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02.08.2022

17:55

Dax aktuell

Dax beendet Erholungskurs vorerst – Spannungen zwischen China und den USA verunsichern Anleger

Von: Jürgen Röder

Die Anleihemärkte setzen offensichtlich seit Wochen auf eine Entspannung bei den künftigen Zinserhöhungen. Einige Renditewerte haben sich seit Mitte Juni mehr als halbiert.

Dax-Kurve Bloomberg Creative/Getty Images [M]

Dax-Kurve

Der deutsche Leitindex befindet sich in diesem Jahr im Abwärtstrend – trotz der jüngsten Erholung.

Düsseldorf Der Dax hat seinen Erholungskurs am Dienstag vorerst beendet: Der deutsche Leitindex ging 0,2 Prozent im Minus bei 13.449 Punkten aus dem Handel. Bereits am Montag hatte die Frankfurter Benchmark nach der 1100-Punkte-Rally seit Anfang Juni eine Verschnaufpause eingelegt und hatte den Handel unverändert beendet.

Eine Belastung sind die Spannungen zwischen den USA und China. Die Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, ist trotz der Drohungen aus Peking nach Taiwan gereist. Die US-Spitzenpolitikerin traf am Dienstagabend (Ortszeit) im Rahmen ihrer Asien-Reise in Taipeh ein, wie im Livestream des taiwanesischen Außenministeriums zu sehen war.

Es ist der ranghöchste Besuch eines US-Politikers seit einem Vierteljahrhundert in Taiwan, das die kommunistische Führung in Peking als Teil der Volksrepublik China ansieht.

Aus Angst vor einer weiteren Verschärfung des Disputes werden Risikoassets abgestoßen und sichere Anlagen gekauft – allerdings sind die Reaktionen keinesfalls dramatisch. So fällt der Bitcoin laut den Daten der Website Coinmarketcap nur um1,4 Prozent auf 22.979 Dollar, Gold tendiert mit einem Preis von 1779 Dollar pro Feinunze eher seitwärts.

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    Investoren zweifeln an deutlichen Zinserhöhungen

    Interessanter ist die Entwicklung am Anleihemarkt. Dort fallen die Renditen weiter, im Gegenzug steigen die Kurse. Die Anleihemärkte setzen damit offensichtlich bereits seit Wochen auf eine Entspannung bei den künftigen Zinserhöhungen. Auch an der Chicagoer Terminbörse CME steigt die Zahl derer, die für die Sitzung im September nur noch eine Erhöhung um 50 Basispunkte erwarten. Mittlerweile sind es 75 Prozent der Profis, vor einer Woche waren es noch 50 Prozent.

    Die Renditen amerikanischer Staatsanleihen sind seit ihrer Spitze von 3,5 Prozent Mitte Juni nun auf 2,64 Prozent zurückgekommen. Das ist der tiefste Stand seit Anfang April. Für zehnjährige Bundesanleihen haben sich die Renditen seit Mitte Juni von 1,76 Prozent auf 0,79 Prozent mehr als halbiert. Die Rendite der zweijährigen deutschen Papiere, die am empfindlichsten auf Zinserhöhungen reagieren, fielen am Dienstag zeitweise bis auf 0,15 Prozent und damit auf den niedrigsten Stand seit dem 16. Mai.

    Geldmarkthändler fragen sich nun, ob die Europäische Zentralbank (EZB) vor dem Hintergrund der aktuellen Wachstumssorgen die Leitzinsen um mehr als einen Prozentpunkt anheben wird. Die Geldmärkte deuteten am Dienstag kurzzeitig darauf hin, dass die EZB gezwungen sein wird, die Straffung zu stoppen, bevor sie 100 Basispunkte erreicht hat. Noch am 21. Juli wurde mit insgesamt mehr als 200 Basispunkten gerechnet. Die EZB hat die Zinssätze im vergangenen Monat um 50 Basispunkte erhöht, die erste Anhebung seit 2011.

    Angesichts der Befürchtung, dass eine übermäßige Straffung den Euroraum in eine Rezession stürzen könnte, reduzieren die Händler ihre Wetten. Rekordinflation und die gestiegene Wahrscheinlichkeit eines russischen Energiestopps drohen dem Währungsblock einen Konjunktureinbruch zu bescheren.

    Der Grund für den Renditerückgang liegt wohl an der Erwartung, dass der Inflationshöhepunkt erreicht ist. So geht Jan Viebig, Kapitalmarktexperte bei der Bank Oddo BHF, davon aus, dass die Inflation im Jahr 2023 deutlich sinken wird.

