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05.01.2022

17:55

Börse Frankfurt

Dax verfehlt Rekordhoch nur knapp – Profis sind zurück und geben den neuen Trend vor

Von: Jürgen Röder

Aufgrund steigender Zinsen gibt es eine deutliche Branchenrotation: Industriewerte sind nun die Favoriten. Zudem verlässt der Markt den Pandemiemodus.

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung. Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf Der deutsche Leitindex Dax hat am Mittwoch nur knapp ein neues Rekordhoch verpasst. Beim Tageshoch mit 16.285 Stellen war die Frankfurter Benchmark zeitweise nur fünf Punkte vom bisherigen Rekordhoch entfernt. Zum Handelsschluss notierte der Dax 0,7 Prozent im Plus bei 16.271 Punkten.

Seit dem gestrigen Dienstag mit einem hohen Handelsvolumen ist klar: Die institutionellen Investoren sind zurück an der Börse – und sie haben sofort wegweisende Entscheidungen getroffen. Zyklische Industriewerte sind nun die Favoriten am Markt, Wachstumswerte als sogenannte Coronagewinner-Aktien werden im Gegenzug verkauft.

Diese Branchenrotation wird vermutlich noch einige Zeit weitergehen, auch wenn es zwischenzeitlich zu Gegenreaktionen kommen dürfte, weil die risikoreicheren Wachstumswerte für Schnäppchenjäger interessant sind. Am heutigen Handelstag bleibt es bei dieser Rotation. Die Dax-Gewinnerliste wird von Daimler, BMW, Volkswagen und Covestro angeführt, alles sogenannte Coronaverlierer-Papiere.

Diese gesamte Entwicklung hängt auch damit zusammen, dass der deutsche Markt seit Anfang Dezember schrittweise den Pandemiemodus beendet. Das lässt sich beispielsweise an den hohen Kursverlusten der Impfstoffhersteller ablesen, die in diesem Zeitraum jeweils über 30 Prozent an Wert verloren haben. Auch am heutigen Handelstag verlor das Papier von Biontech am deutschen Aktienmarkt zunächst rund ein Prozent, drehte anschließend aber wieder ins Plus.

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    Grund für den Umschwung: Das Mainzer Unternehmen hatte mit dem US-Konzern Pfizer eine neue Kooperationsvereinbarung zur Entwicklung eines MRNA-basierten Gürtelrose-Impfstoffs unterzeichnet. Noch am Dienstag gab die Biontech-Aktie rund sechs Prozent nach.

    Auch die jüngsten Kursverluste bei den Aktien von Qiagen und Sartorius, die allein am gestrigen Handelstag 4,4 sowie 5,4 Prozent nachgaben, signalisieren die Erwartung auf das bevorstehende Ende der Coronapandemie.

    Diese Branchenrotation weg von den Wachstums- hin zu den Industriewerten hängt mit dem Renditeanstieg am Anleihemarkt zusammen. Dabei gilt vereinfacht formuliert, dass vor allem Value-Werte wie zyklische Industrietitel und Banken überproportional von steigenden Zinsen profitieren, während Wachstumswerte sich im Gegenzug eher schwächer entwickeln.

    Laut einer Auswertung der Bank JP Morgan konnten Anleger bei steigender Rendite von US-Staatsanleihen nicht nur von Value-Aktien überproportional profitieren, sondern auch mit kleineren Werten (Small Caps) eine höhere Performance erzielen als mit dem Gesamtmarkt.

    Bei den Regionen stehen Japan und die Euro-Zone im Vordergrund, während sich die US-Indizes bei steigenden Anleiherenditen in der Vergangenheit leicht unterdurchschnittlich entwickelt haben. Eine schwächere Kursentwicklung in den USA dürfte wohl mit der hohen Marktkapitalisierung der Tech-Werte zusammenhängen.

    Dafür war der gestrige Handelstag das beste Beispiel: Die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen stieg am Dienstag in der Spitze von 1,62 auf 1,67 Prozent. Das sorgte bei dem industrielastigen Dow-Jones-Index für ein Plus von 0,6 Prozent, während der Technologieindex Nasdaq um 1,3 Prozent abrutschte.

