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02.06.2022

16:13

Rohstoffe

Kehrtwende des Förderkartells: Opec plus will mehr Öl fördern – Ölpreis fällt

Von: Jakob Blume

PremiumDie Exporteure wollen im Juli und August etwa 650.000 Barrel Öl pro Tag zusätzlich fördern. Saudi-Arabien will laut einem Bericht Öl-Ausfälle Russlands kompensieren.

Die Sanktionen erschweren die Förderung. Reuters

Ölproduktion in Russland

Die Sanktionen erschweren die Förderung.

New York Es ist eine strategische Kehrtwende: Die Allianz der Ölexportländer Opec plus will mehr Öl fördern, als der Markt erwartet hat. Die staatlichen Ölexporteure wollen im Juli und August jeweils rund 650.000 Barrel Öl pro Tag zusätzlich fördern, wie die Opec nach einer Onlinesitzung am Donnerstag ankündigte. Die Menge entspricht rund 0,65 Prozent des globalen Ölbedarfs.

Der Ölpreis gab am Donnerstag leicht um 0,5 Prozent nach und fiel auf rund 115 Dollar pro Barrel (rund 159 Liter). Bereits am Vortag hatten die Ölpreise nach ersten Marktgerüchten zwischenzeitlich um fünf Prozent nachgegeben.

Damit fallen die Produktionserhöhungen um 50 Prozent höher aus als in den Vormonaten. Die Opec plus zieht mit dem Schritt auch den Ausstieg aus den Förderbegrenzungen vor, den sich die Allianz als Reaktion auf den Einbruch der Ölnachfrage in der Coronapandemie aufgelegt hatte.

Jeffrey Halley, Analyst beim Broker Oanda, bewertet eine Erhöhung als „eine der zuletzt seltenen guten Nachrichten für die Weltkonjunktur und den Kampf gegen die Inflation“. Auch wenn das zusätzliche Rohölangebot die Engpässe bei Raffinerien nicht beheben könnte, die derzeit die Preise für Benzin, Diesel und Kerosin treiben.

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    Monatelang hatten die Opec-plus-Staaten um Saudi-Arabien und Russland an ihrer Politik monatlicher Produktionserhöhungen um rund 400.000 Barrel festgehalten. Auch dann noch, als die Ölpreise infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine in die Höhe schnellten und das Drängen der USA und weiterer Industriestaaten zunahm, die Ölproduktion auszuweiten.

    Grafik

    Doch nun hat auch Saudi-Arabien laut einem Bericht der „Financial Times“ als größter Produzent innerhalb der Opec beschlossen, die Fördermengen zu steigern, falls es auf dem Ölmarkt wegen der Sanktionen gegen Russland zu einem Versorgungsengpass kommen sollte. Der Schritt sei auch ein Zeichen der Annäherung zwischen dem Königreich und den USA.

    Russland konnte Quoten nicht einhalten

    Zahlreiche Opec-plus-Staaten – allen voran Russland – konnten zuletzt die vereinbarten Förderquoten nicht einhalten. Das Anfang der Woche beschlossene Embargo der EU gegen russisches Öl droht die Versorgungslage noch zu verschärfen. Das wird zunehmend zu einem Glaubwürdigkeitsproblem für die Opec-Staaten. Insbesondere die Golfstaaten um Saudi-Arabien wollen ihren Ruf als verlässliche Lieferanten für die Industriestaaten nicht verspielen.

    Das „Wall Street Journal“ berichtete zudem, dass einige Mitglieder des Ölkartells erwägen, Russland aus der Opec plus auszuschließen. Hintergrund dieser Überlegungen ist, dass die westlichen Sanktionen die Fähigkeit des Landes beeinträchtigten, mehr Rohöl zu produzieren.

    Der russische Energieminister Alexander Novak sagte kürzlich, dass die Ölproduktion seines Landes 2022 um acht Prozent fallen werde. Schon heute produziert das Land 1,4 Millionen Barrel weniger als im Rahmen der Opec vereinbart.

    Helima Croft, Opec-Expertin bei RBC Capital Markets, hält es jedoch für unwahrscheinlich, dass die Saudis den Bruch des Ölbündnisses mit Russland wagen. „Russland wird seine Führungsrolle behalten.“

    Stattdessen werde Prinz Abdulaziz bin Salman mithilfe eines „kunstvollen Kompromisses“ versuchen, dem Markt mehr Öl zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig den Zusammenhalt des Bündnisses zu sichern. Russlands Außenminister Sergej Lawrow war am Mittwoch nach Saudi-Arabien gereist und hatte betont, sein Land wolle am Opec-plus-Bündnis festhalten.

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