    Dazu dürften vor allem Basiseffekte der Energiepreisentwicklung beitragen. Auch die längerfristigen Inflationserwartungen der Marktteilnehmer seien gegenüber den Höchstständen von April/Mai 2022 deutlich gefallen. Die aktuell hohen Inflationsdaten sind der Hauptgrund für die weiter geplanten Zinserhöhungen der Notenbanken in den USA und Europa.

    Varta-Aktie gibt weiter nach

    Interessant war am Dienstag die weitere Kursentwicklung bei der Varta-Aktie. Die Aktie lag zeitweise drei Prozent im Minus und ging schließlich 0,8 Prozent tiefer bei 75,84Euro aus dem Hasndel. Das Handelsvolumen war am heutigen Dienstag vergleichsweise gering, nur etwa 111.000 Stücke wurden ge- und verkauft. Am gestrigen Montag waren es mehr als 600.000 Papiere.

    Zum gestrigen Handelsauftakt rutschte das Papier nach einer Gewinnwarnung um 13 Prozent ab, ging aber mit einem Minus von nur 3,5 Prozent aus dem Handel. Die Reaktionen der Analysten auf die Gewinnwarnung haben keinen Grund für einen Einstieg gegeben. Zwar blieb Alsterresearch als einziges Analysehaus von dreien, die am Montag reagierten, bei der Einschätzung „kaufen“. Aber das Kursziel wurde von 100 auf 83 Euro gesenkt. Warburg senkte das Ziel von 95 auf 65,50 Euro und empfahl „verkaufen“, Hauck Aufhäuser senkte sein Kursziel von 84 auf 64 Euro und stufte Varta ebenfalls mit „verkaufen“ ein.

    Aufgrund des hohen Handelsvolumens lag die Vermutung nahe, dass einige Shortseller Aktien zurückgekauft haben. Denn Hedgefonds nutzen sogenannte Leerverkäufe für ihre Shortwetten. Damit können sie entweder direkt auf fallende Kurse wetten oder sich gegen Kursrisiken absichern. Dafür leihen sich die Hedgefonds Aktien gegen eine Gebühr und verkaufen diese sofort in der Erwartung, dass sie die Aktien vor dem Rückgabetermin günstiger zurückkaufen können. Die Differenz zwischen Verkaufs- und Rückkaufpreis ist ihr Gewinn.

    Doch die Vermutung stimmt nicht. Die Hedgefonds standen auf der Verkäuferseite. Offenbar gehen sie weiteren Kursverlusten aus, obwohl das Papier seit Jahresanfang bereits ein Drittel an Wert verloren hat.

    Laut den aktuellen Daten des Bundesanzeigers hat sich die Leerverkaufs-Quote am gestrigen Montag um 0,24 Prozentpunkte auf 6,89 Prozent erhöht. Zwei Hedgefonds haben sich rund 97.000 Aktien geliehen geliehen und mit dem Verkauf am Montag die Shortquote weiter nach oben getrieben. Beim Bundesanzeiger werden die Positionen erst veröffentlicht, wenn sie die Schwelle von 0,5 Prozent der frei handelbaren Aktien erreichen.

    Aktuelle Daten von S3 Partners liegen noch nicht vor. Das US-Unternehmen hatte zuletzt fast viermal so viele Short-Wetten gegen Varta wie bislang bekannt veröffentlicht.

    Blick auf Einzelwerte

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    Pfeiffer Vacuum: Nach Rekorderlösen im ersten Halbjahr hat der Vorstand des Vakuumpumpenherstellers seine Ziele für 2022 bestätigt, rechnet aber mit einer Verlangsamung des Wachstums im weiteren Verlauf. Das Umsatzvolumen dürfte im zweiten Halbjahr 2022 aufgrund zunehmender Belastungen und einiger Störungen entlang der Lieferkette im Vergleich zum ersten Halbjahr zurückgehen. Die Aktie verlor 6,1 Prozent.

    Delivery Hero: Anleger greifen nach einer Hochstufung der Aktie zu. Die Titel lagen zeitweise 1,8 Prozent im Plus, die Papiere beendeten den Handel mit einem Plus von 0,6 Prozent. Die Analysten von JP Morgan setzten den Essenslieferdienst auf „overweight“ von zuvor „neutral“ und erhöhten das Kursziel auf 65 Euro von zuvor 32 Euro.

    Siemens Energy: Die noch weiter gesenkten Ziele des Windturbinenherstellers Siemens Gamesa machen auch dem Mutterkonzern zu schaffen. Die Titel gaben 1,5 Prozent nach. Ein Händler führte mit Blick auf die Windkrafttochter „anhaltend unterirdische Ziele“ sowie einen „katastrophalen Ausblick auch für das kommende Jahr“ an. Siemens Energy legt am kommenden Montag Quartalszahlen vor.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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