    Diese Tendenz dürfte sich steigern, wenn die US-Renditen für eine zehnjährige Staatsanleihe wieder in den Bereich von 1,7 bis 1,8 Prozent vordringen sollten und diesen dann womöglich übersteigen. Dann dürften die Anleihemärkte eine neue Zinserhöhungsphase einleiten, die sich vermutlich schnell in den Bereich von 2,0 bis 2,5 Prozent ausdehnen wird – mit entsprechenden Auswirkungen für die Tech-Werte.

    Auch wenn die Zeichen am deutschen Aktienmarkt derzeit für ein neues Rekordhoch sprechen, sollten Anleger den Blick Richtung Süden nicht vergessen. Rund um die Marke von 16.000 Punkten gibt es aus technischer Sicht einige Unterstützungen. Laut technischer Analyse ist die Aufwärtskurslücke wichtiger, die am Montag dieser Woche aufgerissen wurde.

    Solche Lücken entstehen, wenn es an zwei aufeinanderfolgenden Handelstagen in einem Bereich keine Notierung gab. Im konkreten Fall lag der höchste Punkt zum Jahresende bei 15.890 Zählern, das Tagestief zum Jahresauftakt markierte 15.943 Stellen. Geschlossen würde die Lücke bei einer Notierung von 15.890 Punkten. Darunter fungiert die für langfristige Investoren wichtige 200-Tage-Linie mit aktuell 15.551 Zählern als weitere Unterstützung.

    Blick auf die Einzelwerte

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

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    Elring-Klinger: Die Aktien reagierten mit einem Kursplus von 16,70 Prozent auf eine Kaufempfehlung von JP Morgan. Der Autozulieferer habe den Übergang vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb geschafft und dürfte nun vom Trend zur E-Mobilität profitieren, schrieb Analyst Jose Asumendi. Er riet daher zum Übergewichten der Aktien. Die Auftragsbücher seien gut gefüllt, zuletzt hätten bereits fast zwei Drittel der eingegangenen Aufträge nicht mehr im Zusammenhang mit Verbrennungsmotoren gestanden.

    Stabilus: Ein negativer Analystenkommentar schickt Stabilus auf Talfahrt. Die Aktien des Autozulieferers fallen bis zum Handelsschluss um rund vier Prozent. Die Experten von JP Morgan stuften die Titel auf „Underweight“ von „Neutral“ herunter und senkten das Kursziel auf 62 von 72 Euro.

    Uniper: Eine Ausweitung der Kreditlinien setzt dem Kurs zu. Die Aktien des Energiekonzerns schließen 2,3 Prozent niedriger. „Das signalisiert einen Finanzierungsbedarf, der höher ist als erwartet“, sagt ein Börsianer. „Außerdem hört es sich nicht so an, als ob ein Squeeze-out von Fortum unmittelbar bevorsteht.“

    Deutsche Wohnen: Ein positiver Analystenkommentar hievt das MDax-Papier nach oben. Die Aktien der Immobilienfirma steigen am Mittwoch bis zum Handelsschluss um 1,3 Prozent. Die Experten des Vermögensberaters Kepler Cheuvreux stuften die Titel auf „Buy“ von „Hold“ hoch.

    Evotec: Der Aktienkurs des Wirkstoffforschers profitiert von Aktienkäufen des Vorstandsvorsitzenden Werner Lanthaler und klettert am Mittwoch um 3,5 Prozent. Lanthaler erwarb Papiere der eigenen Gesellschaft im Volumen von gut 392.000 Euro.

    Tesla: Anleger sollten auf die Aktien des Elektroautobauers achten. Shortseller Fraser Perring, bekannt durch seine Attacken auf Grenke und S&T, verkündete per Twitter, dass er erneut auf Kursverluste bei Tesla setze. Im US-Handel notierte das Papier am Abend zeitweise 0,7 Prozent im Minus. Die Marktkapitalisierung von Tesla liegt bei 1,2 Billionen Dollar. Das ist deutlich mehr als die Marktkapitalisierung der Hersteller Toyota, Volkswagen, Daimler und BMW zusammen.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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