Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

21.01.2022

18:03

Dax aktuell

Ausverkauf am deutschen Aktienmarkt – Dax schließt 1,9 Prozent im Minus

Von: Jürgen Röder

Der deutsche Leitindex findet erst bei unter 15.500 Punkten Halt und fällt auf ein neues Jahrestief. Offenbar sind Rücksetzer keine Kaufgelegenheit mehr.

Die Marke von 14.000 Punkten hat sich zu einem wichtigen Widerstand entwickelt. Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Die Marke von 14.000 Punkten hat sich zu einem wichtigen Widerstand entwickelt.

Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt hat am Freitag tief im Minus geschlossen. Der Leitindex Dax verlor 1,9 Prozent und ging bei 15.604 Punkten aus dem Handel, 308 Zähler unter dem Vortagesschluss. Das Tagestief lag sogar bei 15.457 Stellen, damit erreichte das Börsenbarometer ein neues Jahrestief.

Der Handelstag hatte den Charakter eines Ausverkaufs, ein deutlicher Kursrutsch bei gleichzeitig hohem Handelsvolumen. Erst bei unter 15.500 Punkten fand der Dax Halt und grenzte seine Verluste noch ein.

Überraschend kommt die Entwicklung nicht. Investoren nutzen steigende Kurse immer wieder zum Verkauf: Am gestrigen Donnerstag näherte sich der Dax noch der Marke von 16.000 Punkten und ging 0,7 Prozent fester bei 15.912 Punkten aus dem Handel, dem höchsten Stand des Handelstags.

Umgekehrt neigt sich offenbar der Modus „Buy the Dips“ – jeder Kursrücksetzer wird als Kaufchance gesehen – seinem Ende entgegen. Dieses Muster prägte fast das gesamte Börsenjahr 2021, was erklärt, dass es während dieser zwölf Monate nur kleinere Kursrückgänge gab. Nun gilt verstärkt „Sell the Rally“. Dabei werden steigende Kurse als Verkaufschance gesehen, und der Markt tendiert insgesamt abwärts.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Solch ein Verhalten war am Donnerstag in den USA zu beobachten. Dort ist nach vier verlustreichen Handelstagen eine anfängliche Kurserholung letztlich in sich zusammengefallen. Auch am Freitag ging es an den US-Börsen weiter abwärts.

    Damit bestätigt sich die Prognose der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment, dass nur ein Ausverkauf die aktuelle Schwächephase beenden kann. Ob dieser Rutsch am heutigen Freitag ausreicht, dürften die Zahlen am kommenden Montag zeigen.

    Im Fokus des deutschen Börsenbarometers stand wie bereits am Mittwoch dieser Woche die 200-Tage-Linie, die aktuell bei 15.608 Zählern notiert. Viele Investoren orientieren sich bei ihren Entscheidungen an diesem gleitenden Durchschnitt, der den langfristigen Trend anzeigt.

    Noch am vergangenen Mittwoch setzte bei rund 30 Punkten oberhalb dieser Linie wieder reges Kaufinteresse ein, das den Leitindex anschließend um 270 Punkte nach oben beförderte. Doch jetzt hat der Dax diese Unterstützung aufgegeben.

    Der Ausverkauf endete am Freitag erst im Bereich um 15.500/15.450 Stellen. Der Grund dafür könnten heimische Profi-Anleger sein, die ihre neu erworbenen Short-Produkte, deren Kurse bei fallenden Notierungen steigen, mit Gewinn abgestoßen haben. Darauf deutet eine Umfrage der Börse Frankfurt hin.

    Entscheidend für den mittelfristigen Trend ist die Marke von 15.000 Stellen, die seit April des vergangenen Jahres besteht. Nachhaltige Kurse unterhalb dieser Marke werden voraussichtlich eine länger anhaltende Verkaufswelle nach sich ziehen.

    Kleiner Verfallstag ohne große Relevanz

    Am Freitag war kleiner Verfallstag, an dem Optionen auf Indizes und einzelne Aktien auslaufen und abgerechnet werden. Für Anleger war es wichtig zu wissen, an welchen Kursmarken die größten ausstehenden Volumina der Optionen zu finden sind.

    Doch die Positionierungen der Terminmarktprofis hatte keine großen Auswirkungen auf die Kursentwicklung. Beim Dax waren die größten heute auslaufenden Positionen zu weit vom aktuellen Indexstand entfernt, um die Kurse wirklich zu bewegen. Die wichtigen Put-Optionen lagen bei 15.200 und 15.000 Punkten. Auf der Call-Seite waren es 16.500 und 16.200 Stellen.

    Handelsblatt Live

    „Die Ukraine-Krise sorgt für Verunsicherung an den Aktienmärkten“

    Handelsblatt Live:  „Die Ukraine-Krise sorgt für Verunsicherung an den Aktienmärkten“

    Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

    Anleihen sind wieder gefragt

    Im Gegensatz zu Aktien waren wieder Anleihen gefragt. Die Furcht vor einem russischen Einmarsch in der Ukraine, aber auch die Aussicht auf eine anhaltend lockere Geldpolitik in der Euro-Zone ließen die Anleger bei Bundesanleihen zugreifen. Auch US-Staatsanleihen wurden wieder gekauft. Dies drückt die Rendite der zehnjährigen Treasuries auf zuletzt 1,7581 Prozent.

