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24.03.2022

18:08

Börse Moskau

Nach langer Schließung: Russischer Leitindex Moex steigt zum Neustart um mehr als elf Prozent

Von: Ingo Narat

In Moskau werden wieder Aktien gehandelt. Doch Ausländer können weiterhin nicht verkaufen. Die US-Regierung bezeichnet die Wiederaufnahme des Handels als „Scharade“.

Der Handel wurde teilweise wieder aufgenommen. Bloomberg

Börse Msokau

Der Handel wurde teilweise wieder aufgenommen.

Moskau Drei Wochen lang war der Handel an der Moskauer Aktienbörse unterbrochen. Am Donnerstag startete das Geschäft wieder – allerdings unter Bedingungen, die die US-Regierung als „Scharade“ bezeichnet hat. Zum Neustart verbuchten viele Aktien Kursgewinne.

Für westliche Investoren bleibt die Wiedereröffnung der Börse allerdings folgenlos. „Ausländische Investoren können weiterhin nicht verkaufen“, beschreibt der Schwellenländerexperte eines großen Vermögensverwalters die Lage. Es drohen ihnen hohe Einbußen, bei Aktien wie auch Anleihen.

Die Moskauer Börse hatte den Handel nach dem 25. Februar ausgesetzt, kurz nach dem Kriegsbeginn in der Ukraine und nachdem westliche Sanktionen einen Börsencrash verursacht hatten. Am Donnerstag gab es einen Neustart für 33 bekannte Titel in einer verkürzten Sitzung.

Russischer Leitindex Moex steigt um mehr als elf Prozent

Dazu gehörten Unternehmen wie die Ölkonzerne Gazprom und Lukoil, die Großbank Sberbank und der Luftfahrtkonzern Aeroflot. Mit Ausnahme der Fluglinie gewannen die Aktien deutlich an Wert

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    So sorgten die hohen Rohölpreise für ein Kursfeuerwerk bei den Energiewerten. Die Titel des Energiekonzerns Gazprom und der Ölkonzerne Rosneft und Lukoil sprangen zeitweise um rund 20 Prozent nach oben.

    Rund 20 Prozent abwärts ging es hingegen für die Aktien der Fluggesellschaft Aeroflot. Der Großteil des europäischen Luftraumes ist für russische Maschinen gesperrt.

    Der Moskauer Aktienindex kletterte um bis zu 11,8 Prozent in die Höhe. „Treiber sind wahrscheinlich inländische Anleger, die nach den starken Kursverlusten einsteigen und darin auch einen Schutz gegen die hohe Inflation im Land sehen“, sagt Sebastian Kahlfeld von der DWS.

    Doch gemessen an den Höchstständen im vergangenen Oktober sind die Verluste immer noch groß. Manche Kurse haben sich halbiert, der Wert der Sberbank hat sich sogar gedrittelt.

    Internationale Investoren können trotz der Wiedereröffnung noch immer nicht mit russischen Aktien handeln. Russische Börsenhändler dürfen nach einer Order des Kremls keine Verkaufsorders von Ausländern annehmen. Doch selbst wenn das möglich wäre, bleibt Experten zufolge wegen der russischen Kapitalverkehrskontrollen der Tausch von Rubel in internationale Währungen wie Dollar oder Euro schwierig bis unmöglich.

    Handel praktisch unmöglich

    Außerdem sind russische Banken vom globalen Zahlungs-Informationssystem Swift abgeschnitten. Darüber hinaus wickeln mit Euroclear und Clearstream die größten Clearinghäuser keine russischen Vermögenswerte mehr ab. An ausländischen Handelsplätzen sind die russischen Papiere weiterhin ausgesetzt. Das gilt beispielsweise für die Deutsche Börse und die London Stock Exchange.

    Russland will seine eigenen Vermögenswerte inklusive des Rubels vor den Belastungen durch westliche Sanktionen so weit wie möglich schützen. So sind Wetten auf Kursverluste der jetzt handelbaren Aktien verboten. Außerdem soll Meldungen zufolge der russische Staatsfonds in größerem Umfang bei der Wiedereröffnung der Börse Aktien gekauft haben.

    Vor diesem Hintergrund rechnen Experten wie Iskander Lutsko, Chefstratege von ITI Capital in Moskau, mit einer weiteren Erholung des Markts. Manche Investoren würden von den stark gefallenen Kursen angelockt. Die positive Einschätzung könne aber dann unhaltbar werden, wenn ausländischen Investoren der Verkauf bestehender Positionen wieder erlaubt werde.

    Westliche Großinvestoren haben meist keine nennenswerten Bestände in Russland. Bei deutschen Adressen liegt die Quote unter einem Prozent, wie Recherchen des Handelsblatts ergaben. Ähnlich sieht die Lage bei einflussreichen westeuropäischen Anlegern aus. Der norwegische Staatsfonds hat sein Russland-Engagement beispielsweise auf 0,2 Prozent seines Kapitals beziffert und angekündigt, seine Bestände zu verkaufen, sobald das möglich ist.

    Fonds bleiben eingefroren

    Manche deutsche Anleger haben in russische Aktien über Fonds investiert. Es geht vor allem um rein russische Aktienfonds oder Osteuropaprodukte mit dann typischerweise hohem Russlandanteil von bis zu zwei Drittel. Solche Angebote wurden von den Fondsgesellschaften eingefroren, Anteilsinhaber können sie also momentan weder kaufen noch verkaufen.

    Das gilt beispielsweise für die Indexfonds des weltweit größten Vermögensverwalters Blackrock. Vanguard als Nummer zwei im globalen Ranking hat seine auch in Deutschland angebotenen Mischfonds mit Indexfonds-Bausteinen offengehalten. Für den kleinen Teil russischer Aktien schätzen die Experten einen ihrer Meinung nach angemessenen Wert, wie ein Firmensprecher erläutert.

    Grundsätzlich ist die Bedeutung russischer Aktien für aktive Fonds wie Indexfonds gesunken. Die wichtigen Indexanbieter wie MSCI und FTSE Russel haben Russland im März aus ihren Benchmarks für Emerging Markets entfernt.

    Kritik aus den USA

    Die US-Regierung hat die Wiederaufnahme des Handels an der Moskauer Börse als „Scharade“ bezeichnet. „Dies ist kein echter Markt und kein nachhaltiges Modell, was die Isolation Russlands vom globalen Finanzsystem nur noch unterstreicht“, sagte der stellvertretende nationale Sicherheitsberater, Daleep Singh, am Donnerstag.

    Russland habe deutlich gemacht, dass es staatliche Mittel in die künstliche Stützung der Aktien von Unternehmen stecken werde, die im Handel seien. Nur noch 15 Prozent der börsennotierten Aktien seien zum Handel zugelassen. Die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten würden weiterhin Maßnahmen ergreifen, um Russland von der internationalen Wirtschaftsordnung zu isolieren.

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