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24.08.2022

17:55

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Wie entwickelt sich der deutsche Leitindex 2023?

Börse Frankfurt

Dax stabilisiert sich und schließt im Plus – Euro bleibt unter Druck

Von: Jürgen Röder

Der deutsche Leitindex hat allerdings bereits mehr als die Hälfte der Kursgewinne seiner Sommerrally abgegeben. Charttechnisch ist er damit angeschlagen.

Düsseldorf Nach den jüngsten Verlusten hat sich der deutsche Aktienmarkt am Mittwoch moderat erholt. Der Dax stieg bis zum Handelsende um 0,2 Prozent auf 13.220 Punkte. Damit notiert der deutsche Leitindex wieder auf dem Niveau von Mitte Juli.

Mittlerweile hat der Dax bereits mehr als die Hälfte der Kursgewinne der Sommerrally wieder abgegeben, die ihn von Anfang Juli bis Mitte August von 12.390 auf 13.947 Punkte hievte. Inflation, Rezession und steigende Zinsen – dieser Cocktail aus Ängsten sorgt derzeit für Unruhe an der Börse. Interessant zu beobachten ist, dass sich die Renditen der Staatsanleihen spiegelbildlich zu den Aktienkursen entwickeln.

Die Werte für eine zehnjährige Bundesanleihe und für eine US-Staatsanleihe gleicher Laufzeit liegen mit 1,37 Prozent sowie 3,09 Prozent in etwa auf dem Niveau vom 21. Juli – genauso wie der Dax. Der zwischenzeitliche Renditerückgang auf 0,7 Prozent sowie 2,6 Prozent hat die Sommerrally an den Aktienbörsen ermöglicht. Somit hängt in den kommenden Tagen und Wochen die weitere Entwicklung am Aktienmarkt stark von den Renditen am Anleihemarkt ab.

Ein weiterer relevanter Wert für den Aktienmarkt ist der Gaspreis, der sich auf hohem Niveau etabliert. Nach einem Rückgang auf 260 Euro für den September-Kontrakt zum Handelsschluss am gestrigen Dienstag stieg der Preis am heutigen Mittwoch im wieder zeitweise auf 287 Euro, ein Plus von rund sieben Prozent.

Es handelt sich dabei um den Terminkontrakt TTF für niederländisches Erdgas. Er gilt als richtungweisend für den europäischen Erdgasmarkt.

In der vergangenen Woche war Erdgas in der Spitze bei knapp 251 Euro gehandelt worden. Nur in der Zeit unmittelbar nach Ausbruch des Kriegs in der Ukraine war der Preis für das in Europa gehandelte Erdgas für kurze Zeit höher und hatte Anfang März einen Spitzenwert von mehr als 300 Euro erreicht.

Rohöl der Sorte Brent verteuerte sich zunächst um bis zu 1,7 Prozent auf 101,90 Dollar je Fass, erst am Abend sank der Preis wieder unter die 100-Dollar-Marke. Spekulationen auf weitere Förderdrosselungen der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) hatten den Preis zeitweise nach oben getrieben. Aussagen des saudischen Energieministers seien so ausgelegt worden, dass das Öl-Kartell möglicherweise einer Wiederaufnahme iranischer Ölproduktion gegensteuern wolle, hieß es.

Charttechnisch ist das deutsche Börsenbarometer nach den Verlusten in den vergangenen Tagen angeschlagen. Bei einem Bruch der Marke von 13.000 Punkten ergibt sich nach Meinung von Martin Utschneider, technischer Analyst bei der Privatbank Donner & Reuschel, ein kurzfristiges Kursziel bei 12.655 Punkten.

Knapp darunter liegen wohl die letzten Marken, die aus charttechnischer Sicht einen weiteren Absturz verhindern können: zum einen das Mehrmonatstief von April mit 12.438 Zählern und zum anderen das Jahrestief mit 12.390 Punkten. Auf der Oberseite würden erst Werte oberhalb von 13.500 den größten Druck von den deutschen Standardwerten nehmen.