    Von der Risikoaversion gegenüber riskanten Anlageklassen wie Aktien sind derzeit auch Kryptowährungen betroffen. Bitcoin, der das neue Börsenjahr noch bei Notierungen nahe der 50.000 Dollar-Marke begonnen hatte, sackte in den letzten 24 Handelsstunden laut den Daten der Website Coinmarketcap um zehn Prozent auf knapp 39.000 Dollar ab. Nach Daten der Analyseseite Coinglass wurden in den letzten 24 Stunden Positionen im Wert von etwa 726 Millionen Dollar aufgelöst, davon etwa 30 Prozent in Bitcoin.

    Ausverkauf bei der Netflix-Aktie

    In der kommenden Woche lassen sich die großen Tech-Werte wie Apple und Microsoft in ihre Bücher schauen. Einen ersten Hinweis, wie die Zahlen ausfallen könnten, gibt Streaming-Marktführer Netflix: Der rechnet nach dem Coronaboom nur noch mit schwachem Nutzerwachstum. Damit blieb das Unternehmen deutlich unter den Prognosen der Analysten. Die Aktie stürzte an der Wall Street um rund 20 Prozent ab. Der trübe Geschäftsausblick von Netflix brachte auch die Aktien anderer Streaminganbieter wie Disney kräftig unter Druck. Disney-Titel gaben um fünf Prozent nach.

    Service: Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Service

    Folgen Sie News zu den Dax-Konzernen

    Wie nervös der Markt derzeit ist, zeigte auch der Kursverlauf von Peloton, einem Hersteller von Fitnessgeräten. Berichte über einen anstehenden Produktionsstopp ließen die Aktie um zehn Prozent abstürzen. Ein Dementi des Vorstandschefs konnte den Kursverfall nur abmildern, nicht stoppen.

    Goldpreis hat seinen Abwärtstrend beendet

    Die anhaltenden Spannungen zwischen der Ukraine und Russland wirken sich auf den Edelmetallmarkt aus. In erster Linie ist Palladium betroffen. Der Kurs ist wieder über 2000 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) gestiegen und liegt derzeit bei 2050 Dollar. Laut dem Commerzbank-Analysten Daniel Brieseman sei Russland ein wichtiger Palladium-Lieferant. „Ein Exportstopp des für die Automobilindustrie so wichtigen Rohstoffs könnte wohl nicht aufgefangen werden.“

    Auch Gold erfreut sich neuer Beliebtheit. Der Preis für das Edelmetall notierte am Donnerstag bei bis zu 1843 Dollar pro Feinunze (rund 31,1 Gramm) und damit in der Nähe des Zweimonatshochs. Der jüngste Preisimpuls war nach Meinung von Briesemann US-Investoren zu verdanken, die wieder Geld in physisch gedeckte Goldindexfonds leiten.

    Die technische Analyse signalisiert weiter steigende Kurse. Denn der Abwärtstrend seit dem Sommer 2020 hat sich aufgelöst. Nach Meinung von Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Deutschland, ist der Grundstein für einen Anlauf auf das bisherige Rekordhoch bei 2072 Dollar gelegt.

    Auf dem Weg dorthin markiere das ehemalige Rekordhoch des Jahres 2011 mit 1920 Dollar ein wichtiges Etappenziel. Dieses Level harmoniert bestens mit dem Hoch aus dem Juni vergangenen Jahres, das bei 1916 Dollar lag. Die Lage dürfte sich verändern, wenn der Goldpreis unter das Tief aus dem Monat Dezember bei 1753 Dollar fallen sollte.

    Blick auf weitere Einzelwerte

    Deutsche Börse: Gewinner im Dax 40 waren rar. Die Aktien der Deutschen Börse legten 0,9 Prozent zu und erreichten mit 163,35 Euro den höchsten Stand seit Sommer 2020. Anleger gehen offenbar davon aus, dass die derzeitigen Schwankungen an den Finanzmärkten für das Alltagsgeschäft des Börsenbetreibers von Vorteil sind. Beiersdorf beendete den Handel unverändert, die restlichen 38-Werte gaben nach.

    Nordex, Siemens Energy: Größter Verlierer im Dax waren Titel von Siemens Energy. Enttäuschende Quartalsergebnisse von Siemens Gamesa setzen den Papieren zu, davon war auch die Aktie des Windkraftanlagenbauers und Konkurrenten Nordex betroffen. Das Papier des Siemens-Gamesa-Mutterkonzerns Siemens Energy gaben 16,6 Prozent nach. Nordex-Aktien verloren 8,1 Prozent.

    Die Nordex-Aktie ist in den vergangenen Monaten in den Fokus der Shortseller gerückt, die auf fallende Kurse setzen. Beim Windkraftanlagenhersteller hatte sich die Short-Quote seit Sommer vergangenen Jahres zwischenzeitlich verdoppelt, aktuell liegt sie bei rund sieben Prozent. Die Folgen der globalen Lieferkettenprobleme belasten derzeit das SDax-Unternehmen, die Jahresprognose hat das Management bereits gekappt.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×