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08.07.2022

13:24

Devisen

Parität zwischen Dollar und Euro steht unmittelbar bevor

Von: Leonidas Exuzidis, Anke Rezmer

Experten zufolge fußt die Annäherung der Kurse eher auf einer Dollar-Stärke als auf einer Euro-Schwäche. Es gibt aber zusätzliche Faktoren, die auf der Gemeinschaftswährung lasten.

Die europäische Gemeinschaftswährung ist gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken. Reuters

Dollar und Euro

Die europäische Gemeinschaftswährung ist gegenüber dem Dollar auf den niedrigsten Stand seit 20 Jahren gesunken.

Düsseldorf, Frankfurt Die Parität zwischen Euro und Dollar steht unmittelbar bevor. Die europäische Gemeinschaftswährung fiel am Freitag in der Spitze auf 1,0072 Dollar. Das ist der niedrigste Stand seit 2002. Vor Jahresfrist lag der Kurs noch über dem Niveau von 1,20 Dollar. Am Devisenmarkt ist das eine ungewöhnlich schnelle Abwertung.

Schon bald dürften beide Währungen gleich stark sein, glauben Experten. Mark Dowding vom Vermögensverwalter Bluebay Asset Management erklärt: „Wir haben den US-Dollar übergewichtet und halten ein Überschreiten der Parität gegenüber dem Euro in den kommenden Wochen für möglich.“

In dieser Entwicklung zeigt sich allerdings keine absolute Euro-Schwäche, sondern vor allem ein Abrutschen des Wechselkurses gegenüber dem Dollar. Denn gegenüber vielen anderen Währungen hat der Euro zuletzt zugelegt. Der Dollar zeigt sich allerdings noch robuster.

So hat etwa der Dollar-Index, der den Kurs zu anderen zehn wichtigen Währungen widerspiegelt, seit Jahresanfang fast zwölf gewonnen. Auch er liegt so hoch wie zuletzt vor circa 20 Jahren.

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    Währungsexperten werten die Entwicklung denn auch vorrangig als Dollar-Stärke. Der Greenback dient für Anleger als „sicherer Währungshafen“, wie Ulrich Stephan, Chef-Anlagestratege für Firmen- und Privatkunden der Deutschen Bank, kommentiert. Es bestehe wegen der starken Kursschwankungen an den Rohstoff- und Aktienmärkten generell starke Nachfrage nach dem US-Dollar, stellt er fest.

    Rezessionsgefahr in der Euro-Zone

    Aktuell lässt die gestiegene Rezessionsgefahr, die sich in starken Kursschwankungen an den Kapitalmärkten spiegelt, die Anleger verstärkt zur Weltleitwährung greifen, erklärt er. Die wieder deutlich verschlechterte Wirtschaftsstimmung im Euro-Raum zeigte etwa der vom Beratungsunternehmen Sentix erhobene Konjunkturindikator Anfang der Woche.

    Grafik

    Rezessionssorgen gibt es zwar ebenfalls in den USA. Aber Investoren rechnen besonders in Europa mit Problemen: In die Kapitalmarktkurse preisen sie eine mögliche Energiekrise in der Euro-Zone ein, insbesondere wegen potenziell ausbleibender Erdgaslieferungen, wie Stephan ausführt.

    Das sieht auch Antje Präfke, Analystin der Commerzbank, so: „Die Sorge des Markts vor einer herben Rezession in der Euro-Zone aufgrund einer Energiekrise wiegt einfach stärker als die Sorge vor einer Rezession in den USA aufgrund stark steigender US Zinsen.“

    Höhere Zinsen machen Dollar attraktiv

    Außerdem profitiert die US-Währung von der bereits eingeleiteten Zinswende durch die Fed. Die US-Notenbank hat die Zinsen im laufenden Jahr bereits um 1,5 Prozentpunkte oder 150 Basispunkte erhöht. Ein höheres Zinsniveau macht eine Investition in einen Währungsraum attraktiver.

    Investoren trauten der Fed eher ein robusteres Vorgehen gegen die hohen Inflationsraten zu als den Währungshütern der Europäischen Zentralbank (EZB), meint Stephan. Zu sehen ist das am Anleihemarkt, vor allem bei kurzfristigen Bonds: So ist die Differenz zwischen den Renditen zweijähriger Staatsanleihen der USA und denen Deutschlands auf mehr als 2,5 Prozentpunkte gestiegen.

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