Lira verharrt in der Nähe des Rekordtiefs

Wie sehr sich Marktteilnehmer auf ein wiederkehrendes Muster einstellen, lässt sich derzeit anhand der türkischen Lira erklären. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hat Zinserhöhungen in der Türkei erneut eine Absage erteilt. Trotzdem sinkt der Lira-Kurs nicht weiter. Die Währung verharrt bei 18,14 Lira zum Dollar, liegt also in der Nähe des Rekordhochs von 18,36 Lira.

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Das war früher anders. Nach solchen Ankündigungen rutschte die türkische Devise deutlich ab. Mittlerweile ist das laut dem Commerzbank-Devisenanalysten Tatha Ghose „ein allzu bekanntes Muster, das nicht einmal ein verdecktes Überraschungsmoment enthält“.

Früher waren die Marktteilnehmer stets davon ausgegangen, dass sich Erdogan von einer Sichtweise fallender Zinsen verabschieden würde, wenn er sich der Realität einer hohen Inflation und abwertenden Lira zu stellen hätte.
Für Erdogan sind aber schnelle Investitionen und damit eine Stärkung der Angebotsseite das richtige Mittel zur Inflationsbekämpfung.

„Knackpunkt aber ist, dass die Türkei viel ausländisches Kapital benötigt, um die Lücke zwischen der benötigten Investitionsquote und der niedrigen Sparquote der Türkei zu schließen“, meint Ghose. Doch in Ermangelung eines vernünftigen Politikrahmens werde sich dieses ausländische Kapital vermehrt zieren – auch wenn sich das erst längerfristig zeigen sollte.

Euro bleibt unter der Parität zum Dollar

Auch die Gemeinschaftswährung Euro bleibt weiterhin unter Druck, seit sie auf ein 20-Jahres-Tief unter 0,990 Dollar gerutscht war. Das Tief habe gezeigt, dass die Abwärtsrisiken dominierten, zumal ein zwischenzeitlicher Erholungsversuch über die Parität scheiterte, fassten die Analysten der Hessisch-Thüringischen Landesbank (Helaba) zusammen. Am Mittwochabend kostete ein Euro 0,9969 Dollar.

Angesichts „der drohenden Energiekrise und damit aufziehender Rezessionsgefahren dürfte der Kurs noch eine ganze Weile unter der Parität verweilen“, sagte Jürgen Molnar, Kapitalmarktstratege von RoboMarkets. „Damit besteht aber jederzeit auch die Möglichkeit, dass der Euro noch deutlicher gegenüber dem Dollar fällt.“

Blick auf die Einzelwerte

Hellofresh: Die Aktie schließt am Mittwoch mit einem Minus von 1,3 Prozent. Die Deutsche Bank hat zwar ihre Kaufempfehlung für das Papier beibehalten, allerdings das Kursziel von 70 auf 54 Euro gesenkt. Das wäre immer noch eine Verdoppelung gegenüber der aktuellen Notierung.

CTS Eventim: Das Unternehmen konnte mit seinen Quartalszahlen überzeugen. Die Rückkehr des Konzertbetriebs nach der Corona-Zwangspause lässt die Kassen beim Ticketvermittler klingeln. Die Aktien legen bis zum Handelsschluss um 2,6 Prozent zu.

Hugo Boss: Ein trüber Ausblick des US-Markenmodehändlers Nordstrom zieht das Papier zunächst nach unten, im weiteren Handelsverlauf fängt sich die Boss-Aktien wieder und schließt 0,3 Prozent höher.

SFC Energy: Abseits der großen Indizes bescherten starke Halbjahreszahlen den Aktien ein Plus von rund 13 Prozent. Analyst Johannes von der Ohe von der Bank Oddo BHF attestierte dem Hersteller von Brennstoffzellen ein respektables erstes Halbjahr mit einem zweiten Quartal, das sowohl beim Umsatz als auch dem operativen Gewinn seine Erwartungen übertroffen habe. Getrieben von der starken Auftragsentwicklung und Preiserhöhungen habe SFC eine Antwort gefunden auf den herrschenden Inflationsdruck.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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