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11.05.2022

17:55

Börse Frankfurt

Dax legt um zwei Prozent zu – US-Inflation belastet Märkte nur kurz

Von: Jürgen Röder

Es gibt gute Argumente, dass der Kursrutsch am Montag ein zumindest vorläufiger Tiefpunkt war. Das lässt auf ein Ende des Abwärtstrends hoffen.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf Am deutschen Aktienmarkt ging es am Mittwoch deutlich aufwärts. Der Dax schloss 2,2 Prozent höher bei 13.828 Punkten. Im Handelsverlauf war der Leitindex zuvor allerdings zeitweise sogar ins Minus gerutscht – als direkte Reaktion auf die Veröffentlichung der US-Inflationsdaten.

Die hohe Inflation dort hat sich im April zwar abgeschwächt, allerdings nur leicht. Die Verbraucherpreise stiegen gegenüber dem Vorjahresmonat um 8,3 Prozent, wie das Arbeitsministerium am Mittwoch in Washington mitteilte, nach 8,5 Prozent im Vormonat.

Dies verstärkt den Inflationsdruck in der gesamten Wirtschaft, der die Haushalte belastet und die US-Notenbank dazu veranlasst, die Zinssätze aggressiv anzuheben.

Der Dienstag war für den Dax ein sehr konstruktiver Handelstag, weil die wichtige Marke von 13.500 Punkten nicht nachhaltig unterschritten wurde. Zwar lag der Schlusskurs am Montag dieser Woche bei 13.380 Zählern, doch „nachhaltig“ bedeutet, dass der folgende Handelstag ebenfalls mit einbezogen werden muss.

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    Es gibt gute Argumente, dass der Kursrutsch am Montag bis auf 13.380 Punkte ein zumindest vorläufiger Tiefpunkt war. Zumindest der Ausverkauf von Aktien aus der Ölbranche oder Werten wie SMA Solar (minus 18 Prozent) oder Rheinmetall (minus zehn Prozent) zum Wochenstart sind dafür ein Indiz.

    Beide Aktien sind seit Ende Februar kräftig angestiegen, und es gab – bis auf Gewinnmitnahmen – keinen Anlass für solch einen Kursrutsch. Das passende Börsensprichwort dazu ist: Die Besten trifft es in der Regel zuletzt.

    Hoffnung auf Lockdown-Ende in China

    Der Hintergrund für dieses Sprichwort: Anleger halten an vermeintlich attraktiven Werten bis zuletzt fest, bis der Verkaufsdruck zu groß wird und sie dann aufgeben. Die Folge: Solche Werte sind meist die ersten, die in einer Aufwärtsbewegung wieder gekauft werden.

    Die Entspannung an den Aktienmärkten geht mit der Hoffnung einher, dass zwei der drei großen Belastungsfaktoren deutlich geringer werden.

    Da ist zum einen die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Lockdowns in China. Im Reich der Mitte geht die Zahl neuer Covid-19-Fälle zurück. In China und Hongkong hat das die Stimmung an den Börsen deutlich aufgehellt. Sollten die wichtigen Häfen in China wieder komplett geöffnet werden, wäre das ein wichtiges Signal.

    Zum anderen fallen die Rendite an den Anleihemärkten, was im Gegenzug zumindest vorläufig das Ende des Ausverkaufs bedeutet. Denn bei fallenden Renditen steigen im Gegenzug die Kurse, zu denen die Anleihen gehandelt werden.

    Grafik

    Auch bei Anleihen sorgten die hohen US-Inflationsdaten für eine Achterbahnfahrt. Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe pendelte um die Marke von drei Prozent. Noch am Dienstag lag die Rendite der US-Anleihe in der Spitze bei 3,2 Prozent. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe lag am Abend bei 0,987 Prozent.

    Beim dritten großen Belastungsfaktor, dem Krieg in der Ukraine, bleibt hingegen die Situation unverändert.

    Trotz der heutigen Kursgewinne bleibt der Abwärtstrend beim Dax seit Anfang des Jahres intakt. Diese Linie seit dem Jahreshoch mit 16.285 Punkten am 5. Januar liegt derzeit bei 14.124 Zählern und bildet zusammen mit der 50-Tage-Linie, die bei 14.047 Zählern verläuft, die erste wichtige Hürde auf dem weiteren Weg nach oben.

    Technische Analysten sind vorsichtig optimistisch. Für die Charttechniker von HSBC Deutschland markiert der Ablauf der vergangenen Handelstage „oftmals einen kurzfristigen Marktwendepunkt“. Allerdings darf der Dax nicht mehr das Tief von 13.380 Punkten unterschreiten.

    Blick auf die Einzelwerte

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Service

    Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Bayer: Die Aktie rutscht um 6,2 Prozent ab und ist damit größter Tagesverlierer im Dax. Der Agrarchemie- und Pharmakonzern Bayer hat im US-Rechtsstreit um angebliche Krebsrisiken des Unkrautvernichters Glyphosat einen Rückschlag erlitten. Die US-Regierung riet dem Supreme Court – dem obersten Gericht im Land – am Dienstag (Ortszeit) von der Annahme eines wegweisenden Falls ab. Das Verfahren könnte Signalwirkung für viele weitere US-Klagen haben. Für den Leverkusener Dax-Konzern hängen davon milliardenschwere Rechtsrisiken ab.

    Continental: Der Autozulieferer leidet massiv unter den gestiegenen Rohstoffkosten. Allein das profitable Reifengeschäft rettet dem Unternehmen das Quartalsergebnis. Die Aktie steigt bis zum Handelsschluss um 3,6 Prozent.

    Thyssen-Krupp: Der Stahlkonzern profitierte im zweiten Quartal seines Geschäftsjahres 2021/2022 von den gestiegenen Stahlpreisen, kämpft aber mit hohen Rohstoffkosten. Für das Gesamtjahr wurde die Gewinnprognose auf mindestens zwei Milliarden Euro angehoben. Das beschert der Aktie ein Plus von rund elf Prozent. Thyssen-Krupp will sich angesichts der angespannten geopolitischen Lage nicht festlegen, wann der Konzern wieder eine Dividende zahlt.

    Evotec: Die Aktie fällt bis zum Handelsschluss um 10,6 Prozent. Ein Händler bezeichnete die heftigen Kursverluste als überraschend. Zwar hatten gestiegene Kosten das Ergebnis der Biotechfirma im Quartal gedrückt. Der Umsatz sei allerdings besser als erwartet ausgefallen. Zudem bekräftigte Evotec seinen Ausblick. Außerdem hatte das Unternehmen gerade erst mit einem milliardenschweren Deal seine Partnerschaft mit dem US-Pharmakonzern Bristol Myers Squibb ausgebaut.

    Am heutigen Mittwoch werden zwei Papiere mit einem Dividendenabschlag gehandelt. Jungheinrich hat 0,68 Euro gezahlt, der Schlusskurs am gestrigen Dienstag lag bei 22,36 Euro. Die Rheinmetall-Aktie ging mit 181,90 Euro aus dem Handel, gezahlt wurden als Dividende 3,30 Euro.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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