immer wieder mit Tweets angeheizt und Ende der Woche mitgeteilt, dass er mit Dogecoin-Entwicklern zusammenarbeite, um die digitale Währung energieeffizienter zu machen.

    Der Tesla-Gründer soll dies allerdings schon seit 2019 tun, wie der Branchendienst „Decrypt“ berichtete. Die Entwickler seien nicht die Gründer der Währung, sondern hätten das Projekt lediglich übernommen. Musk soll demnach sowohl mit Rat als auch mit Kontakten geholfen haben. Er habe auch angeboten, die Weiterentwicklung zu finanzieren, das hätten die Programmierer jedoch abgelehnt.

    Dogecoin hat eine spektakuläre und turbulente Rally erlebt. Ende 2020 kostete ein Token noch weniger als ein Cent. Am Sonntag lag der Kurs bei knapp 50 Cent, ein Plus von gut 10.000 Prozent. Dank Musk liegt Dogecoin nach Marktkapitalisierung derzeit auf Platz sechs unter den Kryptowährungen.

    US-Regulierer haben unterdessen angekündet, sich den Kryptomarkt genauer vorzunehmen. Der neue Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Gary Gensler, forderte vergangene Woche bei einer Kongressanhörung, dass Kryptobörsen besser reguliert werden müssten, auch um Investoren besser zu schützen.

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